STÜRME IN CHILE:

Politische und klimatische

von unserer Parnerorganisation FUNDECAM in Temuco

Seit März 2026 ist Chile Schauplatz zahlreicher Stürme, die das Leben derer, die sie durchstehen müssen, maßgeblich verändern. Solchen Umbrüchen liegt gewöhnlich eine Ursache zugrunde; im vorliegenden Fall lassen sich zwei Faktoren benennen: Einerseits das „Phänomen Kast“ – der Machtantritt der extremen Rechten nach den Präsidentschaftswahlen 2025 – und andererseits die durch das „El-Niño-Phänomen“ ausgelösten klimatischen Veränderungen. Letztere hatten schmerzhafte Folgen und trafen schutzbedürftige Familien in praktisch allen Teilen des Landes. Beide Phänomene haben politische, ökologische und soziale Krisen nach sich gezogen. Auf politischer Ebene kam es zu einer extremen Polarisierung, die sich in der Durchsetzung einer Gelegenheitsmehrheit im Nationalkongress manifestierte; diese erzwang die Verabschiedung eines sogenannten „Omnibus-Gesetzes“ – also eines Gesetzes, das verschiedenste Bereiche regelt. Es trägt den Titel „Gesetz zum nationalen Wiederaufbau“ und zielt darauf ab, tiefgreifende Änderungen vorzunehmen sowie ein Land „wiederaufzubauen“, das durch die Misswirtschaft früherer Regierungen – insbesondere jener unter Gabriel Boric – zerstört worden sei.

Ein wesentlicher Aspekt dieses Regierungsvorhabens ist die steuerliche Entlastung von Großunternehmen und Unternehmern als Privatpersonen. Gleichzeitig wird festgelegt, dass dieser Besteuerungsmechanismus über sehr lange Zeiträume hinweg nicht geändert werden darf, wodurch künftigen Regierungen die Möglichkeit genommen wird, die getroffenen Regelungen zu modifizieren. Zudem wird Kapital, das sich im Besitz chilenischer Staatsbürger im Ausland (meist in Steueroasen) befindet, bei der Rückführung ins Inland von der Steuerpflicht befreit. Diese Maßnahmen sowie diverse weitere Schritte – die allesamt darauf abzielen, das Großkapital unverhohlen zu begünstigen – haben in beiden Kammern der Legislative Zustimmung gefunden, wenngleich einige Punkte derzeit noch vom Verfassungsgericht geprüft werden. Neben diesem umfassenden Gesetz wurde auch die Befreiung von Abgaben für hochwertige Wohnimmobilien im Besitz älterer Menschen durchgesetzt – ein weiterer Vorteil für eine privilegierte Bevölkerungsschicht. Diese Maßnahme hat die Haushalte verschiedener Gemeinden belastet, da die aus diesen Abgaben stammenden Mittel in einen gemeinsamen Gemeindefonds flossen; dieser ermöglichte es ärmeren Gemeinden, auf die vielfältigen Nöte ihrer Einwohner zu reagieren.

Der erste schwere wirtschaftliche Schlag für die Bevölkerung war der massive Anstieg der Kraftstoffpreise, ausgelöst durch einen externen Faktor: den Konflikt zwischen dem Iran und den USA. Obwohl in Chile bereits unter früheren Regierungen ein Ausgleichsmechanismus für Kraftstoffpreiserhöhungen etabliert worden war, griff die neue Regierung nicht darauf zurück, um stattdessen höhere Steuereinnahmen zu erzielen. Da der Kraftstoffpreis zu einem erheblichen Teil aus Steuern besteht, beschert dies dem Staat zwar beträchtliche Einnahmen, hat jedoch zu einem drastischen Anstieg der Lebenshaltungskosten für alle Einwohner des Landes geführt.

Eine weitere Maßnahme, die den diskriminierenden Charakter der Regierung offenbart, ist die Kürzung der Budgets verschiedener Ministerien, die für soziale Belange der Bevölkerung zuständig sind – etwa in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Kultur und soziale Entwicklung –, sowie die Streichung von Mitteln für spezifische Programme zur direkten Unterstützung schutzbedürftiger Bevölkerungsgruppen. Die Haushaltsbeschränkungen im Gesundheitswesen werden sich vor allem in der Primärversorgung bemerkbar machen: Das für ärztliche Behandlungen verfügbare Stundenkontingent wird drastisch reduziert, ebenso wie die Bereitstellung von Medikamenten für bedürftige Patienten, die diese Dienste in Anspruch nehmen. Im Bildungsbereich ist eine Kürzung der schulischen Zusatzverpflegung für benachteiligte Schüler geplant – eine Mahlzeit, die für viele von ihnen die einzige des Tages darstellt.

Auch wenn für das Justizministerium keine nennenswerten Haushaltskürzungen vorgeschlagen wurden, wurden die für Menschenrechtsfragen zuständigen Fach- und Expertenteams ihrer Führung beraubt. Das Team, das sich der Suche nach den während der Diktatur verschleppten und verschwundenen Opfern widmete, wurde vollständig umstrukturiert; dies gefährdet die Fortführung eines der wichtigsten Programme des Ministeriums.

Im Bereich der sozialen Sicherheit wurde ein Prozess zur Prüfung eines neuen Rentensystems eingeleitet – dessen Gesetzgebungsverfahren 16 Jahre in Anspruch nahm und 2025 abgeschlossen wurde –, mit dem Ziel, die Höhe der neuen Renten für einen Großteil der Begünstigten zu senken und neue Berechnungsmodelle zu prüfen. Zudem soll ein restriktives neues Entschädigungssystem eingeführt werden, das die Abfindungssummen bei Entlassungen reduziert und aus den Ersparnissen der Arbeitnehmer selbst finanziert wird, wodurch der Arbeitgeber von den Kosten der Abfindung befreit würde.

Was uns betrifft, so trifft dieser wirtschaftliche Angriff der Regierung auch die *Corporación Nacional de Desarrollo Indígena* (CONADI) schwer – eine staatliche Einrichtung, die sich um die indigenen Völker Chiles kümmert. Ihre Handlungsfähigkeit wird erheblich eingeschränkt, und es wird angedeutet, dass ihre Aufgaben von anderen staatlichen Stellen – etwa der Behörde für staatlichen Grundbesitz (*Bienes Nacionales*) – übernommen werden könnten; damit wird der der CONADI anvertraute kulturelle Auftrag als irrelevant dargestellt. Im Zusammenhang mit der Thematik der indigenen Völker sind Bestrebungen spürbar geworden, jene Errungenschaften einzuschränken, die indigene Organisationen – insbesondere das Volk der Mapuche – in langwierigen und schwierigen Prozessen erkämpft haben.

Nach jahrelangen Verfahren und Bemühungen war es gelungen, den Zugang zu Küstengebieten für jene zu sichern, die dort Tätigkeiten wie das Sammeln von Meeresfrüchten, Fischerei und andere küstenbezogene Aktivitäten ausüben. Dies geschah durch die Vergabe spezieller Konzessionen zur Nutzung durch die dort ansässige indigene Bevölkerung, womit deren überlieferte Nutzungsrechte in diesen Gebieten anerkannt wurden. Heute werden jedoch – zugunsten der industriellen Fischerei und vielfach auch der Lachszucht – Verfahren eingeleitet, um die bereits zugewiesenen Flächen neu zu bewerten; dabei werden bestehende Konzessionen infrage gestellt und die Möglichkeit neuer Konzessionen für laufende Anträge unterbunden.

Es ist beabsichtigt, den im „Indigenen-Gesetz“ verankerten Schutz für indigenes Land zu ändern – ein Gesetz, dessen Mechanismen es bisher ermöglichten, den Landbesitz der indigenen Bevölkerung zu verteidigen und zu erweitern. Der vorgeschlagene Ansatz sieht vor, diesen Besitz freizugeben, damit die entsprechenden Flächen auf dem Markt zum Verkauf angeboten werden können. Eine solche Situation führte bereits vor der Einführung des Indigenen-Gesetzes zu erheblichen Verlusten an landwirtschaftlichen Flächen, die sich ursprünglich im Besitz von Mapuche-Familien befanden. Es kam zu zahlreichen betrügerischen Verkäufen, und andere Flächen gingen durch kaum rückgängig zu machende Pachtverträge mit hundertjähriger Laufzeit verloren.

Ein wertvoller Aspekt des geltenden Gesetzes ist hingegen die Zuerkennung des Status als Indigener durch die Behörde CONADI; diese erfolgt auf der Grundlage der Selbstidentifikation, die von den traditionellen Autoritäten der indigenen Gemeinschaften bestätigt wird. Um beispielsweise als Mapuche anerkannt zu werden, definiert sich die Person selbst als solche und legt zur institutionellen Beglaubigung eine Stellungnahme der gemeinschaftlichen Führungsgremien vor. Nun soll diese Anerkennung aus dem kulturellen Kontext – der vom Einzelnen und seinen Organisationen ausgeht – herausgelöst und stattdessen als bürokratische Dienstleistung von einer anderen staatlichen Stelle als der bisherigen erbracht werden.

Eine weitere Bedrohung zeichnet sich in jüngster Zeit durch die Pflicht zur Registrierung von Flächen ab, die bestellt werden sollen; Ziel ist die Kontrolle des potenziell verwendeten Saatguts. Es darf nur zertifiziertes Saatgut bestimmter Sorten verwendet werden, während die Nutzung von Saatgut untersagt wird, das über Jahre hinweg bewahrt wurde – dank jener „Saatgut-Hüterinnen“, die dafür gesorgt haben, dass Arten und Sorten von hohem kulturellen Wert unter geeigneten Bedingungen erhalten bleiben und von Generation zu Generation weitergegeben werden, ohne ihre über Jahre bewahrte Qualität und ihren Wert einzubüßen.

Zu allem Überfluss reißen die politischen Turbulenzen, die am 11. März begannen, nicht ab; gerade erst beginnt die Debatte über neue Reformen. Diese zielen diesmal auf eine Verfassungsänderung ab, um dem Staat angesichts der Ausbreitung von organisiertem Verbrechen und Terrorismus in Chile neue Befugnisse einzuräumen. Es ist hier nicht der Ort, diesen Gesetzentwurf im Detail zu analysieren, doch er weist eindeutig einen extrem repressiven Charakter auf, der weit über das Maß dessen hinausgeht, was während der Diktatur zu beobachten war. Ein weiterer bedenklicher Aspekt dieser Initiative besteht darin, dem Präsidenten der Republik durch Änderungen an den verfassungsrechtlichen Ausnahmezustandsregelungen außerordentliche Befugnisse zu übertragen – Befugnisse, die so weitreichend sind, dass selbst Pinochet nicht über sie verfügte.

Die Debatte steht erst am Anfang; die Absicht ist es, die parlamentarische Mehrheit zu nutzen, um die eigenen Vorgaben durchzusetzen. Erschwerend kommt hinzu, dass wir uns mindestens vier Jahre lang den Angriffen einer offen undemokratischen Regierung ausgesetzt sehen werden. Unsere Region, die indigenen Gemeinschaften und ihre Familien stehen im Fadenkreuz und drohen, von diesem politischen Sturm hart getroffen zu werden.

Wendet man sich nun dem Bereich zu, in dem kurzfristigere Lösungen möglich sind, so sehen wir uns – was besonders schmerzlich ist – mit den Auswirkungen einer Reihe von Wetterextremen konfrontiert: Regen, Wind, Schneefälle und Überschwemmungen – kurzum: Unwetter von unerwartetem Ausmaß, die sowohl auf dem Land als auch in der Stadt tragische Spuren hinterlassen haben. Wie immer trifft es dabei am härtesten diejenigen, die solchen Situationen am wenigsten gewachsen sind.

Chile war nahezu im gesamten Staatsgebiet einer Reihe von Unwettern ausgesetzt – den heftigsten der letzten drei Jahrzehnte. Besonders katastrophal und in diesem Ausmaß beispiellos waren die Auswirkungen in den nördlichen Regionen Tarapacá, Antofagasta, Atacama und Coquimbo: Heftige Regenfälle innerhalb kurzer Zeit führten dazu, dass aus der Kordillere herabgeschwemmte Sedimentmassen Wohnungen, landwirtschaftliche Kulturen, Bergbauanlagen sowie Straßen und Wege zerstörten.

 

In mindestens zehn Regionen des Landes gab es Todesopfer und Verletzte; Tausende Menschen mussten evakuiert werden, es kam zu großflächigen Stromausfällen sowie erheblichen Schäden an der produktiven und strategischen Infrastruktur.

 

Die Behörden halten die Notfallwarnungen aufgrund der Gefahr weiterer Flussübertretungen, Überschwemmungen und Erdrutsche aufrecht, während Rettungs- und Einsatzkräfte weiterhin die betroffenen Gemeinden versorgen.

 

Die Bevölkerung wird weiterhin dazu aufgerufen, den Anweisungen des Katastrophenschutzes Folge zu leisten und unnötige Fahrten in den am stärksten gefährdeten Gebieten zu vermeiden.

Die Bilanz der schweren Wetterfront in der Region La Araucanía zeigt, dass diese zu den am stärksten betroffenen Gebieten des Landes zählt: Mehr als 14.500 Menschen sind betroffen; die Schäden konzentrieren sich vor allem auf unterbrochene Verkehrsverbindungen, Überschwemmungen in ländlichen Gebieten und über die Ufer getretene Flüsse. Die Zahlen belegen dies:

  • Betroffene Personen: Insgesamt 1.168 offiziell registrierte Geschädigte.
  • Isolierung: Mehr als 5.613 Personen waren aufgrund von Sperrungen wichtiger Straßen und Nebenwege von der Außenwelt abgeschnitten.
  • Beschädigte Wohngebäude: Erfasst wurden 2.152 Wohnungen mit geringfügigen Schäden sowie 331 Gebäude mit schweren strukturellen Schäden.
  • Hinsichtlich der Verkehrsinfrastruktur wurden auf verschiedenen Routen im ländlichen Raum Überflutungen, Flussanschwellungen, Unterspülungen, Erdrutsche und großflächige Wasseransammlungen gemeldet.
  • Die Grenzübergänge blieben über einen längeren Zeitraum geschlossen, was zu Engpässen bei der Versorgung mit Waren aus den Nachbarländern führte. In unserem Arbeitsgebiet, der Gemeinde Lautaro, wurden die Schäden durch heftige Winde verursacht, die Bäume umstürzen ließen, die Stromversorgung beeinträchtigten und Straßen überfluteten. Glücklicherweise hielten die Flüsse der erhöhten Wasserführung stand, und das übertretende Wasser überschwemmte nur kleinere Flächen.

Die schwersten Schäden betrafen Dächer, die abgedeckt wurden, wodurch Regenwasser in die Wohnräume eindrang. Gewächshäuser verloren ihre Dächer und Abdeckungen – Elemente, die erst vor wenigen Monaten nach früheren Stürmen erneuert worden waren. Durch den starken Wind gingen sie nun erneut verloren.

Zum Zeitpunkt dieses Berichts kehrt bereits eine gewisse Normalität ein: Die Straßen sind wieder passierbar, die Wasserstände in Flüssen und Kanälen sind gesunken, und ein Großteil der Stromversorgung ist wiederhergestellt. Dennoch herrscht Sorge angesichts der anhaltenden Gefahr weiterer ungewöhnlicher Wetterereignisse, wie die soeben veröffentlichte Vorhersage zeigt:

  • Eine Abfolge aktiver Wetterfronten erreicht ab heute, Montag, dem 24. August 2026, den mittleren Süden und Süden des Landes.
  • Die intensivste Phase des Ereignisses wird für Dienstag, den 25., und Mittwoch, den 26. August, erwartet, wobei mit erheblichen Niederschlagsmengen zu rechnen ist.
  • Es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit für heftige Gewitter, starke Winde und möglichen Hagel in den Regionen von Maule bis Los Ríos.
  • Für Temuco und die umliegenden Gemeinden werden die ganze Woche über starke, anhaltende Regenfälle bei Höchsttemperaturen zwischen 11 °C und 14 °C vorhergesagt.

Dies ist die aktuelle Situation, die durch zwei komplexe Herausforderungen geprägt ist: die politische und die klimatische Lage. Beide bringen vielfältige Schwierigkeiten für die Region und das Volk der Mapuche mit sich – und natürlich auch für unsere Arbeit. Wir sind gefordert, Mechanismen zu stärken, die zum Schutz ihrer Rechte beitragen (die erneut bedroht sind) sowie zur Wiederherstellung ihrer Wohn- und Wirtschaftsflächen, die durch die Unwetter in Mitleidenschaft gezogen wurden.

Kurzanalyse der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Lage in Bolivien 2025

von unserer Partnerorganisation ANAWIN in Cochabamba, Mai 2025

(vous trouvez la version française de ce texte ici)

Seit Mitte 2023 befindet sich Bolivien in einer komplexen wirtschaftlichen, politischen und sozialen Situation. Einerseits zeigt die bolivianische Wirtschaft Anzeichen einer Verschlechterung. Die Netto-Währungsreserven liegen weiterhin unter 3 Milliarden US-Dollar, was zu Wechselkursinstabilitäten [2] und Problemen beim Import von Benzin und Diesel für den Inlandsverbrauch führt [3]. All dies trägt zu einem anhaltenden Anstieg der Inflationsrate von über 5 % in diesem Jahr bei [4], wobei die Inflation im Jahr 2024 9,97 % und im selben Jahr für Lebensmittel 15,4 % betragen hat [5].

Am 17. August finden in Bolivien Präsidentschaftswahlen statt, wobei die Gesellschaft politisch gespalten ist. Das Wahlszenario ist durch eine Vielzahl mehrerer unter sich zerstrittenen Kandidaten sowohl des linken als auch des rechten Lagers gekennzeichnet. Die Rechte ist gespalten zwischen extremeren Strömungen wie Jaime Dunn und zentristischeren Strömungen wie Samuel Doria und Jorge Quiroga. Doch was am meisten zur politischen Krise beiträgt, ist die interne Spaltung innerhalb der Bewegung Movimiento al Socialismo (MAS). Präsident Luis Arce und der ehemalige Präsident Evo Morales wetteifern um den Parteivorsitz. Letzterer wurde aufgrund rechtlicher Vorwürfe von den Gerichten von der Kandidatur bei den Wahlen im August 2025 ausgeschlossen und versuchte trotzdem, seinen politischen Einfluss zu wahren. In diesem Zusammenhang kündigte Andrónico Rodríguez, Senatspräsident und politischer Erbe von Morales, seine Kandidatur für das Präsidentenamt an. Damit distanzierte er sich von beiden Politikern und veränderte die politische Landschaft Boliviens.

Die soziale Lage in Bolivien ist angespannt. Im ersten Quartal 2025 wurden 201 Konflikte [6] registriert. Bei den meisten dieser Konflikte ging es um Proteste gegen steigende Lebensmittelpreise und politische Themen. Einer der jüngsten Konflikte hier in Cochabamba [7] hängt mit nicht abgeholtem Müll zusammen, der die Gesundheit der Stadtbevölkerung schädigt.

Im Umweltbereich bleiben Abholzung und Waldbrände auch im Jahr 2024 schwerwiegende Probleme für die indigene Bevölkerung und die ländlichen Gemeinschaften [8]. Darüber hinaus kam es im Departement Cochabamba im Jahr 2025 zu den schlimmsten Regenfällen seit 1959 [9]. Diese Regenfälle führten zu Erdrutschen auf Landstraßen und dazu, dass Flüsse über die Ufer traten.

Welche Auswirkungen haben Konflikte auf die am stärksten gefährdeten Gemeinschaften?

Die Konflikte in Bolivien im Jahr 2025 werden verheerende Auswirkungen auf die am stärksten gefährdeten Gemeinschaften haben. Die komplexe Wirtschaftslage hat zu Wechselkursinstabilitäten geführt, die die Kaufkraft von Familien mit niedrigem Einkommen direkt untergraben. Aufgrund der anhaltenden Preissteigerungen wird es für einheimische Familien zunehmend schwieriger, ihren Lebensstandard aufrechtzuerhalten. Eine kumulierte Inflation von über 20 % seit Beginn der Krise hat zu erheblichen Schwierigkeiten beim Zugang zu Produkten des Grundbedarfs geführt, eine Situation, die sich in ländlichen und Randgebieten noch verschärft. Kraftstoffknappheit, insbesondere bei Benzin und Diesel, verteuert nicht nur den Transport, sondern unterbricht auch wichtige Lieferketten für diese Gemeinden.

In ökologischer Hinsicht sind indigene und bäuerliche Gemeinschaften direkt von Abholzung, Waldbränden und sintflutartigen Regenfällen betroffen. Ihr Lebensunterhalt ist eng mit den natürlichen Ressourcen verknüpft und wird durch plötzliche Klimaveränderungen und Schwierigkeiten beim Zugang zu lokalen Märkten, auf denen sie ihre Produkte verkaufen können, bedroht.

Die politische Zersplitterung verkompliziert die Situation zusätzlich. Die Spaltung zwischen rechts und links, einschließlich der internen Spaltung innerhalb der MAS zwischen Luis Arce und Evo Morales, erschwert die Entwicklung einer kohärenten Politik zur Bewältigung dieser Krisen. Die Stimme gefährdeter Gemeinschaften, deren politische Verteidigungsfähigkeit geringer ist, wird in diesem polarisierten Kontext geschwächt.

Dieses Zusammentreffen wirtschaftlicher, sozialer, ökologischer und politischer Krisen führt zu einem Teufelskreis für die am stärksten marginalisierten Teile der bolivianischen Gesellschaft. Mit den bevorstehenden Präsidentschaftswahlen im August sind es gerade Frauen, Kinder, ältere Menschen, indigene Gemeinschaften und Menschen in den Randgebieten, die die Hauptlast dieser widrigen Situation tragen. Sie vertieft die historische Ungleichheit und gefährdet ihre mittel- und langfristigen Entwicklungsaussichten.

Für NGOs wie Anawin manifestieren sich die Herausforderungen in Transportproblemen zu den Gemeinden für die von uns durchgeführten Projekte, die auf lange Verzögerungen aufgrund von Wartezeiten auf Treibstoff zurückzuführen sind. Darüber hinaus sind wir auf ernsthafte Schwierigkeiten beim Import der Materialien und Betriebsmittel gestoßen, die für die Durchführung der Projekte erforderlich sind aufgrund von Preisinstabilität und Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Fremdwährungen.

Ausblick für Ende 2025

Kurzfristig ist eine stabile wirtschaftliche und politische Realität kaum vorstellbar. Die politische Multipolarität und die wirtschaftlichen Schwierigkeiten lassen vermuten, dass die Regierung, egal welche neue Regierung sie einnimmt, gezwungen sein wird, beim Internationalen Währungsfonds einen internationalen Kredit zu beantragen, um die wirtschaftliche Lage des Landes zu stabilisieren. Aus Erfahrung wissen wir jedoch, dass diese Kredite mit Bedingungen verbunden sind, wie etwa der Schließung öffentlicher Unternehmen, Lohnstopps und anderen Bedingungen, die für die Mehrheit der Bevölkerung ungünstig sind.

Die Bolivianer sind eine äußerst widerstandsfähige und anpassungsfähige Gesellschaft. Obwohl die aktuelle Situation durch ihre Komplexität gekennzeichnet ist und die Aussichten auf eine mittelfristige Verbesserung gering erscheinen, drängt das grundlegende Bedürfnis nach Einkommen die Bevölkerung dazu, alternative Wege und kreative Lösungen zu finden. Diese Anpassungsfähigkeit spiegelt sich in der Beständigkeit der Wirtschaftstätigkeit auch in Krisenzeiten wider. Der Einfallsreichtum der Basisbewegung hat zur Entwicklung von unterstützenden Netzwerken in der Gemeinschaft und informellen Wirtschaftsmechanismen geführt, die Familien unterstützen, wenn die formellen Strukturen ins Wanken geraten. Lokale Märkte, kleine Unternehmen und Familienbetriebe sind weiterhin aktiv und bilden ein paralleles Wirtschaftsnetz, das widerstandsfähig gegenüber makroökonomischen Schwankungen ist.

Obwohl die am stärksten gefährdeten Gemeinschaften von den aktuellen Herausforderungen überproportional betroffen sind, zeigen sie eine außergewöhnliche Fähigkeit, sich neu zu organisieren und alternative Existenzgrundlagen zu schaffen. Diese Dynamik, die in den kulturellen Praktiken und dem traditionellen Wissen der Vorfahren wurzelt, ermöglicht es, dass das tägliche Leben trotz struktureller Schwierigkeiten mit einem gewissen Grad an Normalität weitergeht.

Diese Widerstandsfähigkeit sollte nicht als Resignation interpretiert werden, sondern als echter Ausdruck der Vitalität und Entschlossenheit des bolivianischen Volkes, Hindernisse zu überwinden, seine Gemeinschaften zu bewahren und Schritt für Schritt eine bessere Zukunft aufzubauen, selbst unter widrigen Umständen.

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[1] Véase Foronda, M.: Reservas internacionales. Disponible en: https://observablehq.com/@mauforonda/reservas-internacionales-bcb

[2] Véase El Deber: Dólar paralelo se dispara y alertan estancamiento económico con inflación en Bolivia. Disponible en: https://eldeber.com.bo/economia/dolar-paralelo-se-dispara-y-alertan-estancamiento-economico-con-inflacion-en-bolivia_512540/

[3] Véase El País: La escasez de combustible en Bolivia alienta las protestas de los transportistas contra Arce . Disponible en: https://elpais.com/internacional/2025-03-14/la-escasez-de-combustible-en-bolivia-alienta-las-protestas-de-los-transportistas-contra-arce.html

[4] Véase El Deber: Inflación acumulada en Bolivia alcanza el 5,95%, representa el 79% de la proyección del Gobierno. Disponible en: https://eldeber.com.bo/economia/inflacion-acumulada-en-bolivia-alcanza-el-595-representa-el-79-de-la-proyeccion-del-gobierno_513159/

[5] Véase Fundación Tierra. Disponible en: https://www.ftierra.org/index.php/opinion-y-analisis/1286-crisis-en-el-bolsillo-cuando-el-boliviano-pierde-su-poder-adquisitivo#:~:text=Crisis%20en%20el%20bolsillo%2C%20cuando%20el%20boliviano%20pierde%20su%20poder%20adquisitivo,-Gonzalo%20Colque%2017&text=Hemos%20cerrado%20el%202024%20con,Nacional%20de%20Estad%C3%ADstica%20(INE).

[6] Véase Defensoría del Pueblo. Disponible en: https://www.defensoria.gob.bo/noticias/defensoria-del-pueblo-evidencia-201-conflictos-en-el-primer-trimestre-del-2025-e-identifica-dos-conflictos-medioambientales-estrategicos

[7] Véase El Deber: Cochabamba está con montañas de basura desde hace dos semanas. Disponible en: https://eldeber.com.bo/pais/cochabamba-esta-con-montanas-de-basura-desde-hace-dos-semanas_513111

[8] Véase La Pública: retos ambientales, incendios, deforestación a. Disponible en: https://www.lapublica.org.bo/especiales/item/1255-retos-ambientales-2025-incendios-mineria-eventos-climaticos-deforestacion-y-agresion-a-defensores-en-bolivia

[9] Véase Red Uno: Cochabamba registra récord histórico de lluvias en Enero de 2025. Disponible en: https://www.reduno.com.bo/noticias/cochabamba-registra-record-historico-de-lluvias-en-enero-de-2025-202524143333

Verheerende Waldbrände in Chile – Spendenaufruf

Die Waldbrandkatastrophe in der Region Valparaiso/Viña del Mar ist inzwischen auch in den internationalen Medien thematisiert worden. Im „Luxemburger Wort“ beschrieb Klaus Ehringfeld am 6. Februar in seinem Artikel « Mehr als 110 Tote bei schweren Waldbränden in Chile » die Tragödie, die sich am ersten Februarwochenende in der dichtbesiedelten Küstenregion westlich von Santiago de Chile abspielte.
In Zwischenzeit wird das Ausmaß der Feuersbrunst immer klarer, die Rede ist aktuell von 130 Toten, Hunderten von Vermissten und 15000 zerstörten Häusern und Hütten. Viele Menschen stehen vor dem Nichts.
 
Als allgemeinnützige, regierungsunabhängige Organisation, die sich seit 36 Jahren für eine aktive Entwicklungszusammenarbeit in Südamerika engagiert, reagieren wir mit Bestürzung und Mitgefühl auf diese schlimmen Nachrichten, dies umso mehr, weil eine unserer Partnerorganisationen direkt betroffen ist. Wir können somit unsere Informationen aus erster Hand beziehen.


Seit 1998 unterstützt unsere NGO « Niños de la Tierra » die « Corporación Cultural CREARTE im Armenviertel Achupallas im Außenbezirk der Küstenstadt Viña del Mar. Diese Organisation betreibt die Escuela Popular de Arte (EPA), ein herausragendes inklusives und sozial engagiertes Projekt, welches sich zur Aufgabe gemacht hat, mittels innovativer Methoden der Kunst- und Musikpädagogik, Entwicklungschancen für Kinder und Jugendliche zu schaffen. Konkret handelt es sich um eine Musikschule, die sowohl vielfältige kulturelle Aktivitäten, wie auch psychosoziale Beratung und Unterstützung anbietet und somit ein wichtiger Motor für die Integration der Kinder und Jugendlichen in die chilenische Gesellschaft ist.
Durch die Zusammenarbeit mit CREARTE haben sich tiefe chilenisch-europäische Freundschaften entwickelt, Patenschaften haben sich gebildet und kultureller Austausch wurde ermöglicht, auch zwischen der EPA und einzelnen luxemburgischen Musikschulen und Musikvereinen.
Die in der Schule engagierten LehrerInnen und Lernenden durchleben in diesen Tagen eine eine schlimme Zeit. Einzelne Familien entkamen nur knapp den Flammen, viele haben ihr Zuhause verloren, einige haben im Umfeld auch Tote zu beklagen. Wie durch ein Wunder wurde die Musikschule von den Flammen verschont. Während um das Gebäude herum apokalyptische Zustände herrschen, kann das Gebäude nun als Verteilerzentrale für Hilfsgüter für die obdachlos gewordenen Menschen aus der Nachbarschaft, sowie als medizinische Versorgungsstation genutzt werden.
Für unsere NGO steht es außer Frage, dass wir unseren Partnern in diesen schwierigen Zeiten beistehen wollen. Wichtig ist einerseits eine direkte, unbürokratische Soforthilfe, um die schlimmste Not zu lindern, andererseits aber auch die längerfristige Unterstützung, damit das sinnvolle Kulturprojekt überlebensfähig bleibt.
 
Spenden dringend benötigt
Wenn Sie Soforthilfe für die betroffenen Familien von Schülern der Escuela Popular de Artes möglich machen wollen, sowie mithelfen wollen, dass das so überaus wichtige kulturelle Projekt der Musikschule weiter bestehen kann, können Sie dies mit einer Spende an

Niños de la Tierra CCPL IBAN LU75 1111 0897 7348 0000 unter dem Stichwort „Brandkatastrophe Achupallas“ machen.

Die Spenden sind selbstverständlich steuerlich absetzbar.

Wir bedanken uns aus tiefstem Herzen.
 
Marianne Schummer im Namen von « Niños de la Tierra », www.niti.lu