2014, ein gutes Jahr für die Mapuche-Schule „Trañi-Trañi“

Eben erreicht uns eine Nachricht von Roberto Mansilla, Geschäftsführer von FUNDECAM, der sich für unsere finanzielle Unterstützung im Jahr 2014 für die multilinguale Mapuche Schule Trañi-Trañi bedankt.

Er berichtet weiterhin, dass der chilenische Unterrichtsminister Nicolás Eyzaguirre im Juni die Schule besucht hat.  Sehen Sie dazu folgenden Filmbeitrag: https://www.youtube.com/watch?v=W5xOs4Y-DiM

Der Besuch an sich sowie die dabei geführten Gespräche stimmen Roberto hoffnungsvoll in Hinsicht einer besseren Unterstützung durch die chilenischen Behörden.

Auch während einer Interpellation der äußersten Rechten im Parlament Ende November erwähnte der Unterrichtsminister diese Visite. Ein gutes Zeichen, dass die Ansprüche der Mapuche auf Anerkennung ihrer sprachlichen und kulturellen Eigenständigkeit in der anstehenden Reform des chilenischen Unterrichtswesens Gehör finden?

Veröffentlicht unter CHILE

Glückwünsche von CONEXTO für 2015

Queridos(as) hermanos(as) de NITIs:

 

Que sea una Noche Buena llena de Amor, Solidaridad, Hermandad y Reconciliación entre todos los seres que habitamos este mundo… Y que el 2015 sigamos trabajando por un mundo con respeto e igualdad entre todas/os, con dignidad, solidaridad, armonía y equidad, para que todas/os SIGAMOS BUSCANDO VIVIR BIEN!!

 

Con inmenso cariño,

EQUIPO DE CONTEXTO

Teresa Subieta

DIRECTORA NACIONAL DE CONTEXTO

TARJETA de NAVIDAD

Como voluntaria en Bolivia

Als Freiwillige in Bolivien

Bericht unserer Freiwilligen Mélanie Braquet
in Tirani/Cochabamba von August 2013 bis August 2014

Drei Monate bin ich jetzt aus Bolivien zurück, ein Land das ein zweites Zuhause für mich geworden ist. In den elf Monaten, die ich dort verbracht habe, lernte ich dieses Land und seine Bewohner kennen, nicht als Kurzzeit-Touristin, sondern als Mitbewohnerin.

Als ich im August 2013 in Cochabamba ankam, war erstmal alles sehr überwältigend. Der viele Verkehr und Lärm, die vielen Leute, die einen alle kennenlernen wollten und das Zurechtfinden in der Stadt. Aber vor allem das seltsame Gefühl im Bauch, nämlich das Bewusstsein, dass ich hier jetzt ein ganz neues Leben für elf Monate anfangen würde. Den Empfang im Kindergarten am zweiten Tag werde ich niemals vergessen, die Erzieherinnen hatten ein breites Lächeln auf dem Gesicht und die Kinder aus dem Apoyo stürmten auf mich los, als würden wir uns schon lange kennen. Das seltsame Gefühl verschwand sehr schnell, der Kulturschock kam eigentlich erst ein Jahr später in Luxemburg.

Graffiti Cochabamba

Wandbild in Cochabamba

Das Projekt befindet sich in Tirani, eine kleine Gemeinschaft am Rande von Cochabamba. Dort laufen noch die Schweine und Hühner über die Straße, zu manchen Häusern führt nur ein kleiner Weg durch Wiesen, alles in allem hat es nichts mehr mit dem Stadtzentrum zu tun.

Tirani

Da ich mit den vier anderen Freiwilligen in einem kleinen Haus neben dem Kindergarten wohnte, wurden wir zu einem Teil von dieser Gemeinschaft. Jeder kannte die Freiwilligen, auch wenn wir längst nicht jeden kannten. So sahen wir auch, wie die Kinder lebten, die wir im Kindergarten betreuten. Wir wussten um die Gewalt, die in manchen Familien herrscht, den Mangel an Bildung und Arbeit, das schlechte Gesundheitssystem. Die Eltern sind noch jung, mussten die Schule abbrechen, um zu arbeiten und wissen selbst nicht, wie sie ihre Kinder erziehen sollen. Manche gehen im Alkohol unter und die Kinder leben völlig vernachlässigt vor sich hin. Deswegen ist es so überaus wichtig, dass sie im Kindergarten einen sauberen Ort finden, in dem sie versorgt werden und ihre Kindheit auch ausleben können.

Morgens arbeitete ich im Kindergarten „Ch’askalla“ und begleitete die Kleinen (im Alter von ab 12 Monaten)während einem Jahr. Ich sah, wie sie ihre ersten Schritte machten, das erste Mal selbst aßen und die ersten Wörter über ihre Lippen kamen.

Apoyo 3

Ich glaube, das war eine der schönsten Erfahrungen während diesem Jahr: zu sehen, wie diese kleinen Babys all diese Gesten lernten, die für uns Erwachsene schon längst so normal sind, ohne dass uns bewusst ist, dass man alles einmal erlernen musste. Vor allem aber vertrauten sie mir nach und nach, auch die Freundschaft zu den beiden Tías, den Kindergärtnerinnen, mit denen ich arbeitete, festigte sich während der langen Zeit. Überhaupt war das Personal sehr jung und fröhlich, es herrschte eine sehr angenehme Atmosphäre.

Tías

Die Kindergärtnerinnen kommen allesamt aus Tirani und unterstreichen somit das Vertrauen der Gemeinschaft in das Projekt. Die meisten haben schon einen Mann und Kinder, nach der anstrengenden Arbeit im Kindergarten geht es also genauso weiter zuhause. Trotzdem kümmern sie sich liebevoll, erfinden neue Aktivitäten und wissen immer, wie sie die Kleinen im Zaum halten.

Den Nachmittag verbrachte ich im Apoyo, auch *Centro Cultural“ genannt. Das erste halbe Jahr half ich den Erst- und Zweitklässlern bei ihren Hausaufgaben. Am Anfang kam uns ihre Art von Hausaufgaben ein bisschen nutzlos vor, dann gewöhnten wir uns daran. Größtenteils mussten sie nämlich nur Texte aus ihren Schulbüchern abschreiben oder Rechenaufgaben machen, obwohl die meisten noch die Finger nehmen mussten, um 2 plus 2 zu rechnen.

Apoyo 2

Ein Junge konnte auch trotz einem Jahr Schule das Alphabet noch nicht. Bei solchen Fällen war es für uns dann schwierig, ihnen zu helfen, denn um einem solch grundlegende Dinge beizubringen, fehlte uns die Erfahrung. Sogar beim Abschreiben musste man sich dann dazusetzen, damit die Hausaufgabe erledigt wurde. Aber natürlich war das nicht bei jedem der Fall… Als wir einmal die Lehrer in der Schule besuchten, um mit ihnen über die Fortschritte der Kinder zu reden, wurde uns vieles klar. Die Lehrer waren generell der Meinung, dass die Kinder die Schule eh nicht schaffen würden. Zu dieser Erfahrung kamen die Erzählungen der Kinder hinzu, die darin wetteiferten, welcher Lehrer am öftesten zuschlägt. Aber so oft wir uns auch über das bolivianische Schulsystem aufregten, die Arbeit im Apoyo gefiel mir doch sehr. Die Kinder waren sehr zutraulich, lachten viel und gerne.

Apoyo

Im zweiten Halbjahr bekam ich dann die Gelegenheit, den Gastronomieschülern der Berufsschule Sayarinapaj Französischunterricht zu geben. Dies sollte ihnen ermöglichen, später in einem internationalen Lokal zu arbeiten. Ein paar Tage nach dem unerwarteten Anruf des Direktors der Schule fing ich auch schon an und improvisierte vor einem Dutzend Schüler in meinem Alter. Obwohl es sich als schwierig erwies, ihnen eine neue Fremdsprache beizubringen, waren sie allesamt sehr motiviert und so freute ich mich jeden Montag darauf, das Projekt für einen Tag zu wechseln.

Als ich nach einem halben Jahr Chiles Hauptstadt Santiago besuchte, bekam ich den ersten Kulturschock. Ich hätte mich auch in einer europäischen Großstadt befinden können, so modern waren die Infrastrukturen und der Lebensstil der Chilenen. Erst als Schwester Karoline, die Gründerin der Fundación Cristo Vive, uns die sogenannten Slums der Stadt zeigte, kam die fürchterliche Armut dieses Landes zum Vorschein. Der Unterschied zwischen den sozialen Schichten ist dort noch viel größer als in Bolivien. Die Mittelschicht dagegen leidet nicht unter materieller Armut, doch auf den Bankkonten häufen sich die Schulden, um sich den amerikanisierten Lebensstandard leisten zu können.

Lima

Während meinen Reisen in den Nachbarländern wurde mir bewusst, dass Bolivien ein Einzelfall ist. Ein Einzelfall in dem Sinne, dass dort wie nirgends anderswo die indigene Kultur noch überall zu finden ist und der westliche Einfluss noch nicht überhandgenommen hat – aber auch, dass das Land in seiner Entwicklung seinen Nachbarn hinterherhinkt. Das Projekt in Tirani hat mir Hoffnung in die Entwicklungshilfe gegeben. In eine Entwicklungshilfe, die auf die Einheimischen vertraut und ihnen hilft, ihr eigenes Projekt aufzubauen. Das Equipo in Tirani macht eine wunderbare Arbeit und ich bin froh, dabei gewesen zu sein!
Mélanie Braquet

Mélanie

«SONQO WASI II»

Psychologische, juristische, medizinische und soziale Hilfe für Frauen und Kinder, die Opfer häuslicher Gewalt wurden

2013 – 2016

Partnerorganisation: FUNDACIÓN CRISTO VIVE Perú, Cusco
Budget: 319.484,05 € co-finanziert durch die Luxemburger Regierung

Das Projekt «SONQO WASI (1)» 2009–2012 der Fundación Cristo Vive Perú diente dem Bau und der Einrichtung des Zentrums für integrale Entwicklung von Frauen, die Opfer häuslicher Gewalt wurden in Cusco, Peru.

Das «Sonqo Wasi» möchte den misshandelten Frauen nicht nur eine kompetente und professionelle Hilfestellung anbieten sondern darüber hinaus ein Ort voller menschlicher Wärme, Zuwendung und Verständnis sein, in dem die Frauen zusammen mit ihren Kindern ihre traumatischen Erlebnisse aufarbeiten können. Die Frauen und auch die Kinder erhalten während dieser Zeit psychologische Betreuung, damit sie ihre verlorene Selbstachtung wiedergewinnen und so ihr Leben wieder selbst in die Hand nehmen können. Um den Frauen den Start in einen neuen Lebensabschnitt zu erleichtern, können sie während ihres Aufenthaltes im Frauenhaus an verschiedenen Ausbildungskursen teilnehmen, um somit ihre Chancen auf eine Arbeit und auf finanzielle Unabhängigkeit zu erhöhen.

Frauenhaus
Das vorliegende Folgeprojekt «SONQO WASI (2)» 2013 – 2016 ist als Konsolidierungs- und Ausbauprojekt konzipiert.
Familiäre und sexuelle Gewalt sind in der peruanischen Kultur (leider) noch immer stark verwurzelt. Den Männern wird stillschweigend ein quasi natürliches Recht auf Dominanz zugesprochen und Gewaltanwendung gegen Frauen und Kinder gehören sozusagen zur Privatsphäre. Diese Meinung ist sowohl im städtischen wie im ländlichen Raum weit verbreitet. Kein Wunder also, dass viele Frauen ihre Aggressoren aus Angst vor sozialer Ausgrenzung nicht anzeigen.
Glücklicherweise ist die Problematik auf Grund der Arbeit sozialer Vereinigungen, insbesondere der Frauenorganisationen, in der öffentlichen Meinung angekommen und wird auch von den Behörden ernst genommen. So stieg die Zahl der staatlichen „Centres de Emergenzia de la Mujer“ zwischen 2004 und 20011 von 38 auf 128. Auch sieht der „Plan zur Bekämpfung der Gewalt gegen Frauen 2009 – 2015“ die Schaffung vieler zusätzlicher Anlaufstellen für Gewaltopfer vor, nur hinkt seine Verwirklichung den Vorgaben stark hinterher. So gibt es im ganzen Departement Cusco neben dem „Sonqo Wasi“ nur ein einziges funktionsfähiges Frauenzentrum. Negativ ist des Weiteren der erhöhte staatliche Bürokratismus. Besonders viele wenig gebildete Frauen vom Land lassen sich davon abschrecken.

Mütter
Die Fundación Cristo Vive Perú möchte vor allem den misshandelten Frauen und ihren Kindern eine menschliche, unbürokratische Anlaufstelle sein sowie eine möglichst integrale Betreuung anbieten. Dabei sollen psychologische, juristische, soziale, medizinische, kulturelle und erzieherische Aspekte berücksichtigt werden. Dazu kommt noch die Arbeit mit den Tätern: Zweimal pro Monat treffen sie sich zur Gruppentherapie. Daneben wird noch auf Wunsch Einzel- oder Paartherapie angeboten.
Eine ambulante Betreuung bietet sich an in den Fällen, wo die Misshandelten eine Möglichkeit sehen, ihre Situation und ihre Problematik selbst in die Hand zu nehmen und im Kreis der Familie zu lösen. Ihnen stehen eine Sozialarbeiterin, eine Psychologin und eine Anwältin zur Verfügung.
Sind die Frauen und ihre Kinder aber einer akuten ernsten Gefahr für ihre Gesundheit oder sogar für ihr Leben ausgesetzt und genießen sie außerdem keine Unterstützung durch ihre Familie, so ist eine Aufnahme im „Sonqo Wasi“ unumgänglich. Hier ist ihnen bis zu 4 Monaten – in Ausnahmefällen bis zu 6 Monaten – Zeit zur Aufarbeitung Ihrer traumatischen Erfahrungen und Gelegenheit für einen Neuanfang gegeben.
Während ihres Aufenthalts sind die Frauen für das gute Funktionieren des Zentrums verantwortlich. Unterstützt werden sie dabei vom Personal des «Sonqo Wasi» sowie von freiwilligen Helfern, vor allem aus Deutschland aber zurzeit auch aus Luxemburg. In der Tat: Tonie Schweich hat sich im Rahmen des Freiwilligenprogramms von Niños de la Tierra und dem Service National de la Jeunesse zu einem Jahr Freiwilligendienst in Cusco verpflichtet. Ihr Blog www.tonieenperu.weebly.com vermittelt mit vielen Fotos und kommentierendem Text in Luxemburger Sprache einen guten Einblick in das tägliche Leben im Zentrum.
Nach erledigter Hausarbeit erhalten die Frauen aber auch Gelegenheit, ihre sprachlichen, schriftlichen und rechnerischen Fähigkeiten zu verbessern. Auch Alphabetisierungskurse werden angeboten. Für die Kinder gibt es Nachhilfe- und Aufgabenunterricht sowie Frühförderung für die ganz Kleinen. Daneben gibt es Therapie- und Freizeitateliers wie Tanz, Theater, Malerei usw.

Kinder Frauenhaus
Ganz wichtig für die Zukunft der Frauen ist die Aussicht auf ein Leben in finanzieller Unabhängigkeit von ihren früheren Partnern. Während 6 Tagen pro Woche werden ihnen eine Reihe handwerklicher Ateliers angeboten wie Kochen, Backen, Kunsthandwerk, Kleider nähen usw. Ein hauseigner Garten gibt Gelegenheit zum biologischen Anbau von Gemüse, Gewürz- und Heilkräutern. Eine professionelle Backstube sorgt für den Eigenbedarf an Brot und Gebäck; daneben werden noch zwei Drittel der Produktion verkauft und helfen so dem Zentrum, sich teilweise selbst zu finanzieren und den Frauen ein kleines Einkommen zu garantieren.
Eine große Hilfe bei der sozialen Reintegration ist die Selbsthilfegruppe «Sonqo Wasi-Warmikuna» in welcher frühere Bewohnerinnen des «Sonqo Wasi» auf freiwilliger Basis ihren Schicksalsgenossinnen beim Beginn eines neuen Lebensabschnitts helfend und beratend zur Seite stehen. Im Laufe der Jahre ist auf diese Weise ein Netzwerk entstanden, das den Frauen beim Eintritt in die Selbständigkeit die Gewissheit vermittelt, nicht auf sich allein gestellt zu sein.
Schlussendlich möchte die Fundación Cristo Vive Perú einen nachhaltigen Beitrag in Sachen Prävention und Mentalitätswechsel leisten. In Zusammenarbeit mit staatlichen oder gemeinnützigen Institutionen wie z.B. der Polizei oder Frauenorganisationen aus den Stadtvierteln in der Umgebung des Frauenzentrums werden Vorträge und Ateliers über familiäre Gewalt angeboten ebenso Kurse über Verhütung von Sexualmissbrauch und AIDS für Schüler, Lehrer und Eltern in verschiedenen Schulen.

Prävention
Das Gesamtbudget dieses Projektes liegt bei 319.484 Euro wobei die Personal- sowie die Unterhaltskosten den größten Teil bilden. Das Projekt wird zu zwei Drittel vom Luxemburger Staat cofinanziert.

marcel kohn

Soeben erschienen

Buch MischAm letzten Freitag stellte Michel Schaack, Ehrenpräsident von Niños de la Tierra, sein Buch „Christ sein – mit Zorn und Zärtlichkeit“ in  den Räumen der Erwachsenenbildung in Luxemburg-Stadt vor. Der große Saal war bis zum letzten Platz gefüllt. Zuerst stellte Wolfgang Fleckenstein den Autor vor und Jean Leyder führte in die Thematik ein, musikalisch untermalt durch Gitarrensolos von Hubert Hausemer. Dann trug Michel einzelne Auszüge aus seinem Buch vor und veranschaulichte diese durch erweiternde Kommentare und Hinweise zum jeweiligen Kontext.

„Es war mir ein Bedürfnis niederzuschreiben, was mich in all den Jahren meines aktiven Lebens bewegt hat. Egal, wie Sie zum Christlichen stehen, ich lade Sie herzlich dazu ein, mit mir auf den Weg zu gehen und nachzuvollziehen, was ich erlebt habe, besonders seit ich 1978 Schwester Karoline Mayer begegnet bin und mich verstärkt auf Jesus von Nazareth eingelassen und versucht habe zusammen mit Vielen die Welt, in der wir leben, aus seiner Perspektive zu betrachten. Für mich zählt, was Abbé Pierre einmal in Bezug auf die Zukunft unserer Welt geschrieben hat: „Es geht nicht mehr um den Unterschied zwischen denen, die glauben und denen, die nicht glauben, sondern zwischen denen, die interessiert sind und denen, die gleichgültig bleiben.“ M.S.

 

Aus dem Inhalt:
Mein Engagement im Bettemburger Jugendchor, in der Aktion für den Frieden und im Friedensforum der LSAP, bei Chiles Kinder bzw. Niños de la Tierra, bei Beetebuerg Hëlleft, CristoVive Europa, in der Erwachsenenbildung usw.
Begegnungen mit Menschen aus Luxemburg und Südamerika.
Musik als Lebenschance für Menschen am Rande der Gesellschaft.
Zeichen von Liebe u.a. Ein Mann, der Priester war, erzählt.
Nachdenken über Liebe und Tod.
Das Leben, ein Fest!? Freunde, das Leben ist lebenswert…leider nicht für alle: Arbeitslosigkeit, Ausbeutung, Armut, Menschen zum Wegwerfen, Sklaven heute, Waffen töten auch ohne Krieg: der Skandal des Hungers!
Die Hölle von Auschwitz.
„Gutes Leben“ für alle

Preis:   Luxemburg: 15,00 €      Europa: 20,00 €
Sie erhalten das Buch (ca. 200 Seiten, mit Fotos; Cover: Eliane und Luc Morroni) nach Überweisung dieser Summe an Michel Schaack IBAN LU 41 1111 0364 4065 0000; CODE BIC (Ausland):CCPLLULL Vermerk: Buch ZZ.

Veröffentlicht unter NEWS

Projekt TEATRO-BUS

Logo Teatro-Bus, dibujo
 
 
 
 
 
Santiago de Chile

Einfach mal anfangen mit Theater spielen und Spaß haben! So begann das Projekt TEATRO-BUS vor jetzt fast schon 5 Jahren an. Damals dachte ich mir: “Wenn ich nicht selbst an mein Projekt glaube, wer dann?” Anfangs fehlte es erstmals an finanziellen Mitteln. Aber ich hatte die tiefe Überzeugung, dass das Theater Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit gibt, selbst Wege aus der Armut zu finden. Und so legte ich also einfach los: eine minimalistische Aufführung, damals noch ohne Vorhang und ohne Bühnenlicht, ließ alle Kinderaugen strahlen. Das Selbstbewusstsein der mitwirkenden Kinder wuchs mit jedem Publikumsapplaus.IMG_7838

Inzwischen kennt man uns hier im Armenviertel. Regelmäßige Theaterteliers, diverse Workshops wie Malerei, Tanz und Capoeira haben uns bekannt gemacht. Wie von alleine kamen in den letzten Jahren die verschiedensten Menschen auf das Projekt zu und haben es mit ihrem Beitrag wachsen lassen. Im Januar 2015 feiert Teatro-Bus sein fünfjähriges Bestehen. Wir blicken zurück auf viele kulturelle Aktivitäten, die im Armenviertel statt gefunden haben, ein Farbtupfer im schwarz-weißen Alltag der Menschen.

Wenn ich durch die Straßen gehe, bin ich immer noch schockiert über das Elend, den Müll vor den Häusern, das trostlose Dasein vieler Menschen, die gefangen scheinen in einem Viertel, das ihnen kaum etwas bietet. Dieser tägliche Überlebenskampf, die Präsenz von Drogen und Alkohol in den meisten Familien, lässt die Menschen scheinbar apathisch werden. Aber es kann nicht sein, dass Kinder miterleben müssen, wie jemand öffentlich Drogen konsumiert oder schlimmer noch, wie Drogenbanden sich Schießereien auf offener Straße liefern.

IMG_7647

“Was ist das, Theater?”, fragte mich einmal eine Mutter, deren jugendlicher Sohn ab und zu bei uns vorbei schaut. „Theater ist spielen, der Fantasie freien Lauf lassen und sich vom Alltag loslösen. Wenn wir Thea-ter mit den Kindern spielen, dann heißt das für uns, vor allem sich gegenseitig respektieren, Kind sein dürfen, gemeinsam lachen, geschützt vor der kriminellen Außenwelt“, war meine spontane Antwort.

Unsere größte Herausforderung ist es, die Kinder und Jugendlichen für das Projekt zu begeistern. Familien- und Hausbesuche sind notwendig, um intensiv Elternarbeit zu leisten, damit die Kinder bei uns teilnehmen dürfen. Viele erlauben ihren Kindern überhaupt nicht, abends aus dem Haus zu gehen wegen der lauernden Gewalt. Wir sind aber hartnäckig und überzeugen die Eltern immer wieder, ihren Kindern Freiraum zu lassen. Inzwischen haben wir eine feste Theatergruppe, die seit Beginn dabei ist. In unserem Dokumentarfilm über das Projekt (zu sehen auf YouTube: teatrobus chile) erzählen die Kinder, wie das Theater ihr Leben und ihre Einstellung verändert hat. So berichtet die zehnjährige Alon-dra, dass sie durch die Theaterarbeit ihre Schüchternheit überwunden hat und nun keine Angst mehr hat, nach außen hin zu zeigen, wer sie wirklich ist. Javiera lädt alle Kinder ein, am Projekt teilzunehmen, da es ein Ort ist, an dem ‘nichts Schlechtes’ passiert. Marta, deren Vater gestorben ist und deren Bruder die Familie unter anderem mit Kleindiebstählen unterhält, erzählt vor der Kamera, dass die Mathematik vielleicht auf den ersten Blick wichtiger erscheint als das Theater. Doch sie ergibt sich dem Theaterspielen zu 100 %, denn das Theater kann man fühlen, die Mathematik nicht.

P1000644

Unterstützung bekommen wir von der Luxemburger asbl. “andamos”, dem Fitnessclub “Just move” und einigen treuen privaten Spendern aus Luxemburg und Deutschland. Inzwischen konnten wir auch „Niños de la Tierra asbl.“ von unserer Arbeit überzeugen und bekamen für 2014-2015 eine großzügige Spende. An uns wird also geglaubt. Dank dieser diversen finanziellen Unterstützungen konnten wir in den letzten Jahren das Ganze professionell aufbauen. Somit folgt nun auch 2015 die Einstellung einer Psychologin. Für den Kauf eines Minibusses, das eigentliche Herz des Projektes, sammeln wir fleißig Spenden. Dieser Theaterbus wird hoffentlich bald in allen Farben glänzen und viele Menschen im Armenviertel mit präventiven Theaterstücken erreichen und öffentliche trostlose Plätze kulturell bereichern. Unser Bus, den wir dank Eurer Unterstützung demnächst kaufen können, wird dafür sorgen, dass chilenische Kinder und Jugendliche mittels des Theaters ihre Rechte kennen lernen. Konkret arbeiten wir gerade an der Entwicklung eines Theaterstückes zum Thema „Sexueller Missbrauch“.
Auf dem Weg zu unserem Ziel stehen immer wieder Hürden, die wir tapfer meistern müssen. Diese Hürden sehe ich mittlerweile als Chance für das Projekt, weiter zu wachsen. Wenn man weiß, was man will, geht es immer bergauf. Es freut mich sehr, meine Erfahrung hier mit allen treuen Lesern des Nitis-Info und Spendern teilen zu können. Gerne können Sie auch direkt mit uns Kontakt aufnehmen:
teatrobus.chile@gmail.com

‘saludos’ aus Chile.
Diane Catani, Anita und Enri

Weitere Informationen unter:
www.teatrobus-chile.com

Veröffentlicht unter CHILE

Unser Folgeprogramm Tirani (2)

„BUEN VIVIR en la COMUNIDAD DE TIRANI“

Gut leben in der Gemeinde Tirani

Schon im Titel ist die Zielsetzung dieses neuen Projektes formuliert: Gut leben, ein Recht das eigentlich jedem zustehen sollte. Das Konzept des «Buen Vivir» wurde 2009 in die bolivianische Verfassung aufgenommen und Niños de la Tierra wollte sich dieser nationalen Zielsetzung in Tirani, einer kleinen Randgemeinde von Cochabamba, anschließen. «Buen vivir en la comunidad de Tirani» ist das 5-jährige Folgeprojekt (2014-2018) von Ch’askalla (Sternchen, 2010 – 2013), der Errichtung eines Kindergartens mit Ausbildung von Erzieherinnen und einer intensiven Elternarbeit. Mit diesem Kindergarten hat Niños de la Tierra sozusagen die Ausgangsbasis der Entwicklungsarbeit in Tirani gelegt. Vor Ort ist die Fundación Cristo Vive Bolivia, unter der Präsidentschaft von Schwester Karoline, ein tatkräftiger und verlässlicher Partner.

Bild1Die diagnostische Forschung und die praktische Arbeit mit der Gemeinde ab 2007 haben es erlaubt, die schwerwiegenden Probleme der Gemeinde genauer zu verstehen. Diese sind bei den Menschen über 25 Jahren (Elterngeneration) bereits tief verwurzelt und beeinflussen sehr stark die Möglichkeiten der Kinder und Jugendlichen, ihre Potenziale zu entwickeln und Chancen für ihr Leben wahrnehmen zu können.

Im Rahmen des Kindergarten Ch´askalla konnte erreicht werden, dass insgesamt 100 Mädchen und Jungen zwischen 7 Monaten und 5 Jahren nun mehr Aufmerksamkeit, Frühförderung, Erziehung und Schulvorbereitung, angemessene Ernährung und die Beobachtung ihres körperlichen und psychologischen Wohlergehens genießen. Die erhobenen Daten zeigen relevante Auswirkungen in der Nivellierung von Unterernährung und Entwicklungsverzögerungen, die anfangs diagnostiziert wurden.

Die Rückmeldungen der Lehrer der örtlichen Grundschule über die Kinder, die aus dem Kindergarten Ch´askalla in die Vorschule wechseln, sind inzwischen durchweg positiv. Sie bestätigen, dass diese Kinder sehr viel selbständiger sind als ihre Altersgenossen.
Mit Unterstützung staatlicher Gesundheitszentren konnte der Ernährungs- und Gesundheitsstatus vieler Kinder verbessert werden: Kontrollen des Ernährungsstatus, Ernährungszusätze, Parasitenbehandlungen und Impfungen. In Hinblick auf die Hygiene wird von den Erzieherinnen und Freiwilligen darauf hingearbeitet, dass die Kinder die Gewohnheit entwickeln, sich die Zähne zu putzen, die Hände vor dem Essen zu waschen, sich die Nase zu putzen, Müll im Abfalleimer zu entsorgen und bei Sauberkeit und Ordnung aktiv mitzuwirken. Häufig fehlt in den Familien jedoch die notwendige Unterstützung, um diese Gewohnheiten zuhause weiterzuführen.
Insbesondere durch die soziale Kontrolle der am Kindergarten teilnehmenden Eltern untereinander konnte ein positiver Effekt in rund 40% der Familien im Hinblick auf elterliches Verantwortungsbewusstsein und die Problematik des Alkoholismus erreicht werden. Es konnte auch das Bewusstsein für ein Familienleben geweckt werden, in dem die Verantwortung für die Kindererziehung von beiden Partnern gemeinsam übernommen wird. So überwanden z.B. einige Väter ihren machistischen Stolz und begannen, die Kinder selber zum Kindergarten zu bringen oder sie abzuholen. Es lässt sich auch eine aktivere Teilnahme einiger Väter an Elternabenden und Workshops beobachten. Dennoch ist der Weg noch weit.

10 BDie Familienplanung, die sexuelle und reproduktive Gesundheit, die als Paar wahrgenommen werden sollte, wird noch nicht als eine Form des sich gegenseitig Behütens verstanden, sondern als ein Recht der Männer, über die Zahl der Kinder und den Moment und die Umstände der Zeugung zu entscheiden. Viele Frauen akzeptieren den Wunsch ihrer Partner, acht oder mehr Kinder zu haben, weil sie Angst haben, verlassen zu werden. Dabei sind sie sich wohl bewusst, dass sie ihren Kindern keine angemessenen Lebensbedingungen werden bieten können und nehmen die Risiken in Kauf, denen sie durch die häufigen Geburten und die fehlende gynäkologische Betreuung ausgesetzt sind.

Wegen ihres niedrigen Bildungsniveaus haben viele Erwachsene wenig Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Gleichzeitig haben sie kaum Möglichkeiten, Strategien zu entwickeln, die es ihnen erlauben, die ihnen zur Verfügung stehenden natürlichen Ressourcen optimal zu nutzen: Ackerland und Bewässerung sowie das Netzwerk der Gemeinde.

Auf der Grundlage der Erfahrungen aller Beteiligten in der ersten Projektphase sind wir zu der Schlussfolgerung gekommen, dass eine noch stärkere Einbindung der Eltern und der Gemeinde notwendig sind, um die erwünschten Veränderungen in Tirani erreichen zu können.

Die Vorschläge für das neue Projekt sind in einem partizipativen Prozess entstanden. Besonders die Weiterentwicklung des Kindergartens wurde mit dem Team der Erzieher und den Eltern geplant. Viele Familien bekunden ihr Interesse an der Gründung einer Elternschule. Auch sind sie an Aktivitäten interessiert, welche ihnen ein regelmäßiges Einkommen auf der Basis von typischen Produkten der Zone ermöglichen z.B. Optimierung des Blumenanbaus.

Bild2Ziel des Projektes ist es, die Lebensqualität der Gemeinde Tirani zu verbessern, indem Chancen durch Gesundheitsförderung und Weiterbildung der Familien geschaffen werden.

Schwerpunkte der Arbeit sind:

1. Frühförderung der Kinder:
Vorrangig gilt es, die Qualität und menschliche Wärme der Arbeit im Kindergarten Ch´askalla beizubehalten und weiter zu verstärken, das Team zu festigen und zu erweitern, eine finanzielle Nachhaltigkeit der Arbeit auf lange Sicht zu erreichen und die Wirkungen des Vorhabens auf die Qualität der Erziehung in der örtlichen Vorschule auszudehnen.

2. Lebenslanges Lernen:
Dieser Arbeitsbereich will Mütter und Väter intensiver einbeziehen, um Veränderungen in der ganzen Gemeinde zu erzielen. Es soll Orientierung und Weiterbildung angeboten werden, die auf spezifische Interessen und Problematiken der Familien in Tirani eingehen z.B. Alphabetisierung, Suchtüberwindung, Rechte auf dem Arbeitsmarkt, Orientierung und Fortbildung sowie Initiativen, um das Einkommen der Familien zu verbessern.

3. Familien- und Gemeindegesundheit:
Die dritte Säule des Projekts sieht vor, das Potenzial der „Posta medica“, des Gesundheitszentrums von Tirani zu verbessern. Dies liegt seit ihrem Bau durch die Gemeindeverwaltung ziemlich brach. Hier soll eine nahe gelegene und den Bedürfnissen angepasste Gesundheitsversorgung erzielt werden, insbesondere Gesundheitsförderung, Prävention und Familienplanung.

Unser vorheriges Projekt war hauptsächlich auf das Wohlergehen der Kinder ausgerichtet. Die Familien, die Mütter und Väter waren nur indirekte Zielgruppen. Durch die Kinderbetreuung wurde den Frauen eine Erwerbsarbeit ermöglicht, wodurch die ganze Familie ihren Lebensstandard verbessern konnte. In Zukunft werden die Familien direkte Zielgruppe sein, insbesondere durch die Aktivierung der Gesundheitsstation, der Bildungsprozesse in der „Elternschule“ und durch die Förderung Einkommen schaffender Initiativen.

Bild3Das Projekt wird überwiegend von Menschen vorangebracht, die aus der Gemeinde Tirani stammen und dort verwurzelt sind, was die soziale Stabilität des Projektes sehr positiv beeinflusst. Die ausdauernde, zuverlässige Arbeit mit den Kindern und ihren Familien hat zu einem großen Vertrauensgewinn geführt, der sich unter anderem in der hohen Nachfrage nach Kindergartenplätzen widerspiegelt sowie in der zunehmenden Beteiligung von Müttern und Vätern an gemeinsamen Aktivitäten. Auch dies ist eine gute Voraus-setzung dafür, dass das Projekt langfristig tragfähig ist.

Das Projekt „BUEN VIVIR en la COMUNIDAD TIRANI“ zielt darauf ab, für eine neue Generation von heranwachsenden Kindern den Kreislauf der Vererbung von Armut zu unterbrechen. Dadurch werden auch für die nächsten Generationen veränderte Ausgangsbedingungen geschaffen.

Marco Hoffmann

Zu Besuch in Luxemburg

P1020812Am 4. Juni waren Teresa Subieto, Direktorin unserer Partnerorganisation „Contexto“ aus La Paz/Bolivien und Marcela Matias, Verantwortliche der Frauenkooperative „Juana Azurduy de Padilla“ zu Besuch bei Niños de la Tierra. Zuvor waren sie bereits mit ihrer anderen Luxemburger Unterstützergruppe „Nouvelle PNP“ zusammengekommen.

Teresa und Marcela erläuterten uns den letzten Stand unseres Projektes „Integrales Entwicklungsprogramm für Frauen, Kinder und Jugendliche“ (2011 – 2014)
– in Alto Chijini im 12. Distrikt der Stadt El Alto, einer Trabantenstadt um den Flughafen von La Paz mit fast einer Million Einwohnern auf 4100 m Höhe
– in der Sektion Pacuani der Landgemeinde Palca, 550 Einwohner, ca. 30 km vom Zentrum von La Paz entfernt auf 4000 m Höhe.
P1020821

Hauptprobleme der beiden Zielgebiete dieses Projektes sind generelle Armut der Einwohner sowie mangelhafte Infrastruktur.
Anschließend wurden die möglichen Alternativen eines Folgeprojekts diskutiert.
Ein weiteres Anliegen von Teresa und Marcela ist die Vermarktung der Produkte der Werkstätten der Frauenkooperative in den Luxemburger Weltläden.

Ein gemeinsames Abendessen beschloss diese kurze Arbeitsvisite, bevor unsere beiden sympathischen Vertreterinnen von Contexto am nächsten Morgen nach Madrid und anschließend nach Bolivien zurückfuhren.

 

 

 

Im Juni war Schwester Karoline zu Besuch in Europa. In Deutschland galt ihr Interesse besonders dem Katholikentag in Regensburg und der Generalversammlung von Cristo Vive Europa in Würzburg. In Luxemburg, wo sie sich vom 16. bis zum 19. Juni aufhielt, besuchte sie ihre Bekannten, um ihnen nicht nur die letzten Nachrichten aus ihren Stiftungen in Chile, Bolivien und Peru zu überbringen, sondern auch um sie persönlich zu begegnen, mit ihnen zu diskutieren und eventuell neue Pläne zu schmieden.

P1170511
Ihre Ansprechpartner waren diesmal die Vereinigungen „Andamos“, „Bridderlech Deelen“, „Guiden a Scouten mat der Drëtter Welt“ und „Niños de la Tierra“. Auch traf sie sich mit dem im Mai 2012 wiederauferstandenen Bettemburger Jugendchor, mit Verantwortlichen der Pfarrverbände von Bettemburg-Hüncheringen-Hesperingen, der Erwachsenenbildung sowie der Gemeinde Bettemburg und deren ONG „Beetebuerg hëlleft“. Karoline freute sich mit vielen Anwesenden über das von Pfarrassistentin Christine Buβhardt organisierte Taizé-Gebet in der Bettemburger Pfarrkirche. P1020892In dieser besinnlichen Stunde legte Dorothée Franzen Zeugnis ab über ihr Engagement als Freiwillige von Ninôs de la Tierra im Kindergarten Naciente in Santiago von Oktober 2012 bis September 2013. Auch Karoline richtete liebe Worte an die Gemeinschaft. Sie träumt, ähnlich wie Martin Luther King oder wie die neue Verfassung Boliviens von einem „Guten Leben für alle“: für Arme und Reiche in Bolivien und in der ganzen Welt. Sie handelt danach. Jeden Tag aufs Neue.

 

 

 

Schlussendlich war Rodrigo Aramayo von der Partnerorganisation „Anawin“ aus Cochabamba/Bolivien unser Gast am 12. und 13. August. Am ersten Tag seiner Visite machten wir eine Tour ins Ösling und in die Stadt Luxemburg.

010-1

Tags darauf wurden in einer Arbeitssitzung unsere gemeinsamen laufenden Projekte Revue passiert und Möglichkeiten einer zukünftigen Zusammenarbeit erörtert. Die ganz herzliche Zusammenkunft wurde mit einem gemeinsamen Abendessen beschlossen.

Michel Schaack/Marcel Kohn

RECHT auf NAHRUNG

Die Hoffnung hat zwei schöne Töchter:
Die Wut darüber, wie die Dinge sind
und den Mut, sie zu verändern.

Augustinus

 

Der World Food Report der UNO zeigt auf, dass die Weltlandwirtschaft heute die Möglichkeit hat, 12 Milliarden Menschen zu ernähren, das heißt quasi das Doppelte der aktuellen Weltbevölkerung. Dennoch sterben jährlich 10 Millionen Menschen an Hunger und eine Milliarde Menschen sind lebenslang chronisch unterernährt.

In der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ist das Recht auf Nahrung verankert. Müsste also das Recht auf Nahrung für jeden nicht zur obersten Priorität der Weltpolitik erklärt werden?

Hunger und Armut, die zusammengehören, haben viele Ursachen: eine ungerechte Weltordnung, Kriege, extreme klimatische und geographische Bedingungen, mangelndes Know-how, Wassermangel, schlechte Verwaltung, die komplette Liste ist lang. An oberster Stelle aller Ursachen steht jedoch die Profitgier und die Unfähigkeit oder Weigerung der Staaten, Spekulation und Profite einzuschränken sowie Korruption zu bekämpfen. Global steht genug Nahrung zur Verfügung, ihre Verteilung ist jedoch das Problem.

Experten zufolge, wie dem Schweizer Soziologen Jean Ziegler, werden 85% aller gehandelten Nahrungsmittel von 10 multinationalen Konzernen kontrolliert. Es handelt sich vor allem um die Grundnahrungsmittel Reis, Mais und Weizen. Diese Konzerne verfolgen keine noblen Gemeinwohlziele, deren Ziel ist allein die Profitmaximierung. Ihre Macht und ihr Einfluss sind enorm und ihre Interessen stehen, so Jean Ziegler, “über dem Recht auf Nahrung”.

In den letzten Jahren haben sich die Aktivitäten der Großbanken auf die Rohstoffbörsen konzentriert, vor allem auf die Agrarprodukte. Dabei wurden in voller “Legalität” riesige Profite gemacht. Die Spekulation auf Grundnahrungsmitteln ist ein Skandal, da für die Ärmsten der Welt die Verteuerung dieser Nahrungsmittel eine Katastrophe ist. Laut Weltbank leben global 1,2 Milliarden Menschen am Existenzminimum, mit weniger als einem Dollar pro Tag! Wie können diese Menschen überleben, wenn die Lebensmittelpreise unbezahlbar werden?

Seit ein paar Jahren werden für die Herstellung von Agrar-Treibstoff gewaltige Flächen mit Mais und Getreide angebaut um Biomethanol und Biodiesel herzustellen. 2011 wurden laut Jean Ziegler in den USA 138 Millionen Tonnen Nahrungsmittel zu diesem Zweck verbrannt. Tendenz steigend. Dies ist unerträglich, angesichts der hungernden Menschheit. Auch wenn die Absicht, das Klima zu schützen und sich unabhängiger von fossilen Brennstoffen zu machen, an sich verständlich ist. Der Kampf gegen Hunger und Armut müsste parallel und mit oberster Priorität geführt werden.

Ein weiterer “moderner” Mechanismus, der die Hungerproblematik verstärkt, anstatt sie zu bekämpfen ist das “landgrabbing” von dem vor allem überschuldete afrikanische Länder betroffen sind. Diese Staaten verfügen als reine Agrarstaaten mit wenig Infrastruktur und Know-how in der Landwirtschaft über sehr niedrige Einkünfte. Geld fehlt für wichtige Investitionen, für Bewässerung, Ausbildung und neue Agrartechnik, die notwendig wären, um die Produktivität der kleinbäuerlichen Betriebe zu verbessern. Diese Staaten geraten immer mehr in die Schuldenfalle. Die hohe Verschuldung bewirkt, dass ihnen neue Subventionen anderer Staaten verwehrt bleiben. Öffentliche Finanzinstitute, unter anderem die Weltbank, lassen ihnen fast keine andere Möglichkeit als ausländischen Investoren Land zu überschreiben, um ihre Schulden abzubauen. Diese verfügen über das notwendige Kapital, um Nahrungsmittel für den Export zu produzieren und zu vermarkten. Das trägt jedoch nicht zur Verbesserung der Versorgung der einheimischen Bevölkerung bei.

Welthungerindex 2012

Lässt diese verhängnisvolle Entwicklung sich noch bremsen? Angesichts der relativen Untätigkeit der politisch Verantwortlichen, sowie des Desinteresses vieler Menschen in den “entwickelten” Ländern, könnte man daran zweifeln.

Was sind unsere individuellen Handlungsmöglichkeiten, wie können wir hier und jetzt verantwortlich handeln, um Hunger und Armut zu bekämpfen?
Je mehr Leute gemeinsam ein Ziel verfolgen, desto wirksamer können sie handeln. Es gilt Druck auf politische Parteien auszuüben und Bewegungen zu unterstützen, die durch eine Mobilisierung der Zivilgesellschaft entstanden sind.

Viele Menschen fangen an, ihre Kaufgewohnheiten zu verändern, ein wichtiges Druckmittel auf die Produzenten und Händler. Sie legen Wert auf fair gehandelte Produkte, die durch faire Preise die Existenz vieler Kleinbauern sichern. Sie kaufen regional erzeugtes und saisonales Obst und Gemüse und achten auf den Schutz der natürlichen Ressourcen. Viele reduzieren ihren Fleischkonsum, nicht nur um gegen Massentierhaltung zu protestieren, sondern wegen der negativen Auswirkungen der Fleischproduktion. Ein Viertel der Weltgetreideernte wird in die Massentierhaltung investiert. Dieses Getreide könnte viel mehr Menschen ernähren, als das Fleisch, das damit erzeugt wird.

Es wäre im Sinne der Kleinbauern in Entwicklungsländern, wenn die Verbraucher den Kauf gentechnisch manipulierter Nahrungsmittel verweigern würden. Der Anbau dieser Nahrungsmittel führt in jenen Ländern zu einer finanziellen Abhängigkeit der Bauern von den Saatgutproduzenten, vor allem von einem weltweit agierenden Großkonzern. Die betroffenen Saaten führen zwar zu höheren Ernten, bringen jedoch keine eigenen Saaten hervor. Diese müssen mehrmals im Jahr gekauft werden, gleichzeitig mit teuren Düngemitteln. Dieser Teufelskreis hat schon viele Bauern in den Ruin getrieben.

Viele Organisationen leisten wichtige Arbeit im Kampf gegen Armut. Sie brauchen finanzielle Unterstützung zur Verwirklichung ihrer Projekte im Bereich Entwicklungszusammenarbeit.

Je mehr Menschen sich für einen nachhaltigen Lebensstil entscheiden und sich der sozialen und ökologischen Nebeneffekte ihrer Kaufgewohnheiten bewusst werden und auf diese Weise Verantwortung übernehmen, desto größer wird der Impakt auf den Handel mit Konsumgütern, insbesondere mit Nahrungsmitteln sein.

Die Entscheidungsträger von heute sind gefordert, die post-2015 Entwicklungsagenda ernst zu nehmen, um die Ziele der nachhaltigen Bekämpfung der Armut und des Schutzes der natürlichen Umwelt zu erreichen.
Yvette Schweich-Lux