Unser neues, kofinanziertes Projekt mit CONTEXTO

VERBESSERUNG DER NAHRUNGSSICHERHEIT UND DER ERNÄHRUNG IN UND UM POTOSI

Seit einigen Jahren ist die bolivianische NGO CONTEXTO einer unserer Partner in Bolivien. Mehrere Projekte wurden bereits mit ihnen durchgeführt und konnten einiges bei den jeweiligen Gemeinschaften um La Paz, El Alto und Potosi bewegen. Bei unseren Evaluierungsbesuchen haben uns immer wieder die Lebensumstände und täglichen Unwegsamkeiten der ärmeren Bevölkerung – mit der CONTEXTO seit Jahren « auf Augenhöhe » arbeitet – sehr bewegt und aufgewühlt. Besonders in El Alto und auch in Potosi ist die Armut und die ungerechte Verteilung der Möglichkeiten für die am Rande lebenden Menschen mit den Händen greifbar. Im Departement Potosi gibt es die größte Diskrepanz zwischen den Löhnen; die Armutsrate liegt um die 60% (trotz Verbesserungen in den letzten Jahren, teilweise zunichte gemacht durch die COVID-Pandemie). Schlechte Ausbildung, schlechte Ernährung und schlechte Gesundheitsversorgung sind an der Tagesordnung. Besonders Kinder und Frauen (oft Alleinernährer ihrer Kleinen) sind betroffen. CONTEXTO hat (durch ihre jahrelang bewährte Methodologie – siehe hierzu unseren Artikel im INFO 2-2016) in all der Zeit sehr vielen Menschen aktiv und integral geholfen.
Um weiter in Bolivien dort aktiv zu sein, wo es am dringendsten erscheint, jedoch eher « gezielt » vorzugehen, hat Niños de la Tierra zusammen mit CONTEXTO dieses neue Projekt erarbeitet und konnte dafür auch unser Luxemburger Kooperationsministerium von einer Kofinanzierung überzeugen. Das Projekt wird sodann in Alto Potosi, in Karachipampa und Palcamayu umgesetzt werden. Dies sind urbane bzw. periurbane Gemeinschaften in einem extrem armen Umfeld, gekennzeichnet von einer kritischen Klima- und Agrarsituation (Trockenheit, Temperaturschwankungen, in Höhen von 4.200 bis 4.400 Meter, Unfruchtbarkeit der Böden…). Die Nahrungssicherheit dieser zugezogenen Kleinbauern ist schlecht und die Ernährung monoton und ungesund. Wasser ist knapp, gesunde Lebensmittel sind teuer oder nicht im Angebot, der Klimawandel und die Pandemie allgegenwertig. Um hier etwas « Nachhaltiges » zu schaffen, haben wir mit unserer Partner-NGO auf die Verbesserung der Ernährung und der Lebensmittelproduktion in diesen Gemeinschaften gesetzt.

Das neue Projekt läuft über drei Jahre und soll 100 Familien (zur Lebensmittelproduktion), 100 Frauen (welche zu «Leader» ausgebildet werden), 120 Kindern (deren Ernährung und Gesundheit verbessert wird) sowie 15 lokalen Autoritäten (zur Nachhaltigkeit des Ganzen) zu Gute kommen.

Es besteht aus 2 Entitäten:
1. Stärkung der Nahrungssicherheit und der Finanzsituation der Gemeinschaften,
durch Erhöhung der Erträge im biologischem Obst- und Gemüseanbau

Dies geschieht durch Verbesserung der Produktion und Produktivität: Der Obst- und Gemüseanbau findet in kleinen, neu errichteten Gewächshäusern statt und kann so den Ertrag wesentlich erhöhen. Die Frauen werden ausgebildet und begleitet beim Anbau gesunder Pflanzen und Früchte zum Eigenbedarf und zum Weiterverkauf. Außerdem wird es eine Ausbildung in der Vermarktung der Überschüsse geben, ebenso wie eine Beteiligung an Märkten, Verkaufsmessen und Zusammenkünften von Produzenten auf departementaler Ebene. Des weiteren soll eine interinstitutionnelle Koordinierung mit staatlichen und offiziellen lokalen Stellen sowie mit Kleinunternehmen und anderen NGOs stattfinden, zwecks Nachhaltigkeit des Geschafften.

2. Verbesserung der Ernährung in den Gemeinschaften,
durch Erhöhung des Konsums gesunder Nahrungsmittel (Obst, Gemüse aus biologischem Anbau)

Dies geschieht einerseits durch eine globale Betreuung der Kinder des pädagogischen Kinderhorts in Alto Potosi (der Bau wurde im vorigen Projekt von Niños de la Tierra mit CONTEXTO finanziert): Gesunde und abwechslungsreiche Ernährung, Gesundheitscheck, Lernhilfe etc. Daneben werden sowohl die Kinder als auch – im Besonderen – die Frauen der Gemeinschaften zum Thema „gesunde Ernährung für die ganze Familie“ geschult. Dies geschieht sowohl in Kursen als auch in praktischen Lehrgängen und internen Märkten mit gesundem Essen.

Wir sind überzeugt, mit diesem Projekt in kleinem Rahmen, jedoch nah bei den Leuten und ihren dringlichsten Problemen, etwas zur Verbesserung der Lage in diesen 3 Gemeinschaften beitragen zu können. Der Zielgruppe des Projekts werden dadurch Mittel und Möglichkeiten zuteil, welche ihnen erlauben sollten, ihre Situation « selbst in die Hand zu nehmen und nachhaltig zu verbessern ». Wir sollten dabei nur Begleiter auf einem Teil ihres Weges sein.

Das gesamte Projekt hat ein Kostenvolumen von 249.316,05 Euro, wovon Niños de la Tierra 99.726,42 Euro beisteuern wird. Wir bleiben also weiterhin auf jede Hilfe angewiesen, um unser angegangenes Engagement in Potosi auch erfolgreich weiterführen zu können.

Vielen Dank.

Jean-Paul Hammerel

 

Neues von unserem Projekt mit ANAWIN in Chapisirca

Ende Januar erreichte uns eine Nachricht unserer Partnerorganisation ANAWIN zu unserem gemeinsamen Projekt „Nahrungssicherheit und integrale Erziehung im Hochland um Chapisirca und Montecillo“:

„In diesen Tagen haben wir die Ställe in den 28 Viehmastmodulen in Chapisirca eingeweiht, einschließlich der Ausrüstung im Futterzentrum mit einer Mühle und einer Ballenpresse.

Obwohl wir uns in der 2. Welle von COVID-19 befinden, werden die Aktivitäten in Montecillo und Chapisirca normal durchgeführt.

Mit unseren besten Wünschen für eine gute Gesundheit senden wir Ihnen eine große Umarmung sowie ein Video zum Thema hier auf der Facebook-Seite von Niños de la Tierra.“

Rodrigo Aramayo Mercado, Geschäftsführer von ANAWIN, Cochabamba

Aktuelles von unserem MAPUCHE-Projekt in Temuco/Chile

ORGANISATORISCHE STÄRKUNG UND VERBESSERUNG DER LEBENSBEDINGUNGEN INDIGENER GEMEINSCHAFTEN IN DER GEMEINDE LAUTARO

1.- COVID 19

Das Land und die Region Araucanía haben einen erheblichen Rückschlag bei der Bekämpfung der Epidemie erlitten. Die Ansteckungen sind beinahe so hoch wie vor 6 Monaten und zwingen die Regierung, Entscheidungen zu treffen, die wiederum Einschränkungen bedeuten werden.

Ein hoher Prozentsatz der Gemeinden des Landes wird ab Donnerstag, dem 14. Januar, unter Quarantäne gestellt, einschließlich Temuco. Etwa 8 Millionen Einwohner werden wieder in ihren Häusern isoliert bleiben. In Chile gab es bereits zwei neue Coronavirus-Stämme, die durch die Illusion einer schnellen Impfung verdeckt wurden. Es wird mindestens 6 Monate dauern, bis der erforderliche Prozentsatz der Bevölkerung geimpft ist, um gute Ergebnisse zu erwarten.

In Temuco mussten – aufgrund mangelnder finanzieller öffentlicher Unterstützung – die Minderbemittelten, trotz angedrohter hoher Haftstrafen, auf der Suche nach wirtschaftlichem Lebensunterhalt auf den Straßen mit ihrem Kleinhandel weitermachen, was zu einer hohen Viruszirkulation führt. Hygienekontrollen sind sehr selten und haben es nicht geschafft, die Ausbreitung von Infektionen zu stoppen.

2.- Situation in Temucuicui

In der Region La Araucanía, insbesondere in der Gemeinde Ercilla, die als Zentrum des Konflikts „Der chilenische Staat gegen die Mapuche-Organisationen“ bezeichnet wird, ist eine Situation eingetreten, die im ganzen Land hohe Wellen geschlagen hat.

In den letzten Tagen überfiel ein Kontingent der chilenischen Ermittlungspolizei, bestehend aus 850 Mann, die von Fahrzeugen, Hubschraubern, Drohnen und Kriegswaffen unterstützt wurden, die indigene Gemeinschaft von Temucuicui. Diese ungewöhnliche Operation mit einem solchen Aufgebot wurde offiziell gerechtfertigt, da sie einen Einsatz gegen den Drogenhandel darstelle.

In der Tat sollen 1.000 Marihuana-Pflanzen gefunden worden sein. Seltsam ist nur, dass die Aktion zur gleichen Zeit durchgeführt wurde, als ein Gericht in Angol die Verurteilung der Mörder von Camilo Catrillanca, einem Mitglied der Temucuicui-Gemeinschaft, verkünden sollte.

Eine weitere merkwürdige Tatsache ist, dass in Chile niemals ein Kontingent dieser Größe zur Kontrolle des Drogenhandels eingesetzt wurde, auch nicht in städtische Sektoren wie den Armenvierteln von Santiago, die als Verteilungszentren eingestuft sind.

Bei dieser ungewöhnlichen Operation starb ein Polizist, der von Kriegsgeschossen getroffen wurde. Der Ursprung der Schüsse, die seinen Tod verursachten, ist jedoch noch nicht bekannt, aber es wird gesagt, dass sie aus der Gemeinde stammen. Die Frage nach der Gültigkeit der offiziellen Informationen ist weiterhin offen, da die Razzia nur die Existenz dieser Marihuana-Pflanzen enthüllte und nichts anderes, was auf die Existenz einer „hohen Feuerkraft“ hinweisen würde, wie die Behörden angegeben haben.

Bei dieser Polizeiaktion wurden Mutter, Frau und Tochter (7 Jahre alt) von Camilo Catrillanca verhaftet, weil sie sich der Razzia widersetzt hatten, d.h. für drei Mapuche-Generationen dieselbe Gewalt.

Zusammenfassend sind wir der Meinung, dass die exzessive Operation das Ziel hatte, die Mapuche-Gemeinschaften erneut einzuschüchtern und zu kriminalisieren.

(mehr zum Thema

3.- Das Projekt

In Bezug auf die Durchführung unseres Projekts können wir darauf hinweisen, dass die Kommunikation mit den Nutznießern des Projektes aufrechterhalten werden konnte. Die Quarantäne, von der die Gemeinde Lautaro noch immer betroffen ist, hat jedoch die Möglichkeit weiterer Fortschritte, insbesondere der geplanten Schulungstreffen, eingeschränkt.

Andrerseits kann das kleine Guthaben, das in den Rotations-Fond investiert werden soll, nicht verwendet werden, da aktuell in der Region schwerwiegende Mängel in Bezug auf den Nachschub von vielen Produkten gibt, die normalerweise von unseren Nutzern gekauft werden.

Sobald sich die beschriebene Situation normalisiert hat, werden wir die Ausführung des Fonds abschließen, sofern die hygienischen Bedingungen das Öffnen der Läden erlaubt.

Andererseits schätzen wir, dass die Möglichkeiten, die regelmäßigen Treffen abzuhalten und die für einen Zeitraum von mehr als einem Monat geplanten Support-Workshops zu entwickeln, erneut eingeschränkt werden.

Roberto Mansilla, Direktor von FUNDECAM, Temuco

Januar 2021

Projektreise CHILE & BOLIVIEN

Februar 2020

von Marco Hoffmann

Unsere Projektreise 2020 fand vom Samstag 1. Februar bis Sonntag 16. Februar statt. Über den Ozean sind Claude Schweich und ich selbst mit Air France geflogen, 14 Stunden Paris – Santiago de Chile. Von Santiago ging es sonntags gleich weiter nach Temuco zu FUNDECAM, der ersten von vier Partnerorganisationen, die wir während unserer Reise begegnen wollten.

Tag 2 – 02/02/2020: Temuco
– Willkommenstreffen um 17:00 Uhr in den Büroräumen von FUNDECAM, mit Roberto Mansilla (Geschäftsführer), Lorena (Präsidentin), Gonzalo (Vorstandsmitglied) und Pricilla (Sekretärin).
Temuco ist zugenagelt. Die Erdgeschosse und Vitrinen in den Einkaufsstraßen sind mit Holz- oder Blechverkleidungen verbarrikadiert. Gerade am Sonntag, bei unserer Ankunft, sind sehr wenig Leute in den Straßen. Die 300 000 Einwohner-Stadt ist wie tot und wir haben Mühe, am Abend ein offenes Restaurant zu finden.

TAG 3 – 03/02/2020: Temuco
– am Morgen: Besuch der Mapuche-Gemeinschaften Juan Acuite und Juan Secundo Marilun de Vilcun
Die Frauen zeigen uns ihre Handarbeiten, Stickereien, Malereien, Töpfereien sowie Tapenaden aus lokalen Pflanzen und Pimenten. Alle Aktivitäten erlauben es, die Produkte zu verkaufen und ein kleines Einkommen zu sichern. Einige Frauen sind Imkerinnen und verkaufen ihren Honig. Bei einem Austausch mit Mapuche-Gemeinschaften in Argentinien haben sie sich das notwendige Know-how angeeignet. Ein Teil der Gewinne wird auf ein Gemeinschaftskonto eingezahlt und dient dazu, neue Mikrokredite zu gewähren.
Die Leute waren am Anfang sehr skeptisch, was das Projekt betrifft, sagen uns aber in der Versammlung, dass sie noch heute überrascht sind, wie positiv sich das Ganze entwickelt hat. Sie freuen sich, uns kennenzulernen und der Lonqo, der Chef der Gemeinschaft, hebt hervor, dass noch nie jemand sie besucht hat und auch sonst kaum einer sich für sie interessiert. Die exzellente Arbeit von FUNDECAM im Rahmen unseres Projektes und unserer Finanzierung hat sich wieder bestätigt und die Dankbarkeit der Leute ist groß und nicht gespielt.

– am Nachmittag: Besuch der Gemeinschaften José Miguel Borne und Juan Carriman de Vilcun
Wir können wiederum feststellen, wie eng unsere Partnerorganisation FUNDECAM mit den Gemeinschaften verbunden ist. Der Austausch findet auf Augenhöhe statt und die Leute legen zum Teil sehr emotionale Zeugnisse ab. Der Präsident der Junta de Vecinos berichtet auch vom gemeinsamen Bankkonto der Gemeinschaft und wie somit immer mehr Leute vom kooperativen System profitieren können. Dieses System ist die Weiterentwicklung des „fondo rotatorio“, der über das Niti-Projekt finanziert wurde (quasi ein Mikrokredit mit Anschubsfinanzierung, der ausschließlich der Verbesserung der Produktion zu dienen hat und nur zur Hälfte zurückgezahlt werden muss). Ein gutes Beispiel nachhaltiger Entwicklung!

Eine Frau lädt uns zu sich nach Hause ein. Sie und ihr Mann haben einige Jahre in Santiago in diskriminierenden Verhältnissen arbeiten und leben müssen. Sie ist heute stolz, Mapuche zu sein und als Imkerin kann sie einen Teil des Haushaltseinkommens bestreiten. Daneben betreibt sie noch einen kleinen Dorfladen. Sie und ihr Mann haben eine Ruka, einen traditionellen Versammlungsraum, für die Gemeinschaft gebaut.
Zum Schluss noch eine Überraschung, als ihr Mann, am Ausgang des Gebietes der Gemeinschaft, auf uns wartet, um uns kennenzulernen und noch einen Topf Honig zu schenken.

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ES GEHT WEITER IN TIRANI … Unser neues, kofinanziertes Folgeprojekt versucht Nachhaltigkeit zu fördern.

Versammlung der „dirigentes“ in Taquiña Chica

Seit nunmehr bereits 9 Jahren unterstützt Niños de la Tierra asbl (NITI) die Arbeit unseres Partners Fundación Cristo Vive Bolivia (FCVB) in der Randgemeinde Tirani, auf den Anhöhen nördlich von Cochabamba. Diese Gemeinschaften leiden besonders unter folgenden Problemen: hohe Arbeitslosigkeit, schlechte Löhne und schlechte Ausbildung, Alkoholismus und häusliche Gewalt, schlechte schulische Infrastruktur und fehlende Betreuung der Kleinkinder, schlechte schulische Bildung der Frauen (welche jedoch die Hauptlast der Erziehung der Kinder tragen, meist ohne deren Väter).

Provisorische Kinderbetreuung in Taquiña Chica

Um dieser Problematik Herr zu werden, hat die FCVB seit Jahren begonnen, in die Betreuung der Kleinkinder zu investieren, die Mütter «mit ins Boot zu nehmen» durch eine Ausbildung als Erzieherinnen in dem Kinderhort «Ch’askalla» (von NITI 2011 finanziert), sowie die Einnahmen der Familien zu erhöhen durch kleine Agrikulturprojekte. Wir verweisen hier auf unsere Berichte im INFO 2/18 sowie INFO 4/18.

Bereits am Ende unseres zweiten Projektes in Tirani (2018) war sowohl uns selbst als auch der FCVB bewusst, dass, wenn man langfristig etwas «Nachhaltiges» erreichen wollte, es nicht weitergehen konnte mit einer «Dauerfinanzierung» aus Europa. Auch verlangen die jetzigen Kriterien unseres Entwicklungshilfeministeriums (zur Kofinanzierung eines Projektes), dass dieses langfristig «nachhaltig» sein muss. Nun kann man natürlich argumentieren, dass die pädagogische Betreuung der Kinder und Jugendlichen Sache des jeweiligen Staates ist, was ja auch eigentlich stimmt. Jedoch muss dann auch der betreffende Staat im Stande sein, Strukturen und Gelder zur Verfügung zu stellen, um dies zu verwirklichen.

Nun denn: Allen etwaigen negativen Aspekten zum Trotz, welche die jetzt schon länger währende Amtszeit von Evo Morales betreffen, muss man dem bolivianischen Präsidenten zugute halten, dass sehr viel getan wurde, um die Grundrechte der Bolivianer zu fördern. Dies trifft besonders auf das Recht auf Bildung zu. Auch im Bereich der Frühförderung der Kleinkinder tut sich was in Bolivien.

Dieser Umstand hat uns und der FCVB geholfen, neue Wege zu gehen in der Betreuung der Kleinsten in Tirani. In der Tat haben die FCVB und NITI schon vor dem Ende des vorigen Projektes beschlossen, die Personalkosten der Erzieherinnen und Köchinnen des Kindergartens Tirani durch bolivianische «Boni» (= Monatszuschüsse) zu finanzieren und nicht mehr durch bezuschusste Gelder: Dies führte natürlich zu Unzufriedenheit und Protest, da bis dato alle Angestellten in Tirani nicht nur ihre Ausbildung, sondern auch ihre Monatslöhne durch das Projekt (von NITI) bezahlt bekamen. Allerdings war für uns klar, dass, wenn wir in Zukunft nachhaltig weiterfahren wollten mit der Kinderbetreuung, lediglich diese neue Finanzierungsstrategie möglich war. Anfangs waren die Einbußen für die betroffenen Erzieherinnen erheblich. Allerdings wissen wir seit kurzem, dass die «Boni» substantiell erhöht wurden und so ein guter Ausgleich gefunden wurde.

Aus diesen Notwendigkeiten heraus, und in Anbetracht des großen Anklangs des Kinderhorts in Tirani (die Nebengemeinden Andrada und Taquiña Chica wollten ebenfalls eine solche Kinderbetreuung !), haben die FCVB und NITI dann Ende 2018 beschlossen, ein neues Projekt zu erarbeiten, zwecks Kofinanzierung durch das luxemburgische Kooperationsministerium.

Befragung der Einwohner von Taquiña Chica

 

Die Gruppe der interessierten Frauen aus Andrada

Das neue Projekt hat nun folgende Eckdaten, welche sich voll in die luxemburgische Entwicklungszusammenarbeit einfügen, und auch deshalb zur Kofinanzierung angenommen wurden:

Hauptzielsetzung ist die Verbesserung der Lebensumstände («Vivir Bien») in den Gemeinschaften Tirani, Taquiña Chica und Andrada.

Dies geschieht durch die spezifischen Zielsetzungen:
1. Nachhaltige qualitativ hohe Kinderbetreuung der Kleinkinder unter 5 Jahren;
2. Verbesserung der Einkünfte der Familien ;
3. Stärkung der Verwaltungskompetenzen und der sozialen Kontrollmechanismen der Gemeinschaften.

Um diese Zielsetzungen zu erreichen, müssen die Strukturen in Tirani (wo ja schon ein gut funktionierender Kinderhort besteht) gefestigt werden, neue Kindergärten in Andrada und Taquiña Chica geschaffen werden. Wenigstens 16 Personen aus den jeweiligen Communidades sollen zu Erzieherinnen respektiv Köchinnen ausgebildet werden. Die 3 Gemeinschaften müssen begleitet und gestärkt werden, da sie ja ab jetzt die alleinige Verantwortung «ihrer» Kindergärten gegenüber den öffentlichen Instanzen haben. Die Eltern, besonders die Frauen werden über die Elternschulen mit in die Verantwortung genommen und schlussendlich werden auch noch ihre Einkünfte erhöht werden.

Schulung der Elterngruppe in Andrada

So sieht denn auch das neue Projekt die Betreuung von 190 Kindern in den 3 Strukturen vor. Die Kleinen werden nicht nur liebevoll und «holistisch-integral» betreut, sondern erhalten auch eine gesunde Ernährung sowie eine Basisgesundheitsversorgung im Centro de Salud in Tirani. An die 200 Familien sollen für die Betreuung ihrer Kinder sensibilisiert sowie ca. 16 Frauen als Erzieherinnen ausgebildet werden. Wenigstens 60 Familien sollen im Laufe des Projektes ihre Einkünfte – im Agrikulturbereich sowie im Verkauf von selbstgebackenem Brot – verbessern.

Technische Beratung durch die Agronomin

Atelier für die Zubereitung von Milchprodukten

20 Verantwortliche der Sindicatos Agrarios sollen in Punkto Kompetenzen im öffentlichen Bereich geschult werden.

Damit das ganze Projekt auch zukünftig auf soliden Beinen steht, muss die FCVB (mit ihrem eingespielten Team) auch weiter intensiv begleitend und beratend zur Seite stehen. Nur durch diese «aktive Begleitung», so glauben wir und die FCVB, wird dieses sehr schöne und zukunftsorientierte Projekt wirklich «nachhaltig», im Sinne von «sich selbst tragend und überlebensfähig».

Unser Ministerium hat sich unserer Sicht der Dinge angeschlossen und kofinanziert dieses Folgeprojekt (2019 – 2022) zu 60 % (= neue Kriterien der luxemburgischen Entwicklungshilfe).

Das gesamte Projekt beläuft sich auf 324.058,60 Euro, wovon NITI 129.623,44 Euro tragen muss. Wir sind also auch in Zukunft auf Ihre Spenden angewiesen und glauben, mit diesem Projekt sehr nahe bei den Leuten zu sein und gleichzeitig deren Selbstverantwortung zu fördern.

Jean-Paul Hammerel

Message de remerciement du jardin d‘enfants PEWMA RAYEN, notre projet avec FUNDECAM en territoire Mapuche, Chili

Cher lamngen (frère) Jean Paul et les amis de Niños de la Tierra:
Au nom de l‘ensemble de la communauté éducative de la maternelle et de la crèche Pewma Rayen, j‘apprécie votre aide financière et l‘intérêt de contribuer à la qualité de l‘éducation au niveau fondamental de ceux qui en ont le plus besoin.
Votre contribution nous permettra de continuer à garantir une éducation de qualité, pertinente, inclusive où la valeur fondamentale est le respect et la reconnaissance de l‘autre. De même qu‘il nous permettra de renforcer notre approche interculturelle, de
pouvoir programmer et mettre en oeuvre des expériences d‘apprentissage significatif en faveur de la connaissance et de l‘assimiliation de la vision du monde du peuple Mapuche chez nos enfants et leurs familles.


Pasteur Mansilla Vera, Directrice du jardin d‘enfants Pewma Rayen, Région de l’Araucanie, Chili

Papst geißelt „Plage der Gewalt an Frauen“

Papst Franziskus beklagte auf seiner Südamerikareise im Januar 2018 die vielen Femizide auf dem Kontinent. Von den 25 Ländern mit den meisten Morden an Frauen liegt laut UN-Angaben die Hälfte in Lateinamerika. In Peru forderte der Papst eine andere Gesetzgebung und eine „Kultur der Ablehnung von Gewalt“.

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Papst Franziskus kritisierte während seines Besuchs in Peru die hohe Rate der Gewalt gegen Frauen in seinem Heimatkontinent. Die zahlreichen Fälle von Frauenmorden seien eine „Plage, die unseren amerikanischen Kontinent heimsucht“, sagte Franziskus in der Küstenstadt Trujillo im Norden des Landes. Noch am Samstagabend flog der Pontifex in die Hauptstadt Lima zurück, dort schloss er am Sonntag seine einwöchige Lateinamerika-Reise mit einer Messe unter freiem Himmel ab.

„Es gibt unzählige Situationen von Gewalt, die hinter so vielen Mauern totgeschwiegen werden“, klagte Franziskus während einer Marienfeier auf dem zentralen Platz Trujillos. „Ich lade euch ein, gegen diese Quelle des Leidens zu kämpfen, indem ihr eine Gesetzgebung und eine Kultur der Ablehnung gegen jede Form von Gewalt fördert“.

Peru kämpft seit langem mit hohen Gewaltraten, Lima gilt laut einer jüngst veröffentlichten Studie als eine der gefährlichsten Städte der Welt für Frauen. In anderen lateinamerikanischen Metropolen wie Mexiko-Stadt sind Frauenwaggons in der U-Bahn üblich.

n-tv.de 21.1.2018

 

FUNDACION CRISTO VIVE PERU und NIÑOS DE LA TIERRA asbl.
gemeinsam im Kampf gegen die Gewalt an Frauen in Peru

Seit dem Beginn ihres Einsatzes für die bedürftigen und unterdrückten Mitmenschen in Cusco/Peru, hat unsere Partnerorganisation FUNDACION CRISTO VIVE PERU (FCVP) sich vornehmlich der Problematik der Gewalt gegenüber Frauen verschrieben. Aufbauend auf einer Methodologie, welche sich orientiert am « nationalen peruanischen Interventionsplan gegen die Gewalt an Frauen », hat die FCVP seit 2004 zuerst eine ambulante und rein auf Volontariat aufgebaute Anlaufstelle für die von Gewalt und Ausbeutung betroffenen Frauen eingerichtet (psychologische und juristische Hilfe, Begleitung und Teilausbildung). Ab 2008 wurde die Hilfe « professioneller » und spezialisierte Mitarbeiter in Psychologie und Jura nahmen sich der Problematik an.

Rechtsbeistand für die Frauen in Not

Gruppentherapie

Seit 2009 ist Niños de la Tierra asbl. ein verlässlicher Partner der FCVP, haben wir doch ab dieser Zeit gemeinsam das Frauenhaus „Centro Hogar de acogida Sonqo Wasi“ (CHASW) aufgebaut und mit Leben gefüllt (über 7 Jahre hinweg wurde das Haus dank zweier kofinanzierter Projekte mit unserem Ministerium finanziert). Leider war nach 2016 kein neues kofinanziertes Projekt mehr drin, so dass es schwierig wurde, das CHASW « voll betriebsfähig » zu halten. Die peruanischen Stellen bekunden immer wieder die Wichtigkeit des CHASW und die Verschlechterung der Situation der häuslichen Gewalt in Peru : Allerdings sind bislang keine öffentlichen Gelder geflossen !! Zu kompliziert ist die peruanische Bürokratie und zu risikobeladen eine eventuelle Übergabe des CHASW an die öffentliche Hand (Missmanagement, Korruption, Kontrollverlust für die FCVP…).
Das CHASW ist ein Frauenhaus mit einer integralen Hilfestellung für alle Frauen, welche Opfer häuslicher, sexueller oder anderer Gewalt wurden und vorrübergehend eine schützende Anlaufstelle brauchen (die Aufenthaltsdauer ist auf maximal 6 Monate begrenzt, mitsamt ihrer Kinder).

Alle Bewohnerinnen können von folgenden Leistungen profitieren:
Freie Kost und Logis, Hilfe durch eine Sozialarbeiterin, psychotherapeutische und juristische Unterstützung, Schutz und tagtägliche Begleitung der Frauen (Risiko vom Aggressor verfolgt zu werden), schulische und berufliche Aus- bzw. Weiterbildung, Orientierung für die Zeit nach dem CHASW-Aufenthalt, einkommensbeschaffende Maßnahmen, schulische und psychologische Begleitung der Kinder.

Erlernen neuer Fähigkeiten

All dies kostet Geld und viel Einsatz, Liebe und Führsorge durch unsere Freunde der FCVP.

Bei mehreren Besuchen über die Jahre konnten wir immer wieder begutachten, welch gute Arbeit geleistet wurde und zu welchen erstaunlichen Lebensläufen die betreuten Frauen später befähigt wurden.

Jean-Paul Hammerel

Helfen Sie uns, dieses für Cusco einmalige Frauenhaus am Leben zu erhalten. Durch eine Spende mit dem Vermerk « Sonqo Wasi » erlauben Sie Niños de la Tierra asbl. ihr Versprechen halten zu können, weiter an der Seite der FCVP zu kämpfen, für eine gerechtere Welt.

 

Ateliers für die Kleinen

Neues Projekt mit ANAWIN

Stärkung der integralen Entwicklung der Kinder und Jugendlichen

der Schule Nuevo Amanecer in Korihuma 2 (Sacaba)

Ein Projekt entsteht

Seit mehr als 10 Jahren ist die bolivianische NGO « ANAWIN » aus Cochabamba, ein zuverlässiger Partner von Niños de la Tierra im Bereich Entwicklungszusammenarbeit, und hier besonders mit soziopädagogischen Projekten: In dieser Zeit wurden deren drei, jeweils über drei Jahre, in der Munizipalität Sacaba (174.000 Einwohner) durchgeführt. Die Resultate konnten sich sehen lassen und besonders das letzte Projekt (in Villa Clothilde: 2011-2015) erweckte die Aufmerksamkeit der Randbevölkerung um Sacaba-Stadt: Aufgrund der guten Ergebnisse in jener Schule wollten immer mehr Eltern ihre Kinder dort einschreiben oder aber stellten für «ihre» jeweiligen Lokalschulen Anträge bei Anawin zwecks Zusammenarbeit. Ab 2015 sah sich Anawin dazu gedrängt, in einigen der Randgebiete Sacabas (mit überwiegend armer, zugewanderter und schnell wachsender Bevölkerung) kleine «Diagnosticos» durchzuführen, um sich ein Bild der Situation und der Eingreifmöglichkeiten zu machen.

So kam es, dass auch die Schule der OTB (Organisación territorial de base) Korihuma 2 evaluiert wurde. Nicht nur bestätigten sich hier sämtliche Konsequenzen einer zu schnellen soziodemographischen Entwicklung auf die Kinder (Gewalt, Drogen, Kriminalität, frühe Schwangerschaften, Schulabbruch, usw.). Nein, auch viele gute Möglichkeiten für eine gezielte Arbeit der Pädagogen von Anawin, mit den Schülern und den Lehrern, taten sich auf.

Eine sehr junge Lehrerschaft, engagierte Leute in der OTB und den Elternräten sowie ein kooperativer Schuldirektor waren positive Ansatzpunkte.

In diesem Kontext war eine dreiköpfige Delegation von Niños de la Tierra im November 2016 in Korihuma 2 zu Besuch. Wir sollten uns ein Bild machen von der Situation: die Schule, die Schüler (687 an der Zahl) und die Lehrer (32) kennen lernen und zusammen mit dem Verantwortlichen der OTB und Anawin die Möglichkeit eines gemeinsamen Projektes besprechen. Nach einem intensiven Rundgang, etlichen Gesprächen, vielen Erkenntnissen und Begegnungen, waren wir vom Grundkonzept des Projektes sehr angetan.

Dieses wurde dann in konkrete Formen gegossen und, nach etlichen Korrekturen und Ergänzungen, Anfang 2017 ans Ministerium gesandt zwecks Kofinan-zierung, welcher dann auch stattgegeben wurde.

Worum es geht

Das neue bolivianische Edukationsgesetz (ley 070) garantiert jedem Bolivianer eine gratis Ausbildung bis zum Bachillerato, und zwar durch eine «integrale Pädagogik», welche alle Kapazitäten der Kinder fördern und sehr praxis- und naturnah sein soll. Das sehr gute Gesetz leidet seit Jahren an seiner schleppenden Umsetzung: fehlende Schulen und Klassensäle und vor allem fehlende Ausbildung der Lehrer in der «neuen» Pädagogie.

Genau hier setzt unser Projekt (wie immer bei Anawin) mit zwei Zielen an: Infrastrukturen schaffen, um der wachsenden Nachfrage gerecht zu werden sowie Ausbildung der Lehrer und kognitive Entwicklung der Schüler fördern.

Der erste Pfeiler ist also der Bau zusätzlicher Infrastruktur. Bis jetzt werden an die 10 Klassen in Korihuma in nicht fertigen Privathäusern und Baracken (ohne Fenster, Tafeln, Möbel usw.) unterrichtet. Die zu bauenden 8 neuen Klassensäle und zusätzliche Räume werden die Qualität der Ausbildung sehr erhöhen. Des Weiteren entsteht ein «psychopädagogischer» Arbeitsbereich, wo «alternative Fächer» angeboten werden: Theater, Tanz, Musik, kreatives Malen, Lesen und gemeinsame Aktivitäten. Dieser zweite Pfeiler des Projekts soll es den Schülern erlauben, nebst kognitiven Kapazitäten, auch soziale und affektive Kompetenzen zu erwerben. Das Ganze soll zu einer «holistischen Gesamtentwicklung» der Jugendlichen führen. Sie sollen gewappnet werden, den Gefahren in einem sozial schwierigen Umfeld begegnen zu können.

Sekundarschüler Talentschuppen

So führt die Schule nicht nur zu einer intellektuellen, sondern auch zu einer sozialen Reife. Zudem wird noch das ökologische Bewusstsein der Schüler gestärkt und deren Ernährung verbessert.

Grundschule

Ein dritter Pfeiler ist die Begleitung der Lehrerschaft im Kennenlernen neuer Lernmethoden, psychologischer Unterstützung der Schüler, integralem Lernen und Begleitung schwieriger oder behinderter Kinder.

Lehrerfortbildung

Zudem wird, in einer Art «Elternschule», mit den Eltern gearbeitet, damit sie wissen, was und wie ihre Kinder lernen, sie sich nicht übergangen fühlen und sich zurecht finden in einer schnellen, modernen und für sie oft unverständlichen Welt der Jugend.

Elternschule

Inzwischen sind bereits die Grundstrukturen der neuen Klassensäle fertig (Baubeginn im Juni 2017) und die pädagogische Mannschaft von Anawin hat intensiv mit ihrer Begleitarbeit begonnen. Alles läuft nach Plan und wir freuen uns schon, im nächsten Jahr die Entwicklung in Augenschein nehmen zu können.

Das gesamte Projekt läuft über drei Jahre. Es kostet von luxemburgischer Seite 333.728.- Euro, wovon Niños de la Tierra asbl. 111.242.-Euro aufbringen muss. Die Gemeinde Sacaba finanziert ihrerseits mit 97.367.- Euro, 33% des Baus.

Jean-Paul Hammerel
Fotos: Jean-Paul Hammerel und ANAWIN

Nachtrag: Fortschritt der Bauarbeiten Dezember 2017

Neues Mapuche-Projekt

Begleitung von sechs Mapuche Gemeinschaften und Stärkung ihrer Nahrungssicherheit in der Gemeinde Vilcún, Araucanía, Chile

Die Situation der Ureinwohner Chiles, der Mapuche, hat sich unter der jetzigen Regierung nicht verbessert. Armut und Diskriminierung prägen weiterhin ihren Alltag.

Als Kleinbauern bewirtschaften sie ihr Land, meist nicht mehr als ein Hektar pro Familie, gerade genug zum Überleben. Viele müssen sich ein Zubrot als Saisonarbeiter verdienen, damit die Familie über die Runden kommt. 500.000 Hektar Land sind den Mapuche geblieben, etwa 5% ihres einstigen Landbesitzes. Die letzten Enteignungen wurden unter der Diktatur Pinochets vorgenommen, meist zugunsten von internationalen Großkonzernen. Diese sind verantwortlich für die massiven Umweltschäden in der IX Region Chiles. Vor allem die riesigen Eukalyptus-und Kiefernplantagen für die Holzindustrie und die Zelluloseherstellung, sowie die Fischzucht zerstören die natürlichen Ressourcen in der Umgebung der Mapuche Gemeinschaften.

Zusammenkunft der Gemeinschaft José Miguel Borne

Die Vernachlässigung durch den chilenischen Staat, die große Armut, die vielfältige Diskriminierung, all diese Missstände haben in den letzten Jahren immer wieder zu Konflikten mit der chilenischen Gesellschaft geführt. Der Staat setzt mit Hilfe der Antiterrorgesetze Pinochets auf polizeiliche Repression anstatt auf Dialog und Wiedergutmachung. Kein Wunder, dass der Konflikt immer wieder eskaliert.

Seit ihrer Gründung steht unsere Partnerorganisation, die Stiftung Fundecam, den Mapuche Gemeinschaften zur Seite und versucht ihnen konkrete Möglichkeiten aufzuzeigen, wie sie ihre Lebensumstände verbessern und ihre Rechte wirksamer wahrnehmen können. Auf diesem Weg unterstützen wir sie seit langen Jahren, weil wir von der Wichtigkeit dieser Arbeit überzeugt sind.

Arbeitssitzung der Gemeinschaft Juan Pichunleo

In dem aktuellen Projekt bezieht unsere Zusammenarbeit mit Fundecam sich auf sechs Mapuche Gemeinschaften der Gemeinde Vilcún in der IX. Region. In den betroffenen Gemeinschaften werden ungefähr 120 Familien während drei Jahren auf ihrem Weg zu besseren Lebensumständen begleitet und dies auf der Basis einer Stärkung ihrer kulturellen Identität, des Respekts der natürlichen Umwelt und der ländlichen Biodiversität.

Ein wichtiger Teil des Projekts besteht in der Ausbildung der “dirigentes”. Es handelt sich um die gewählten Vorstandsmitglieder der Gemeinschaften. In regelmäßigen Kursen lernen sie, wie sie die Interessen ihrer Mitglieder wirksam vertreten können. Die Inhalte der Kurse betreffen sowohl die indigene Gesetzgebung, als auch die Rechte der Mapuche. Sie lernen nicht nur, wie sie diese Rechte am besten einfordern und verteidigen können, sondern auch, wie sie sich mit anderen Gemeinschaften vernetzen können, um wirksamer zu handeln. Wichtig ist, die Gemeinschaften aus ihrer Isolierung herauszuholen und Kontakte nach außen zu knüpfen, vor allem mit den Gemeindeverwaltungen, mit regionalen und staatlichen Verwaltungen, sowie mit Organisationen, die sich um die Unterstützung der indigenen Bevölkerung bemühen.

Versammlung der „Dirigentes“ mehrerer Gemeinschaften mit Bürgermeisterin Susana Aguilera

Nach Ablauf der Projektdauer sollen die Vorstandsmitglieder “fit” sein, um sich bei den verschiedensten Bedrohungen ihrer Rechte gewaltlos aber wirksam zur Wehr zu setzen. Während der Kurse lernen sie auch, Anträge an die verschiedenen Ämter zu stellen, um Unterstützungsgelder zu beantragen. Meist wussten sie in der Vergangenheit nicht, wann ihnen eine Unterstützung zustand, weil keiner sie darüber informierte. Positiv ist in diesem Zusammenhang der gute Kontakt zur Gemeinde Vilcún, die sich schon bei der Ausarbeitung des Projekts behilflich zeigte.

Um die Armut zu bekämpfen und die Nahrungssicherheit zu verbessern, setzt Fundecam auf die Ausbildung der beteiligten Mapuche Kleinbauern. Ziel ist es, die Produktivität auf nachhaltige Weise zu erhöhen. Dies geschieht einerseits durch ein verbessertes Knowhow, andererseits durch die Finanzierung notwendiger Investitionen mittels sozialer Kredite, die im Projekt vorgesehen sind. Diese kleinen Darlehen werden von den Gemeinschaften selbst verwaltet und werden zur Hälfte zurückerstattet, um den geschaffenen Fonds solange wie möglich am Leben zu erhalten. Die Verwaltung des “Fondo Rotatorio” verstärkt den Zusammenhalt innerhalb der Gemeinschaften und ermöglicht den Betroffenen den Zugang zu Krediten, der ihnen bislang verwehrt blieb.

Versammlung der Gemeinschaft Juan Ancamil

Den Beteiligten wird sowohl theoretische als auch praktische Weiterbildung vor Ort angeboten. Jede Familie lernt einen Bewirtschaftungsplan aufzustellen. Dieser ist Bedingung für die Zuteilung der Kleinkredite. Auf diese Weise lernen die Familien ihre Arbeitsweise sowie ihre Infrastruktur zu hinterfragen, um anschließend schrittweise und nach festgelegten Prioritäten ihre Produktivität zu verbessern. Wichtige Aspekte sind erfahrungsgemäß: die Pflege der ausgelaugten Böden, die Herstellung von Kompost, das Sammeln und der Tausch von Saatgut, das Einzäunen der Weiden, um das Weglaufen der Tiere zu verhindern, eine wassersparende Bewässerung, die Instandsetzung, respektive das Errichten kleiner Ställe für das Vieh, sowie von Scheunen, um die Futtermittel sicher zu verwahren. Auch das nötige Werkzeug, das die Bodenbearbeitung vereinfacht, wird mit Kleinkrediten gekauft. Für motorbetriebene Maschinen ist kein Geld da, die vorhandenen Mittel würden nicht mal für den Kauf von Sprit reichen. Vieles was uns selbstverständlich erscheint, ist für diese Kleinbauern unerschwinglich. Ihr Leben ist hart. Der Ertrag deckt meist nur das Allernotwendigste.

Alle Aktivitäten werden gemeinsam mit den Beteiligten abgesprochen, dies ist ein wichtiger Aspekt der Nachhaltigkeit der Vorgehensweise. Die kulturelle Identität der Mapuche wird respektiert und gefördert. Alte Traditionen werden wiederbelebt. Dies geschieht u.a. im Bereich der Nahrungsmittel. Traditionelle Nahrungsmittel werden wieder angebaut und die alten Samensorten ausgetauscht. In Zeiten der Klimaveränderung und des großen Wassermangels, der viele Gemeinschaften betrifft, haben sich diese Pflanzenarten als widerstandsfähiger erwiesen. Die Förderung traditioneller Anbaumethoden ist vorteilhaft für die Biodiversität und erspart den Mapuche Kleinbauern den Kauf von teuren Düngemitteln und Samen.

Kulturelle Feier in der Gemeinschaft Juan Acuite

Durch den Kontakt mit Nachbargemeinschaften innerhalb ihres “Lof”, ihres traditionellem Territoriums, wird das Erlernte weitergegeben. Auf diese Weise werden die Beteiligten zu Multiplikatoren ihrer neuen Kompetenzen.

Dies sind kleine Schritte zur Armutsbekämpfung, zur Konfliktbewältigung und zur Einforderung legitimer Rechte, die wir als ONG Niños de la Tierra gerne unterstützen.

Yvette Schweich-Lux