Frauenproteste in Chile

WOZ die Wochenzeitung


Von der Schülerin bis zur Seniorin: Weit über eine Million Frauen protestierten in Chile rund um den Internationalen Frauentag gegen Gewalt, tiefe Renten und die Regierung. Ein Blick auf die Entstehungsgeschichte einer riesigen Bewegung.
Von Toni Keppeler, Santiago de Chile

«Ich will nicht, dass sie aus meinem Kind eine Prinzessin machen»: An der Demonstration zum Frauentag in Santiago de Chile. Foto: Fernando Lavoz, Getty

Es war ein gewaltiger Auflauf von Frauen: Er füllte die Avenida Bernardo O’Higgins, die achtspurige zentrale Verkehrsachse von Santiago de Chile, über mehr als vier Kilometer. Auch die Seitenstrassen waren so verstopft, dass kaum ein Durchkommen war. An der lauten und kämpferischen Demonstration waren viele chilenische Flaggen zu sehen, aber auch die der Ureinwohner der Mapuche, die seit über 200 Jahren im Widerstand gegen die Regierung stehen.
Vor dem Präsidentenpalast La Moneda und auf der Höhe des Bankenviertels kam es am Rand des Zuges zu Strassenschlachten. Steine und Flaschen flogen in Richtung der Wasserwerfer und der hinter Gittern und Schildern verschanzten Carabineros, der paramilitärischen Polizei. Die setzten nicht nur Wasserwerfer ein, sondern feuerten auch Tränengasgranaten in die Menge. Wäre Panik ausgebrochen, hätte es Dutzende Tote geben können. Doch die Demonstrantinnen blieben gefasst. Seit Mitte Oktober dauern die Proteste gegen Präsident Sebastián Piñera, die Repression und das neoliberale Wirtschaftsmodell an. Szenen wie die vor der Moneda gehören seither zum Alltag.
Mit oder ohne Klamotten
Zwei Millionen Frauen sollen am 8. März allein in Santiago de Chile auf der Strasse gewesen sein, gab das Koordinationskomitee am Abend bekannt. Aus den Provinzstädten wurden weitere Massendemonstrationen gemeldet. Die Carabineros behaupteten, es seien in Santiago gerade einmal 150 000 Frauen gewesen. Eine persönliche Schätzung auf der Basis der Auszählung einzelner Blocks ergab, dass es bestimmt weit über eine Million waren: von Schülerinnen bis hin zu Seniorinnen, die sich auf einen Stock stützen mussten. Viele Demonstrantinnen trugen nur einen BH zur Hose oder zum Rock, etliche hatten sich den Körper mit Parolen bemalt: «Ob mit oder ohne Klamotten, mein Körper gehört mir.»
Transparente waren nur wenige zu sehen, auch gab es keine Abschlusskundgebung mit Reden. Die neue soziale Bewegung Chiles ist spontan und hat keine erkennbaren Figuren an der Spitze. Auch so sind die Forderungen klar: freie Abtreibung, ein Ende der Morde an Frauen und der Rücktritt des Präsidenten. Eine der am häufigsten gerufenen Parolen: «Piñera soll sterben, nicht meine Freundin».
Auch in Buenos Aires, in Mexiko-Stadt, in Bogotá und in vielen anderen Städten Lateinamerikas gingen die Frauen am 8. März zu Hunderttausenden auf die Strasse. In Chile, Argentinien und Mexiko wurde für den 9. März zudem zu einem Frauenstreiktag aufgerufen.
Die neue Frauenbewegung Lateinamerikas begann 2015, erklärt Alondra Carrillo, Sprecherin von Coordinadora 8M, im Gespräch. Damals protestierten in Buenos Aires Zehntausende Frauen mit der Parole «Ni una menos» («Keine Einzige weniger») gegen die Masse von Morden an Frauen. Jeden Tag werden in Lateinamerika zwölf Frauen umgebracht, in Chile mit seinen knapp achtzehn Millionen EinwohnerInnen jeden dritten Tag eine. Bis heute ist ein Ende dieser Femizide eine zentrale Forderung der Demonstrationen am Internationalen Frauentag.

Diane Catani in Luxemburg

Am Freitag, dem 24. Januar 2020 hielt Diane Catani im Bettemburger Jugendhaus ihren Vortrag: 

Sie berichtete über die Entwicklung der sozialen Unruhen in Chile während der letzten Monate, illustriert mit Video-Einspielungen sowie kurzen Theater-Einlagen. Die Freunde ihrer Unterstützergruppen Niños de la Tierra und Andamos, viele persönliche Freunde sowie mehrere in Luxemburg lebende Chilenen verfolgten aufmerksam Dianes sehr lebendige Ausführungen.

Es folgte eine kleine Feier zum zehnjährigen Bestehen von TeatroBus und die Scoutsgruppe aus Bettemburg überreichte einen Scheck über 2000 Euro.

Der gelungene Abend klang bei einem gemütlichen Zusammensein mit Pisco Sour und Geburtstagskuchen aus.

Hier eine kleine Fotoreportage im Anschluss (Fotos: Georges Ludwig, Michel Schaack).

Rundbrief 1-2019 Förderverein CREARTE e.V

Wir fördern Kunst, Kultur und Entwicklungszusammenarbeit

 

Im Dezember 2019

Liebe Vereinsmitglieder, EPA-Freiwillige und FörderInnen,


“…sonst wird sich hier nie was ändern.“

So lautet der Titel meiner Diplomarbeit zum Thema „Zur Alltagswirklichkeit von Jugendlichen in der neuen Demokratie in Chile“ aus dem Jahr 1992. Darin komme ich zu der Schlussfolgerung, dass „nur Gesellschaften, in denen die Herrschaft der Eliten auf (…) glaubwürdigen Zukunftsversprechen gründet, darauf vertrau- en können, dass die nachwachsenden Generationen sich in die bestehenden Strukturen einfügen.“ (Liebel. In: Rebellierende Jugend, Blätter des iz3W, Freiburg, 1990:22).

Massenproteste und massive Menschenrechtsverletzungen in Chile

Nach fast 30 Jahren defizitärer Sozialpolitik, dem Ausverkauf der chilenischen Rohstoffe und der Privatisierung aller wichtigen Lebensbereiche zugunsten der Bereicherung einiger weniger Privilegierter hat eine Erhöhung der U-Bahnfahrpreise das Fass zum Überlaufen gebracht. Ausgelöst von Schülerprotestaktionen in Form von kollektivem Schwarzfahren demonstrieren seit dem 18. Oktober tagtäglich hunderttausende von Menschen im ganzen Land. Sie fordern eine Verbesserung ihrer Lebensbedingungen und die Abkehr vom neoliberalen Wirtschaftssystem sowie eine verfassungsgebende Versammlung und den Rücktritt des Präsidenten. Auf den Druck der Protestbewegung hin hat die Mehrheit der Abgeordneten einen so genannten „Friedenspakt“ beschlossen, der darauf abzielt, im April 2020 über das Prozedere zu einer neuen Verfassung abstimmen zu lassen. Dafür wird allerdings eine 2/3 Mehrheit benötigt, wodurch in der Vergangenheit schon die meisten Reformvorhaben blockiert worden sind. Dagegen haben sich über 120 Organisationen der Zivilgesellschaft, die in einer sogenannten „Mesa de Unidad Social“ (Tisch des sozialen Zusammenhaltes) organisiert sind, ausgesprochen. Sie fordern einen partizipativen Prozess und haben zum Generalstreik aufgerufen.

Der Rückhalt des Präsidenten Sebastian Piñera in der Bevölkerung beträgt laut Umfragen nur noch 4,5 Prozent. Gemäß einem aktuellen Bericht von Human Rights Watch ist die Polizei und das Militär seit Beginn der Proteste brutal vorgegangen. Durch den exzessiven Einsatz von Gewalt, giftigen Reizgasen, den Gebrauch von scharfer Munition und Schusswaffen bei den Demonstrationen sind seitdem über 11.000 Menschen mit Verletzungen behandelt worden, davon 230 mit schweren Augenverletzungen. Es gibt 442 Anzeigen wegen Folterung, sexuellem Missbrauch, Verschleppung und Mord. Man geht von bislang 23 Toten aus. Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass eine tiefgreifende Reform der Polizei überfällig ist. Gleichzeitig kündigte der Präsident eine Ausweitung der Befugnisse des Militärs an. Eine Gruppe von Abgeordneten der Opposition hat eine Verfassungsklage gegen ihn eingereicht, doch die Regierung weist jegliche Verantwortung von sich. Der Konflikt scheint sich weiter zuzuspitzen.

Die aktuelle Situation im Projekt

Die Escuela Popular de Artes setzt sich seit über zwanzig Jahren für die Verbesserung der Lebensbedingungen der benachteiligten Kinder und Jugendlichen und ihrer Familien in den Armenvierteln in Viña del Mar und ihre Teilhabe am kulturellen Leben ein. Wir zeigen, dass die jungen Menschen sich sehr wohl mit Kreativität und sozialem Engagement in die Gesellschaft integrieren wollen.

Obwohl wir in diesem Jahr ohne eine Finanzierung durch die chilenische Regierung auskommen mussten, haben wir im Januar 2019 unser Jubiläum mit zwei großartigen Veranstaltungen gefeiert, bei der alle Solisten und Gruppen – u.a. die Tanzformation Pacha Perú aus Lima sowie diverse Lehrer- und Schülerbands – ohne Gage aufgetreten sind. Viele ehemalige SchülerInnen sowie befreundete Organisationen waren anwesend. Wir hatten Besuch von einer Delegation des „Coro Can- to“ aus Köln, mit denen Eduardo und ich im Oktober 2018 den „Canto General“ von Theodorakis aufgeführt hatten. Aus dem Erlös der beiden Konzerte erhielt die EPA eine Spende von 5.000 Euros.

Erstmals hatten die Kinder aus der Landbesetzung Manuel Bustos, die aus dem von Salut Salon im Jahr 2018 finanzierten offenen Stadtteilprogramm hervorgegangen sind, als Kinderstreichorchester einen Auftritt in der Schule. In 2019 spendete Salut Salon 23.125 Euros für die laufende Arbeit der Schule. Mit vereinten Kräften haben wir es in diesem Jahr geschafft, das Musikschulprogramm allein aus Spenden, Patenschaften und – zu einem geringen Anteil – den Beiträgen der Familien zu finanzieren.
Wir freuen uns, dass zwei weitere ehemalige Schüler der EPA seit diesem Jahr als engagierte Lehrer im Projekt tätig sind. Javier Valenzuela, der mit sechs Jahren in die EPA kam und heute ausgebildeter Konzertpianist ist, ist einigen unseres Unterstützerkreises vom Hauskonzert im November 2017 in Birken-Honigsessen bekannt. Er hat die Leitung des Orquesta Latina´s übernommen und wird im neuen Jahr die musikpädagogische Arbeit in der Musikschule koordinieren.

Positiv zu erwähnen ist auch das Engagement der Eltern, die sich in diesem Jahr mehrmals getroffen haben, um den Hof und die Lagerräume der Schule aufzuräumen, Möbel instand zu setzen und kleinere Reparaturarbeiten am Gebäude vorzunehmen.

Vor zwei Wochen ist das Haus eines Schülers der EPA abgebrannt. Die Familie, die in armen Verhältnissen in den Landbesetzungen lebte, hat alles verloren. Daraufhin hat die Schule eine Benefizveranstaltung durchgeführt, bei der Schüler- und Lehrerbands auftraten, Essen verkauft und Geld- und Sachspenden gesammelt wurden. Im Publikum waren auch VertreterInnen des Rotary Clubs von Viña del Mar, die seit November 2019 erstmals fünfzehn Patenschaften übernommen haben, worüber wir sehr froh sind.
Wie geht es weiter in der Escuela Popular de Artes?

Natürlich ist auch die Schule von den politischen Unruhen betroffen. Die MitarbeiterInnen versuchen die Arbeit so normal wie möglich durchzuführen, auch wenn es öfters zu Problemen im öffentlichen Nahverkehr kommt und Stunden verlegt werden müssen. Gerade jetzt macht es aber Sinn, einen Raum für sinnvolle Freizeitbeschäftigung und gemeinsames Musizieren anzubieten, in dem die Kinder und Jugendlichen im Stadtteil aufgefangen und Perspektiven geschaffen werden können. Im Dezember haben sich sogar neue SchülerInnen eingeschrieben. Die Familien schätzen die EPA als einen Ort, an dem sich ihre Kinder wohlfühlen, gefördert werden und Freundschaften schließen. Für einige LehrerInnen ist ihre Arbeit in unserer Schule momentan die einzige Einkommensquelle, da andere selbstständige Tätigkeiten als MusikerInnen oder DozentInnen bei Universitäten oder öffentlichen Schulen seit Beginn der Proteste gar nicht oder nur unregelmäßig stattfinden.

Die Corporación Cultural CREARTE hat in diesem Jahr wieder die Finanzierung durch das chilenische Kultusministerium beantragt, die wir im letzten Jahren verloren hatten. Wegen der Proteste mussten wir lange auf eine Antwort warten, aber vor zwei Tagen bekamen wir endlich die positive Nachricht, dass das Projekt bewilligt wurde. Wir werden also im neuen Jahr ca. 100.000 Euros für das laufende Programm der EPA sicher haben. Zusammen mit den Spenden und Patenschaften aus Chile, Deutschland und Luxemburg werden wir jetzt also einen vernünftigen Haushalt für das neue Jahr aufstellen können. Eduardo und ich werden vom 10.12.19 bis 29.01.20 dafür vor Ort sein. Wir sind gespannt, wie sich die Zusammenarbeit mit der chilenischen Regierung im Kontext der politischen Unruhen gestalten wird. Auf jeden Fall ist es angesichts der Menschenrechtsverletzungen und der schwierigen, ungeklärten gesamtgesellschaftlichen Situation weiterhin wichtig, auf die Unterstützung von Privatpersonen und zivilen Organisationen im In- und Ausland bauen zu können und Netzwerke über die Landesgrenzen hinaus zu pflegen.


Besuch in Luxemburg

Vom 11. bis 13. Oktober waren Eduardo und ich zu Besuch in Luxemburg. Wir hatten Gelegenheit, uns mit dem Leitungsteam der Musikschule Echternach zu treffen und konkrete Ideen für den weiteren Austausch zu entwickeln. Wir freuen uns sehr darüber, dass die Musikschule ihr diesjähriges Weihnachtskonzert zugunsten der EPA ausrichten wird.
Wir trafen uns mit Roby Biwer von der Organisation „Beetebuerg helleft“, die seit vielen Jahren die soziale Arbeit in der Musik- schule fördert und berichteten ihm von den aktuellen Entwicklungen im Projekt und in Chile. Mit den Mitgliedern von “Niños de la Tierra“ (siehe Foto) hatten wir einen ausführlichen

Austausch. Als Duo Manzanar gaben wir ein Haus-konzert bei dem Musiker Camile Kerger, bei dem 285 Euro
Erlös für die Escuela Popular de Artes zusammen-kamen. Zunächst waren im laufenden Schuljahr 2019 keine Mittel für die Ensemblearbeit übrig. Dank einer privaten Spende aus Luxemburg kann die Arbeit des lateinamerikanischen Orchesters nun wieder aufgenommen werden.

In eigener Sache

Es war ein ereignisreiches Jahr, in dem unser Verein diverse Veranstaltungen organisiert und neue Kontakte geknüpft hat. Wir freuen uns, neue PatInnen in unserem Unterstützerkreis begrüßen zu können. Unter anderen hat der Rotary Club Westerwald in 2019 drei Patenschaften finanziert. Und über die Betterplace Spendenaktion zu meinem Geburtstag im Dezember letzten Jahres konnten weitere 4 Plätze ermöglicht werden. Für die schon seit langem bestehenden Patenschaften und alle in diesem Jahr erhaltenen Spenden möchte ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bei jedem Einzelnen bedanken. Insgesamt wurden in diesem Jahr 40 Plätze für Kinder und Jugendliche in der EPA über Patenschaften finanziert. Hinzu kamen diverse Spenden und Einnahmen aus Benefizkonzerten. So konnten wir in 2019 zusammen mit unseren befreundeten UnterstützerInnen in Luxemburg insgesamt 49.501 Euros an die EPA in Chile überweisen.

Ohne diese Unterstützung und die des Ensembles Salut Salon hätte das Projekt in diesem Jahr seine Arbeit nicht weiterführen können.

Am 5.5.2019 fand die diesjährige Mitgliederversammlung unseres Fördervereins CREARTE e.V. in Birken-Honigsessen statt. Wir begrüßen Andrea Maaß-Gerhartz als neues Vereinsmitglied und bedanken uns auch für die Mitwirkung unserer Gäste Carmen Kuzugüdenlioglu und Elke Scheiner bei dem konstruktiven Treffen.

Unsere nächste Mitgliederversammlung wird
am 10.05.2020 um 11 Uhr – wieder in 57587
Birken-Honigsessen, Hauptstr. 21 – stattfinden.

Eduardo und ich haben das ganze Jahr über wieder viele Workshops und Bildungsveranstaltungen rund um die Themen „Musik als Lebenschance“, „Wald als Ressource“ und „Kinder- / Jugendrechte und nachhaltige Entwicklung“ als ReferentInnen für Globales Lernen im Programm Bildung trifft Entwicklung durchgeführt. Das Kindermusical „Auf Abenteuerreise in Chile“ haben wir in verschiedenen Kindergärten aufgeführt und es sind tolle Wandbilder entstanden, u.a. bei der Ferienspaßaktion der Stadt Mettmann und der Gesamtschule Köln-Mülheim.

Am 9. August 2019 war die renommierte chilenische Rockformation TRYO, in der zwei Lehrer der EPA mitspielen, in Birken-Honigsessen zu Besuch und gaben zusammen mit der Wissener Band Soulmatic ein Benefizkonzert zugunsten der EPA in Alsdorf, bei dem 1808 Euros an Erlös eingespielt wurden. Das Publikum war begeistert und für unseren Verein war es eine sehr öffentlichkeitswirksame Aktion.
Zwar nicht als Benefizveranstaltung organisiert, aber auch sehr öffentlichkeitswirksam (- es waren sogar Fans aus Heidelberg angereist -) und vor allem eine Gelegenheit des Austauschs und Wiedersehens mit UnterstützerInnen und Vereinsmitgliedern war das Konzert mit der momentan sehr erfolgreichen chilenischen Liedersängerin Evelyn Cornejo und ihrem Partner Manolo Pez am 11. September im Centro Machado in Köln aus Anlass des Jahrestages des Militärputsches in Chile.

In demselben Kulturzentrum gaben Eduardo und ich am 20. November ein Konzert als Duo Manzanar und berichteten bei der Gelegenheit über die Arbeit der EPA. Dabei wurden 181 Euros für die Schule gespendet und zwei Mitglieder des „Coro Canto“ (s.o.) entschieden sich, eine laufende Patenschaft für einen Platz in der EPA zu übernehmen. Vielen Dank dafür! Bitte schon einmal vormerken: Vom 16. bis 19. Juli 2020 wird der Chor „Madrigalistas de Valparaíso” (https://www.youtube.com/channel/UCyIH_OZPHixnAQEcp9YscXw) unser Gast sein und am 18.7. ein Benefizkonzert für die EPA in der Thomaskirche in Köln geben. Vorab wird es ein Probenwochenende mit dem ehemaligen Chorprojekt „Coro Canto“ geben, um ein paar Lieder einzustudieren, die mit den chilenischen SängerInnen gemeinsam aufgeführt werden sollen. Jeder der/die mit- singen möchte, ist herzlich dazu eingeladen. Es wird beizeiten nochmal eine genauere Veranstaltungsinfo dazu geben.

Ich wünsche Ihnen / euch allen ein frohes und friedvolles Weihnachtsfest und einen guten Start im neuen Jahr.


Michaela Weyand
Vorsitzende Förderverein CREARTE e.V.

La route critique que doivent suivre les Boliviens

Historique et analyse des troubles en Bolivie
par Rodrigo Aramayo, directeur de notre ONG partenaire ANAWIN, Cochabamba

Après 14 ans de relative stabilité sociale, politique et économique, la Bolivie est bouleversée et au bord du chaos depuis le jour des élections. La question qui se pose: quel est vraiment le facteur qui a déclenché cette confrontation?
Compte tenu de ces 4 semaines, le 20 octobre ont eu lieu les élections nationales pour élire le président, le vice-président et les parlementaires. Cette même nuit, lors du dépouillement du scrutin, le corps électoral a ordonné la coupure de la transmission publique des résultats. A ce moment, après que 85% des bulletins étaient dépouillés, l’écart entre le président sortant/candidat indigène Evo Morales et le candidat de centre-droite Carlos Mesa s‘élevait à 4%. Au cas où ce résultat serait définitif, conformément à la Constitution de l’État, il faudrait procéder à un deuxième scrutin entre les deux candidats. Il était clair qu’alors tous les fronts s’uniraient contre Morales, menant Mesa à la présidence. Le lendemain, lorsque la transmission a repris, l’écart est passé à plus de 10% et Evo Morales a été proclamé vainqueur et président de l’État plurinational de Bolivie pour un nouveau mandat de 2020-2015 et qui devrait débuter le 22 janvier.
A partir de ce moment, c’est une autre histoire. Face à l’appel à la résistance et aux allégations de fraude de Carlos Mesa, les principales villes de Bolivie ont réagi en mobilisant les secteurs de la classe moyenne. Santa Cruz, principal centre économique du pays, prend le relais des mouvements civiques qui se généralisent rapidement dans les villes, la stratégie est de paralyser toutes les activités publiques, privées, commerciales en élevant des barricades dans les rues défendues par les citoyens pour bloquer avec force toute circulation et tous les moyens de transport aussi bien dans les zones centrales que résidentielles. Dans les secteurs populaires et périphériques pourtant, on remarque que les activités se poursuivent normalement, premier symptôme que le mouvement de rejet d’une éventuelle fraude a des teintes classistes. Immédiatement, le gouvernement annonce un accord avec l’OEA (Organisation des États américains) pour auditer les résultats des élections dans les 10 jours, précisant qu’en cas de panne informatique, il accepterait le scrutin, accord qui n’arrête pourtant pas les mobilisations. Les jours qui suivent, les protestations deviennent plus radicales, on parle déjà de démission et de nombreux groupes de jeunes sur les motos et les VTT apparaissent dans les rues avec des attitudes qui dénotent une plus grande agressivité, attaquant et incendiant les bureaux du corps électoral. Ces groupes sont chargés de protéger les barricades qui se multiplient à chaque recoin des centres urbains résidentiels. Dans ce scénario de répudiation de la classe moyenne, les réseaux sociaux deviennent le meilleur moyen de communication et de diffusion de messages à fort contenu raciste et appellent à maintenir la résistance jusqu’à la démission du président indigène.

Partisans du candidat de droite Carlos Mesa brûlant des bulletins de vote à La Paz

Entretemps les organisations sociales indigènes et les zones populaires urbaines réagissent avec des marches de masse pour défendre Evo Morales et le gouvernement en insistant sur le respect du vote rural et la légalité du nouveau mandat. Ainsi ont lieu les premiers affrontements entre ces deux groupes à Santa Cruz, Cochabamba et La Paz, avec un bilan de 3 morts et des centaines de blessés. La police fait des efforts tièdes pour calmer les esprits mais finalement elle ne cherche qu’à protéger les quartiers résidentiels contre d’éventuels actes de vandalisme face à la panique générée par les messages alarmistes qui se produisent sur les réseaux sociaux.
Le 10 novembre, un événement majeur déstabilise le gouvernement jusque-là fort d’Evo Morales: l’émeute policière de Cochabamba qui se propage rapidement dans tout le pays. Les forces armées qui jusqu’à présent ont maintenu leur position de ne pas descendre dans la rue pour faire face au peuple recommandent au président de démissionner.
Le même jour, le président déclare que les examinateurs de l’OEA ont constaté des irrégularités dans le processus électoral. Il annonce immédiatement de nouvelles élections avec de nouveaux acteurs qui se tiendraient le 15 décembre. Dans l’après-midi, le président Morales qui se trouvait dans la région tropicale de Cochabamba, le principal bastion du MAS (Mouvement vers le Socialisme), proclame que le coup d’État de la police a été lancé avec l’ingérence directe de l’extrême droite internationale et démissionne, de même le vice-président Álvaro García Linera. Le lendemain, le gouvernement mexicain lui envoie un avion et il part en exil.
Le lundi 11 novembre, devant le vide du pouvoir, la deuxième vice-présidente du Sénat représentant l’un des partis de la droite radicale se proclame présidente par intérim de la Bolivie, dont le mandat a pour seule mission d’organiser de nouvelles élections et qui prendrait fin le 22 janvier 2020.
Logiquement, l’euphorie se déchaîne dans les villes, ce sont les classes moyennes qui ont «renversé le dictateur», les héros sont les policiers qui descendent et brûlent le drapeau multicolore (whipala), symbole des peuples indigènes et les jeunes à moto habillés en costumes de combat au meilleur style des groupes radicaux défilent dans les rues.
La réaction des adeptes de Morales, beaucoup plus nombreux qu’on ne le pensait, est immédiate. Les premiers à payer les conséquences de leurs actions sont la police, plusieurs unités de police sont en feu. Les classes moyennes des villes qui avaient été les protagonistes de la panique du renversement, les mêmes réseaux sociaux qui appelaient auparavant à la résistance, sont maintenant responsables de la diffusion de messages alarmistes qui annoncent l’avance des indigènes vers les villes. C’est dans ce contexte que le vendredi 15, une marche massive des producteurs de coca de Chapare, le secteur le plus fidèle à Evo Morales arrive à Sacaba, qui est la porte d’entrée de la ville de Cochabamba. Ils sont attendus par la police d’élite et les forces militaires qui avaient été préalablement autorisés par la présidente Jeanine Añez à réprimer avec armes toute mobilisation provenant des secteurs qui soutiennent le président déchu. Il y a une confrontation sérieuse à 10 km de la ville. Le résultat : 9 paysans tués par balles de gros calibre et plus de 200 blessés. Pas de victimes de la police et de l’armée. Ces décès provoquent l’indignation et la colère des Indiens Quechua et Aymara qui se sentent discriminés et humiliés en raison de leur statut indigène. La police qui, quelques jours auparavant, avait protégé les habitants rebelles de la ville, attaque maintenant les paysans qui n’acceptent pas le nouveau gouvernement.

Indigènes réclamant la fin des excès de la police


Les organisations autochtones comprennent maintenant que la lutte est basée sur la classe et la couleur de la peau. Le détail le plus frappant est que même les secteurs de l’intelligentsia et de la gauche démontrent que leur appartenance sociale a plus de poids que les théories libératrices.
En cette quatrième semaine qui commence, les positions se radicalisent de plus en plus, même avec l’arrivée des médiateurs des Nations Unies et d’autres pays de l’Union Européenne, il n’est pas possible d’établir un scénario de dialogue.
Que s’est-il passé? Comment Evo Morales est-il tombé brutalement à l’automne, alors qu’en 14 ans de gouvernement il avait généré une large base sociale, à partir de politiques inclusives, de croissance économique, de conquêtes sociales et d’autres réalisations qui ont amélioré la qualité de vie des Boliviens, surtout de ceux qui étaient historiquement marginalisés.
De notre perception, l’erreur fatale était de vouloir rester au pouvoir au-delà de ce que la constitution de Morales lui-même promulguait. Le référendum de 2016 a dit «NON» au projet d’amendement constitutionnel pour permettre au président ou au vice-président de l’État bolivien de se présenter pour une troisième réélection. Néanmoins, faire appel à un droit de l’homme l’a forcé à participer à ces élections. La goutte qui a fait déborder la patience des classes moyennes étaient des allégations de fraude électorale, provoquant une flambée sociale effrénée. Il aurait mieux fait terminer son mandat constitutionnel et laisser un autre membre de son parti occuper ce poste. Même sachant que cette élection porterait le gouvernement plus à droite, il aurait pu être certain que l’opposition n’oserait pas modifier les politiques économiques et sociales, reconnues comme réussies et inclusives. Il serait sorti par la grande porte comme l’un des plus grands présidents de l’histoire bolivienne, avec la certitude que dans cinq ans il serait de retour.
Le plus douloureux est qu’un processus qui a encore un long chemin à parcourir a été tronqué. Pour l’instant, l’affaiblissement des liens de coexistence entre les Boliviens est l’un des faits les plus inquiétants et les plus tristes que la longue crise politique que traverse le pays nous laisse. Il semble que chaque groupe soit ancré dans ses certitudes et préjugés sans chercher à comprendre les idées ou les raisons de ceux qui sont considérés comme différents.
Un autre élément qui ne peut être négligé pour comprendre la chute du gouvernement MAS est l’ingérence extérieure des groupes de pouvoir, aussi bien du nord (les USA) que nos voisins qui ont opté pour des gouvernements d’extrême droite. Dans l’analyse chronologique des événements, il est clairement démontré comment les différents secteurs agissent de manière synchronisée, les dirigeants civiques, la police, l’apparition organisée de groupes parallèles à la police.
Comment sortir de ce conflit? Les spécialistes de la gestion des conflits soulignent que la première étape pour les résoudre est de construire une image partagée du problème. Autrement dit, se mettre d’accord sur au moins les raisons des uns et des autres. Et à partir de cette mosaïque essayer d’y mettre de l’ordre et trouver les accords minimaux qui nous mènent au bout du tunnel. Mais pour cela, il est nécessaire de dialoguer.
L’augmentation de la tension actuelle pourrait s’expliquer dans une certaine mesure par l’incapacité des dirigeants à discuter ensemble leurs points de vue divergents sur les conflits qui nous ont conduits à l’impasse. La société attend toujours ce simple geste de ses dirigeants.
Il est clair qu’aucune issue ne peut être trouvée sans que les acteurs impliqués acceptent non pas une vision commune du problème, mais certaines procédures qui aident à canaliser et à résoudre pacifiquement les différences. Cela semble inévitable, car aucun des blocs en conflit n’a la capacité de trouver une solution. Nous sommes obligés de vivre ensemble, même si nous avons une profonde méfiance ou un malentendu entre nous, et cela ne peut se faire que par le dialogue face à face.

Cochabamba, 18 novembre 2019
Rodrigo Aramayo M.
Anawin

DIE MAPUCHE ORGANISATIONEN UND IHRE VERBINDUNG ZUM SOZIALEN AUFBEGEHREN IN CHILE

Im Oktober dieses Jahres wird das Szenario in Chile gewaltsam verändert, ein Prozess des weitverbreiteten Protests wird ausgelöst, der sichtbar macht, was viele Jahre lang von den verschiedenen Regierungen seit dem Ende der Diktatur unmöglich gemacht wurde.
In einer Zeitspanne von ein paar Stunden entstand eine Situation, die ein Chile zeigte das anders war als das, das kommunikativ bekannt war. Aus einem Land, das als die wohlhabendste und stabilste Nation Lateinamerikas gilt, mit “ununterbrochener Demokratie” seit dem friedlichen Fall Pinochets. Äußerlich gilt Chile als Verkörperung einer erfolgreichen Wirtschaftspolitik, die während der Diktatur von Ökonomen installiert wurde die an der Universität von Chicago ausgebildet wurden. Diese haben unter anderem das Rentensystem in ein vom Staat überwachtes privates Pensionsregime umgewandelt, ein Aspekt, der für andere Länder in der Region zu einem Vorbild geworden ist, da er ihnen eine ständige Anhäufung von Kapital ermöglicht. Eine Situation, die heute als eine der umstrittensten auf der Liste der sozialen Forderungen des Volksaufstandes erscheint.
Das gleiche Bild eines solventen, stabilen, demokratischen Landes macht es schwer vorstellbar, dass ein jugendlicher Protest gegen die Erhöhung der Tarife im öffentlichen Transport in der Hauptstadt einen Prozess ausgelöst haben könnte, der so stark ist, dass er alles, was eingedämmt war, ins Rampenlicht stellte: Von der Regierung eines Landes, das 30 Jahre lang einen erfolgreichen Status hatte, die Gültigkeit einer großen Anzahl sozioökonomischer Forderungen anzuerkennen, z.B. Einkommen, Renten und das Gesundheitswesen zu verbessern.
Angesichts der schwierigen Situation, die im ganzen Land sichtbar geworden ist, blieben die indigenen Organisationen, die Mapuche in diesem Fall, zunächst nur Zuschauer. Nachdem sie die nationalen Umstände analysiert hatten, beschlossen sie jedoch, sich dem nationalen Protestprozess anzuschließen und ihre Position öffentlich zu machen.

Während der verschiedenen Proteste der Mapuche werden mehrere Symbole spanischer Persönlichkeiten aus der Zeit der Eroberung und Invasion des Mapuche-Territoriums zerstört

Es ist klar, dass die langjährigen aber unerfüllten Forderungen der indigenen Völker, insbesondere der Mapuche, an die Regierung nun angesichts der gegenwärtigen Umstände eine Schlüsselstellung eingenommen hat. Eine „kosmetische Lösung“ wie sie die Regierung vorschlug, kommt nicht in Frage. Nur eine grundlegende Verfassungsänderung kann definitiv zu einem anderen Verhältnis der Indigenen zum Staat führen. Verpflichtungen, die schon bei der Rückkehr zur Demokratie eingegangen wurden stecken seit Jahren fest: Nationaler Rat der indigenen Völker, Verfassungsanerkennung, Ministerium für indigene Völker unter vielen anderen.
Die Mapuche-Organisationen sandten schon vor Monaten ein starkes Warnsignal an die Regierung indem sie die Konsultationen beendeten, dies nach zwei Ereignissen, an denen die derzeitige Regierung ihre Verantwortung nicht zugeben wollte. Einerseits der Mord an dem Mapuche-Aktivisten Camilo Catrillanca durch Einsatzkräfte der Polizei und andererseits der irreguläre Kauf von Mapuche-Land, das in der Region durch den beigeordneten Staatssekretär im Innenministerium Rodrigo Ubilla getätigt wurde.
Chile versteht nun besser die Brutalität, mit der der Staat handeln kann. Die Repressionshandlungen, die Verletzung der Menschenrechte vor den Augen der ganzen Welt, massiver Polizeiaufmarsch, der Druck auf Beamte, ihre Arbeit nicht auszuführen erinnern an Zeiten der Diktatur; der Schleier ist gefallen und das wahre Gesicht der Macht hat sich gezeigt. Solche Situationen erleben die Mapuche-Organisationen seit vielen Jahren, wenn sie ihre Rechte einklagen werden sie als „Terroristen“ abgestempelt und mit der ganzen Macht des Polizeiapparats unterdrückt.
Wie wir bereits sagten, haben sich die Mapuche-Gemeinschaften diesem Prozess der Ablehnung unangebrachter politischen Entscheidungen im Land seit vielen Jahren verschrieben, indem sie dies auf organisierte Weise tun und eine interessante Reflexionsfähigkeit unter Beweis stellen. Die Situation gegen die das chilenische Volk sich zu diesem Zeitpunkt auflehnt, ist eine Realität, unter der sie schon lange leiden.

Manifestanten stürzen und zerstören die Statue von Pedro de Valdivia in Temuca

Hier offenbart sich die historische Wahrheit: Wenn Menschen ihre Angst vor der Staatsmacht verlieren, die sie selbst demütigte, wenn sie erkennen, dass die Würde der Person und des Volkes mehr ist als ein mageres Gehalt, finanzielle Unterstützung oder eine zentral erzeugte Agrarsubvention, an diesem Punkt fordern die Menschen ihre Rechte ein und verlangen einen echten Gesellschaftsvertrag, um nicht mehr Bürger zweiter Klasse zu sein, sondern als Person und als Volk anerkannt zu werden.
Heute wird Präsident Piñera nicht nur von Mapuche-Führern herausgefordert, sondern von einem Land im Allgemeinen. Und es ist nicht nur seine Regierung, es ist der Staat als Ganzes, der in Frage gestellt wird, weil er das Werkzeug par excellence war, um eine Struktur der sozialen Ungleichheit aufrechtzuerhalten, welche die Ausbeutung der Menschen durch nationale und ausländische Unternehmen ermöglichte, verbunden mit dem Raubbau an natürlichen Ressourcen wie im Falle von La Araucanía.
Die ursprünglichen Völker, insbesondere die Mapuche, sind sich bewusst, dass sie sich nicht weiter innerhalb des chilenischen Volkes assimilieren können, was Homogenität zu einer vermeintlichen Tugend macht. Aber es ist auch klar, dass neben der offensichtlichen Tatsache, soziale Räume zu teilen, zwischen dem chilenischen Volk und den ursprünglichen Völkern, die sie vereinen müssen, um die gleiche verfassungsmäßige Ordnung zu teilen. Ein interessantes Beispiel für die Erkenntnis, dass diejenigen, die die Mapuche unterdrückt und missbraucht haben, dieselben sind, welche alle Chilenen missbraucht haben, ist die Anwesenheit der Mapuche-Flagge in allen Erscheinungsformen dieses chilenischen Erwachens.
Die meisten strukturellen Veränderungen, die für das Land notwendig sind, kollidieren mit der aktuellen Verfassung z.B. die verfassungsmäßige Anerkennung der indigenen Völker mit dem Prinzip der eindeutigen Nationalität. In einer neuen Verfassung, wie sie in einem kürzlich unterzeichneten nationalen Abkommen vorgesehen ist, würde sie Fortschritte in Richtung Pluralität ermöglichen. Dies würde eine Änderung eines Großteils der bestehenden Vorschriften erfordern, was dazu führen würde, dass viele Ressourcen des Landes als Menschenrechte angesehen würden: Wasser und Umwelt unter anderen. Auch der Aufbau von Organisationsformen, die die Stimme jedes Volkes bindend berücksichtigen, würde bedeuten, dass das, was ein Volk billigt, auch erfüllt wird.
Die Mapuche haben in ihren Demonstrationen darauf hingewiesen, dass sie an eine Schicksalsgemeinschaft mit dem chilenischen Volk glauben, anerkannt, nicht als Untergebene und Ausgeschlossene, sondern als solidarische Partner in einem multikulturellen Prozess.

Mehr als 7000 Personen bei Mapuche-Marsch

Heute wird die Möglichkeit eröffnet, aus der Horizontalität der Strukturen auszubrechen, von unten den Dialog zwischen den Kulturen zu schaffen. Es werden Pakte geschlossen, die den Chilenen und indigenen Völkern bei der Entwicklung jedes Einzelnen zu Nutzen kommen. Heute gibt uns die von den indigenen Organisationen vorgeschlagene Territorialität Kriterien der Verantwortung auf der intra-, generationeninternen und interkulturellen Ebene. Im Kern geht es darum, wie wir das Zusammenleben zwischen den Gesellschaften für die Zukunft aufbauen, und sogar, wie wir mit unserer Umwelt leben, um mit der Artikulation anderer Territorien voranzukommen, bis wir dem Land eine neue Physionomie gegeben haben.

Roberto Mansilla
Direktor von FUNDECAM, Temuco