Wahlbehörde in Bolivien bestätigt offiziell Mehrheit für das „Nein“

Keine Mehrheit für die Verlängerung der Amtsperiode

von Präsident Evo Morales

 

Die von Evo Morales angestrebte Verlängerung der Amtszeit von Präsident und Vizepräsident von zwei auf drei Wahlperioden ist gescheitert. Nachdem mehr als 99 Prozent der Stimmen ausgezählt sind, steht das offizielle Ergebnis des Referendums vom vergangenen Sonntag in Bolivien fest: 51,3 Prozent stimmten gegen die Verfassungsänderung, 48,69 Prozent dafür. In einigen Wahllokalen von Santa Cruz, La Paz und Beni muss am 6. März noch einmal gewählt werden, dann ist das Resultat definitiv. Dies teilte die Wahlbehörde (TSE) heute mit. Die Amtszeit von Präsident Evo Morales und seinem Vize Álvaro García Linera endet also im Januar 2020.

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Im Oktober 2015 hatte es noch eine deutliche Mehrheit für das „SI“ gegeben. Diese schrumpfte jedoch merklich in den folgende Monaten. Eine letzte Umfrage ergaben ein Patt von je 40 Prozent Befürworter und Gegner und einen Anteil von 20 Prozent Unentschiedenen. Beide Lager versuchten  Letztere mit massiven öffentlichen Demonstrationen für sich zu gewinnen.

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Auch Präsident Morales reiste zuletzt tagelang durch das ganze Land zu großen Kundgebungen. Aber die Opposition hatte durch massive Medienkampagnen Evo Morales und seinen Vizepräsidenten  García Linera stark diskreditieren können, idem sie besonders in der städtischen Mittelschicht die Angst vor zunehmender Korruption und Vetternwirtschaft schürte.

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Das Resultat fiel denkbar kanpp aus. In den Regionen La Paz und Cochabamba stimmten ca. 55 % für das „JA“, im östlichen Tiefland um Santa Cruz und im südwestlichen Potosi jedoch 60 % für das „NEIN“.

Fotos: Portal amerika21

Aggressivität im Kindergarten

Erfahrungen, die mich bewegen
Salomé Heindrichs, Freiwillige in Tirani
Hola!
Mittlerweile lebe ich schon seit 9 Monaten im schönen Tirani. Die Zeit verfliegt… leider!!!
Ich arbeite morgens im Kindergarten „Ch’askalla“ mit meinen süßen – aber anstrengenden – dreijährigen Kiddies und nachmittags in der Hausaufgabenbetreuung “Apoyo“ mit den 1. und 2. Klässlern – kleine (B)engel – aber die liebe ich genauso und die passen zu mir.
Die Arbeit und das Leben hier insgesamt machen mir sehr viel Spaß, man bekommt auch so viel zurück von dem, was man gibt und ich genieße meine letzten drei Monate Freiwilligendienst. Wohl bin ich traurig, wenn ich an den Abschied denken muss, obwohl ich mich ja schon auf meine Freunde und Familie freue.

So… Ich habe einen Artikel über die Gewalt hier geschrieben; die Gewalt die mir aufgefallen ist. Diesen Artikel habe ich ziemlich zu Beginn meines Aufenthaltes hier geschrieben. Natürlich schmerzt es auch jetzt noch immer, dass man als Freiwillige nichts dagegen machen kann, aber mit der Zeit gewöhnt man sich leider irgendwie daran, solche Erlebnisse zu hören. Traurig, nicht wahr? Doch noch immer denke ich mir: Wie tapfer diese Kinder doch sind… oder ist es für sie auch schon eher eine Gewohnheit?
Hier dann mein Bericht:
Letzte Woche in der Hausaufgabenbetreuung : Ich sitze mit den achtjährigen Kindern und der Educadora (Erzieherin) um den Lerntisch und wir spielen ein Spiel, in dem es darum geht, den Finger so schnell wie möglich zu heben, wenn die Antwort auf die gestellte Frage „Ja“ lautet.
Educadora: „Wer hat seine Mama und seinen Papa?
Verschiedene Kinder heben den Arm.
Educadora: „Wer hat nur seine Mama und wer hat nur seinen Papa?“
Andere Kinder zeigen den Finger und mir zerbricht schon das Herz.
Educadora: „Wer hat Geschwister?“
Verschiedene melden sich.
Educadora: „ Gut. Wer hat denn schon seine Geschwister geschlagen?“
Kinder: „ICH!“ „ICH AUCH! Meine Schwester!“
Educadora: „Aha. Und wer hat schon seine Eltern streiten gesehen?“
Kinder: „ICH! Boah, die haben sich so krass gestritten!“
Educadora: „ So, und wer hat schon gesehen, wie der Papa die Mama geschlagen hat?“
Kinder: „ICH!“ „ICH AUCH! Der hat sie so krass geschlagen!“ „ICH AUUUCH! ICH HABE ALLES GESEHEN!“
Das Gespräch ging dann richtig los. Die Kinder sprachen davon, als ob es normal sei, dass der Papa die Mama schlägt. Und erzählt haben sie das mit richtiger „Begeisterung“, und ich saß nur dazwischen und traute meinen Ohren nicht.
Und hiermit komme ich zu meinem Thema: „Die Aggressivität“, später „Der Mangel an Zuneigung/Aufmerksamkeit“. Warum ich darüber schreiben möchte, ist jetzt schon klar:
Dieses Ereignis hat mich sehr betroffen gemacht, so dass ich fast angefangen habe inmitten der Kinder zu weinen. Es tat mir so weh, von diesen unschuldigen kleinen Menschen zu hören, dass sie das regelmäßig erleben und auch zu hören, dass es für sie nicht „anormal“ ist.
Aber dieses Ereignis war nur der Auslöser, warum ich jetzt darüber einen Bericht schreiben möchte (obwohl ich ja gar nicht gerne so etwas schreibe).
Es ist mir auch in nicht so schlimmen Fällen aufgefallen, was bei einigen Kindern zu Hause abläuft. Zum Beispiel erzählen mir die Tias (Betreuerinnen), warum Eltern manchmal die Kinder überhaupt nicht abholen: weil sie zu betrunken sind. Oder man sieht, dass der Rücken eines extrem anstrengenden Kindes voller blauer Flecken ist.

Viele Kinder, die den Kindergarten besuchen, sind sehr aggressiv, schlagen ständig oder schimpfen wie Erwachsene. Natürlich kann es davon kommen, dass sie das zu Hause leider auch so erleben und dann alles nachahmen (was bei Kindern üblich und natürlich auch normal ist).
Aber es gibt meiner Meinung nach auch ein anderes Motiv dafür:
Manche Kinder bekommen überhaupt keine Aufmerksamkeit zu Hause. Woran wir das merken?
Beispiel 1: Ein Kind wird regelmäßig im Apoyo geduscht, weil sein Geruch wirklich unerträglich ist. Warum? Weil der Junge einer von 10 Kindern ist und eins der jüngsten und deshalb beachtet ihn auch keiner und oft ist auch einfach keiner zu Hause.
Beispiel 2: Kinder, die brüllen, damit man sie beachtet. Im Apoyo gab es ein kleines Mädchen, das einfach so unerträglich anstrengend und laut war, dass keiner mit ihm arbeiten wollte. Und ganz ehrlich gesagt, begeistert war ich auch nicht davon, als die Educadora meinte, ich sollte das jetzt machen. Egal, ich habe mich dann zu ihr gesetzt. Ihr Heft: eine Katastrophe, alles schmutzig und zerrissen. Dann fing ich an: „So setz‘ dich jetzt hin, wir machen deine Hausaufgaben.“ Lust hatte sie natürlich keine und tobte nur und schrie. Ich habe sie öfters sehr lieb gebeten, ihren Text jetzt endlich abzuschreiben, aber nein, sie wollte nicht. Motivation gleich Null! Dann wurde ich strenger zu ihr, aber das interessierte sie genauso wenig.
Und dann wurde mir klar, dass es gar nichts bringen würde, die Stimme zu heben, und meinte einfach: „Hör mal, wenn du das jetzt schön abschreibst, dann bin ich so richtig stolz auf dich und dann erzähle ich all meinen Freunden und meiner Familie, dass du das so toll hinbekommen hast.“ Und dann guckte sie mich plötzlich mit großen Augen an und begann alles schön ordentlich abzuschreiben, sie hat sogar den ganzen Text geschrieben, was sonst noch nie der Fall war.
Es klingt kitschig und doch ist es wahr: Es hat mich selbst gewundert. Als sie fertig war, lobte ich sie, dass sie das sehr gut gemacht habe, und sie meinte dann: „Du wirst es dann allen erzählen, ja?“ „Klar, mache ich das.“ Und hier steht es ja jetzt.
Einen Tag später kam ihre Mutter dann vorbei. Als wir zu ihr sagten, ihre Tochter bräuchte ein neues Heft, kam keine Antwort, und als das Kind dann einen Kuss von ihr wollte, drückte die Mutter sie nur weg. Um ihre Aufmerksamkeit doch noch zu kriegen, wurde das Mädchen wieder laut und zeigte ihr dann auch den Text, den es so schön abgeschrieben hatte. Die Reaktion der Mutter, die natürlich gar nicht hingeschaut hatte: „Ja ja, ist ja gut. Ich muss jetzt gehen.“
Ich habe die Enttäuschung in den Augen des Mädchens gesehen und ich war genauso enttäuscht; ich konnte nur die Kleine noch einmal für die gute Arbeit loben.
Die Kinder im Kindergarten, die genauso wild sind, versuchen wir auch anders zu beruhigen, als sie zu schlagen oder zu brüllen; außer dass es eine schlechte Reaktion wäre, hätte es auch gar keinen Erfolg, denn das erleben sie ja sowieso ständig.
Und wenn sie heftig weinen, weil sie bestraft wurden und dann diese ganze Wut hochkommt, dann gehe ich zu ihnen und erkläre ihnen, dass sie sich beruhigen sollen und sich dann entschuldigen sollen usw. Meistens klappt es dann auch.
Da wir ja merken, dass von zu Hause keine Aufmerksamkeit – oder eben die falsche – kommt, kriegen sie sie von uns. Umarmungen und Küsschen gehören schon fast genauso sehr zu unserem Arbeitsplan wie Spielen und Basteln. Ständig liegen Kinder in unseren Armen und sie beruhigen sich sofort, wenn man sie einmal liebevoll drückt.
Diese unschuldigen kleinen Kinder schreien nach Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeit, die sie zu Hause nicht bekommen, weil keiner da ist oder weil keiner sich um sie kümmern kann oder will.
Und das versuchen wir hier zu ändern. Wir versuchen ihnen zu zeigen, dass es einen Ort gibt, wo sie herzlich willkommen sind, wo versucht wird, sie zu verstehen und wo sie die Liebe bekommen, die ihnen zu Hause fehlt.
Unsere Belohnung dafür? Ständige Umarmungen, herzliche Begrüßung jeden Tag, schöne Worte wie „Ich liebe dich, Tia“ , Lachen und Blumen, welche die Kinder bis zu uns nach Hause bringen.

Gibt es etwas Schöneres als das? Meiner Meinung nach nicht. Ich denke, dass wir alle darin einen Teil unserer Kraft und Motivation finden, diese Arbeit jeden Tag zu machen und zwar mit viel „paciencia y cariño“ – mit Geduld und Liebe.

Neues Gesetz zur Kinderarbeit in Bolivien

Der folgende Beitrag wurde uns freundlicherweise vonLogo Kindernothilfe

zur Verfügung gestellt.

Selten hat ein Thema die Community der internationalen Entwicklungs- und Kinderrechtsorganisationen so aufgewühlt und gespalten, wie die Entscheidung des bolivianischen Parlaments, in dem am 3. Juli 2014 in La Paz verabschiedeten neuen Kinder- und Jugendgesetz Kinderarbeit nicht mehr generell zu verbieten. Umstritten ist vor allem, dass der bolivianische Staat unter bestimmten Umständen – und unter zahlreichen Einschränkungen – die Arbeit von Kindern ab dem zehnten Lebensjahr zulässt. Vor allem die internationale Arbeitsorganisation ILO läuft gegen diese – aus ihrer Sicht völlig unakzeptable – Aufweichung der Internationalen Konvention gegen Kinderarbeit – Sturm. Ende Mai, Anfang Juni besuchte eine kleine Delegation der Lateinamerikanischen Bewegung Arbeitender Kinder (MOLACNATs) – unter anderem mit Unterstützung der Kindernothilfe – das Europäische Parlament und die EU-Kommission in Brüssel, um ihre Sicht auf das Gesetz zu erläutern. Sie nahmen darüber hinaus an einem von Kindernothilfe und terre des hommes organisieren Fachhearing der Deutschen Welle, an der Bilanzpressekonferenz 2014 der Kindernothilfe und an Beratungen rund um die diesjährige ILO-Generalversammlung in Genf teil. Im Gespräch mit Jürgen Schübelin, dem Lateinamerika Referatsleiter der Kindernothilfe, erläutern zwei der Jugendlichen ihre Position zu dem kontroversen Thema. Weitere Informationen zum Thema unter www.kindernothilfe.de

Podiumsdiskussion mit zwei Kinderarbeitern aus Bolivien und Paraguay

Lourdes Cruz Sánchez ist 17 Jahre alt. Mit zehn Jahren hat sie als Küchenhilfe begonnen, zu arbeiten. Zwischendrin war sie Zeitungsverkäuferin, Grabsteine-Putzerin auf dem Friedhof von Potosí, heute arbeitet sie als Näherin und studiert Soziale Arbeit. Sie ist Sprecherin der bolivianischen Bewegung arbeitender Kinder (UNATsBO) und war an den Verhandlungen mit Präsident Evo Morales über das neue Kinder- und Jugendschutzgesetz beteiligt.

Juan Pablino Insfran Aldana ist ebenfalls 17 Jahre alt. Er arbeitet als Schuhputzer auf dem zentralen Busbahnhof von Asunción, Paraguay und ist einer der Sprecher der lateinamerikanischen Bewegung der arbeitenden Kinder und Jugendlichen (MOLACNATs). In diesem Jahr wird er seinen Sekundarschul-Abschluss machen und möchte danach Kommunikationstechnik studieren.

Jürgen Schübelin: Warum ist es aus Eurer Sicht überhaupt notwendig, dass Kinder arbeiten dürfen? Wäre es nicht wichtiger, für das Recht aller Kinder, zur Schule gehen zu können, zu kämpfen?

Lourdes Sánchez, Potosí (17): In ganz vielen Fällen können Kinder in Lateinamerika eben nur deshalb zur Schule gehen, weil sie nebenbei, tagsüber oder abends, an den Wochenenden und in den Ferien arbeiten. Nur so bekommen die Familien das Schulgeld, die Mittel für die Schuluniformen und die Unterrichtsmaterialien zusammen. Kinderarbeit, die Mädchen und Jungen daran hindert, am Unterricht teilzunehmen, lehnen wir ganz entschieden ab.

Juan Pablino Insfran, Asunción (17): Aber es ist ganz wichtig, dass sich Schulen und Lehrer besser auf die Bedürfnisse von arbeitenden Kindern einstellen. Wir brauchen Unterrichtszeiten, die es ermöglichen, Schule und Arbeit unter einen Hut zu bringen. Und es ist wichtig, dass in der Schule die Lebensleistung und die Erfahrung von Kindern und Jugendlichen, die arbeiten müssen, wertgeschätzt werden. Da fehlt in Lateinamerika noch ganz viel.

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Lateinamerika April Mai 2005 163Jürgen Schübelin: Was ändert sich konkret durch das vom bolivianischen Staat verabschiedete Gesetz – und was sind die Auswirkungen auf arbeitende Kinder?

Lourdes: Zum allerersten Mal überhaupt übernimmt der Staat Verantwortung gegenüber Kindern, die arbeiten müssen – und zwar nicht einfach, indem er Kinderarbeit verbietet, sondern, indem er klare Bedingungen setzt, Institutionen beauftragt, sich um die Belange der arbeitenden Kinder zu kümmern – und auch klipp und klar sagt, was überhaupt nicht geht, nämlich Kinder auszubeuten – oder für Arbeiten einzusetzen, die ihre Gesundheit, ihre Würde und ihr Recht auf Bildung verletzen. Ich finde zum Beispiel ganz wichtig, dass das Gesetz bestimmt, dass nach 22 Uhr nirgendwo in Bolivien ein Kind oder ein Jugendlicher mehr arbeiten darf. Dass für Mädchen und Jungen ab 14 Jahren der gesetzliche Mindestlohn bezahlt werden muss, ist ebenfalls neu und ein Fortschritt.

Jürgen Schübelin: Halten sich die Arbeitgeber an dieses Gesetz, das ja jetzt seit fast einem Jahr in Kraft ist?

Lourdes: Das müssen wir erst noch sehen. Das Gesetz wurde zwar im Juli letzten Jahres verabschiedet, aber erst seit Kurzem gibt es jetzt auch die Ausführungsbestimmungen. Wir werden vermutlich erst in einigen Jahren sagen können, ob unsere Erwartungen wirklich erfüllt wurden. Worauf es jetzt ganz entscheidend ankommt, ist, dass die Kinder- und Jugendämter bei den Kommunalverwaltungen, die ja bei der Umsetzung des Gesetzes und als Ansprechstellen für arbeitende Kinder eine ganz wichtige Rolle spielen, ganz schnell mit ausreichend Geld ausgestattet werden, um funktionieren zu können und dass dort dann auch Leute sind, die für diese Aufgabe wirklich ausgebildet wurden. Wir alle wissen, dass wir weiter für unsere Rechte kämpfen müssen – und uns nichts geschenkt wird.

Juan Pablino: Uns gefällt, dass in Bolivien der Staat nicht länger die Augen vor der Realität der arbeitenden Kinder und Jugendlichen verschließt, sondern mit diesem Gesetz auch zugibt, dass es wegen der Armut und den extrem ungleichen Chancen auf unserem Kontinent noch viele Jahre dauern wird, bis Kinder nicht mehr zum Familienunterhalt beitragen müssen. Aber das Gesetz erkennt endlich auch die Leistung und den Beitrag der arbeitenden Kinder und Jugendlichen an – und bringt ihnen Wertschätzung entgegen. Das haben wir so zuvor noch nirgendwo erlebt.

Jürgen Schübelin: Es kommt ja immer noch nicht so oft vor, dass – wie in diesem Fall – Regierungsmitglieder, sogar der bolivianische Präsident, direkt mit Kindern und Jugendlichen über den Inhalt eines Gesetzes verhandeln. Hattet Ihr dabei das Gefühl gehabt, in jeder Phase ernst genommen zu werden?

Lourdes: Ehe es überhaupt zu Gesprächen kam, haben wir uns monatelang vergeblich zu Wort gemeldet, sind immer wieder umsonst nach Cochabamba und La Paz gefahren, ohne angehört zu werden. Und wir mussten auf die Straße gehen, Demos organisieren. Dabei ist die Polizei auf uns losgegangen. Das war richtig heftig. Erst ganz zum Schluss konnten wir dann doch noch unsere Argumente vortragen – und erlebten, dass unsere Forderungen aufgegriffen wurden. Wir wollten von Anfang an, dass uns der Staat vor Ausbeutung und gefährlicher Arbeit schützt – aber auch den Rahmen setzt, um durch unsere Arbeit unsere Familien unterstützen zu können.

Jürgen Schübelin: Die internationale Arbeitsorganisation – aber auch eine Reihe von Kinderrechtsexperten – kritisieren, dass durch das bolivianische Kinder- und Jugendgesetz die ILO-Konvention 182 über die „schlimmsten Formen der Kinderarbeit“ aufgeweicht – und einfach ein in die falsche Richtung gehendes, leicht mißzuverstehendes politisches Signal gesetzt würde. Wie begegnet Ihr diesem Einwand?

Juan Pablino: In meiner Heimat, in Paraguay, müssen Kinder, die gezwungen sind, etwas zum Lebensunterhalt ihrer Familien beizutragen, ganz oft an Polizisten Schmiergelder bezahlen, um beispielsweise als Schuhputzer oder Lastenträger auf dem Markt in Ruhe gelassen zu werden. Das war früher auch in Bolivien immer so – und wir kennen derartige Praktiken auch aus anderen lateinamerikanischen Ländern, in denen Kinderarbeit offiziell verboten ist. Hallo – ist das etwa ok? Wir erwarten von der ILO, – das sind ja ganz oft Leute aus Gewerkschaften – dass sie uns erst einmal zuhören und dann mit all ihrer Erfahrung und ihrem Fachwissen mithelfen, um das, was in dem bolivianischen Gesetz an Schutzregeln für Kinder festgelegt wurde, umzusetzen, zu verbessern und nachzuhalten. Und wir brauchen auch in anderen lateinamerikanischen Ländern ein Umdenken bei den politisch Verantwortlichen: Wir wollen Schutz vor Ausbeutung, Unterstützung beim Einfordern unseres Rechts auf Bildung – und Anerkennung für das, was wir leisten.

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(Fotos: Jürgen Schübelin, Kindernothilfe)

zum Jahresende/Jahresanfang …

“Ändere die Welt, sie braucht es!”

(Bertolt Brecht)

1.Advent2

Schon monatelang begleiten uns tagtäglich Bilder und Berichte über die Tragödien von Menschen, die unter unmöglichsten Bedingungen nach Europa flüchten und dabei oft ihr Leben verlieren. Die “Festung” Europa wird gestürmt und dies von Menschen, die vor Krieg, Verfolgung und Armut Schutz suchen.

Die Europäer stellt dieser Exodus vor erhebliche Probleme. Die mangelnde Solidarität vieler Staaten in dieser Frage strapaziert die ohnehin gestörte Eintracht in der EU.

Mit den Problemen der Flüchtlinge und deren vielschichtigen Ursachen hätte die Weltgemeinschaft sich schon viel früher befassen müssen. So wurden jahrzehntelang Diktaturen unterstützt und gefördert, dies alles aus geopolitischen, militärischen und wirtschaftlichen Gründen. Nicht zuletzt wurden riesige Profite mit dem Waffenhandel erzeugt. Dies alles ganz legal.

Die Armutsbekämpfung wurde nie zur obersten Priorität der Weltpolitik gemacht, obwohl Millionen Menschen in elenden Verhältnissen leben oder eher überleben. Der Nährboden des Elends fördert auch die Entwicklung extremistischer Tendenzen, deren Auswüchse unlängst in der französischen Hauptstadt zu den unvorstellbaren Anschlägen geführt haben.

Auf der COP21 in Paris suchen zurzeit Spezialisten vieler Länder nach konkreten Möglichkeiten, um den Klimaveränderungen entgegen zu wirken. Auch diese sind von Menschen verursacht und fordern ihre Opfer. So flüchten viele aus ihren Herkunftsländern, weil die Lebensbedingungen dort immer extremer werden. Denken wir nur an die Sahelzone.

Die Lösung kann langfristig nicht darin bestehen, dass alle Menschen in Not ihre Heimat verlassen und nach Europa oder sonstwohin flüchten.

Die Lösung besteht vielmehr in der Schaffung einer gerechteren Weltordnung, einer Welt in der Menschenrechte respektiert werden, Völker über sich selbst bestimmen und Solidarität praktiziert wird. Ohne das weltweite Engagement der Zivilgesellschaft wird dies nicht zu erreichen sein.

In der Hoffnung auf konkrete Schritte zur Erreichung dieser Ziele, wünsche ich Ihnen, im Namen aller Mitglieder des Verwaltungsrates von “Niños de la Tierra”, erholsame Feiertage und ein glückliches und zufriedenes Jahr 2016.

Claude Schweich
Präsident von Niños de la Tierra

Weihnachtswünsche von CONTEXTO

A mis herman@s de NITIs:
Quiero compartir con ustedes este sentimiento de Navidad que nos une este tiempo y desearles un 2016 lleno de bendiciones para ustedes y sus familias; esperando seguir esta labor de servicio por los que nos necesitan, viendo siempre en ell@s el rostro de nuestro Señor Jesús que nos inspire para forjar un mundo nuevo.
Con gratitud e inmenso cariño,
Teresa Subieta, Directora Nacional de CONTEXTO y Equipo de CONTEXTO

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An unsere Schwestern und Brüdern von Niños de la Tierra

Ich möchte mit Ihnen dieses Weihnachtsgefühl teilen, das uns in dieser Zeit vereinigt und Ihnen ein segenreiches Jahr 2016 für Sie und Ihre Familie wünschen; wir hoffen, den Dienst an denen, die uns brauchen, weiterzuführen, immer in ihnen das Antlitz unseres Herrn Jesus sehend, das uns beflügelt, eine neue Welt zu schmieden.
Mit Dankbarkeit und unermesslicher Liebe,
Teresa Subieta, Direktorin, und das ganze Team von CONTEXTO

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Notre nouveau projet avec ANAWIN

Amélioration de la souveraineté alimentaire
dans les communautés de Chapisirca, 2ème phase (2015 – 2018)

Depuis que Niños de la Tierra asbl. a débuté son travail de coopération en Bolivie (2001), un site principal de nos interventions est la région autour de Cochabamba et un axe stratégique l’agriculture durable et la sécurité alimentaire.

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Dans la région des hauts plateaux de Chapisirca (à plus de 3900 mètres d’altitude), nous avions débuté très tôt avec un projet de santé, puis pédagogique (tous 2 avec la Fundacion Cristo Vive Bolivia), pour nous orienter par la suite vers les besoins ressentis comme les plus nécessaires par les campesinos (le tout résultant d’un important travail de diagnostic de toute la communauté en 2009, par notre ONG partenaire ANAWIN): «L’amélioration de la situation alimentaire par une adaptation des processus de production, d’élevage et des techniques de travail du sol» , ainsi qu’ un «processus d’apprentissage socio-agro-écologique et sanitaire à tous les niveaux des communautés ».

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En effet, si la politique nationale de la Bolivie d’Evo Morales promeut bien un modèle de souveraineté alimentaire, qui implique que le peuple a le droit de décider librement que produire et comment au sein d‘une agriculture familiale, communautaire et organique. En pratique, ce discours n’est pas toujours appliqué. On remarque en effet une absence de programmes pour faire face aux demandes et nécessités des populations rurales vulnérables.

Le premier projet:

Notre premier projet agroalimentaire avec ANAWIN, entre 2011 et 2014, a justement respecté cette démarche. Ce projet, tout à fait dans l’axe stratégique du gouvernement bolivien, a montré en général de très bons résultats, à la fois dans le domaine de l’agro-élevage que dans celui de l’éducation et de la santé/nutrition.

Plus de 200 familles ont diversifié et augmenté leur production, introduit des techniques de conservation des sols, de micro-irrigation, d’emploi d’engrais biologiques, cultivation de parcelles, vergers et potagers familiaux. Dans 7 écoles ont été introduits comme thèmes transversaux, l’environnement et la nutrition saine, le traitement des déchets, le recyclage, l’hygiène etc. Globalement ce 1er projet a permis à 225 familles de 11 communautés d‘améliorer leur état nutritionnel et sanitaire tout en produisant des aliments sains avec même la possibilité de vendre les excédents sur les marchés locaux.

Cependant, tous ces processus engendrés ont besoin de continuité pour garantir leur durabilité. Malgré les avances de la 1ère phase, les populations cibles restent vulnérables et assez marginalisées et leurs terres sont confrontées aux nombreux risques climatiques (sécheresse, désertification, érosion, grêle ou gel).

La première phase a également montré qu’il est essentiel de travailler avec les communautés qui sont vraiment désireuses d’apprendre, qui sont motivées et ont déjà investi pas mal dans le changement de leurs habitudes. Anawin a ainsi choisi de travailler pour cette 2ème phase avec les communautés les plus actives durant la 1ère phase, de même qu‘avec celles montrant une certaine auto-initiative.

potager avec micro-irrigation

potager avec micro-irrigation

élevage de truites

élevage de truites

Quant aux écoles (professeurs et élèves) avec lesquelles on va travailler, on a retenu les 6 établissements les plus engagés de la Centrale régionale de Chapisirca, en y ajoutant 5 établissements nouveaux du «nucleo escolar» voisin de Montecillo Alto. Ceci résulte d’un côté de l’intérêt intense porté au 1er projet par les habitants de Montecillo, qui ont réitéré à plusieurs reprises leur demande de pouvoir participer au versant socio-éducatif du projet. D’un autre côté, le responsable municipal de l’éducation de toute la commune de Tiquipaya (60.000 habitants), dont font partie les communautés du projet, a formulé clairement le désir de sa municipalité de voir ces écoles incluses dans le projet. Il nous avait sollicité personnellement à ce sujet lors de notre visite d’évaluation en novembre 2014.

Le nouveau projet:

Cette deuxième phase du projet «souveraineté alimentaire» a ainsi débuté en juillet 2015, avec l’accord de cofinancement par le Ministère de la Coopération luxembourgeois (MAE).

serre réalisée avec les moyens sur place

serre réalisée avec les moyens sur place

Le projet propose des interventions à deux niveaux :

– un volet d’agro-élevage, dont les points essentiels sont: l’incorporation de techniques de conservation du sol, l’amélioration de la teneur en matière organique du sol, l’augmentation de la surface cultivée avec un système de micro-irrigation, la production de légumes pour l’autoconsommation et la commercialisation, l’élevage de truites avec production d’alevins de truites, l’implémentation de parcelles fourragères et

cours d'écologie et d'hygiène à l'école

cours d’écologie et d’hygiène à l’école

de vergers, l’amélioration des connaissances en santé des animaux….

– un volet socio-éducatif, avec comme actions: la production de légumes biologiques dans les établissements scolaires (jardins scolaires), l’amélioration de la conscience écologique, l’élaboration de pratiques adéquates de préparation, consommation et conservation de légumes à l’école, l’amélioration de la santé et de l’hygiène communautaire, un appui sérieux à la formation des professeurs….

Les bénéficiaires directs de ce programme sont au moins 225 familles de la région, 34 professeurs et 350 élèves de 11 établissements scolaires. Indirectement, plus de 3500 habitants vont profiter des améliorations à moyen terme.

Nous espérons qu’à la fin de cette deuxième phase du projet (et après 6 années d’accompagnement), les bénéficiaires pourront continuer avec les acquis et les activités principales sans intervention externe, en s’appuyant sur le travail intensif qu’ANAWIN aura réalisé. Ils devront aussi garder ou élargir les alliances stratégiques avec les instances publiques (municipales), conduisant en principe à l’appui de ces derniers dans le cadre des politiques de souveraineté alimentaire de l’Etat Bolivien (Plan Nacional de Desarrollo: Bolivia digna,soberana, productiva y democratica para vivir bien). Le projet aura ainsi également fourni un appui au développement d’une démocratie participative à partir de la base.

Le budget global du projet pour les 3 années est de 330.115 €, dont Niños de la Tierra asbl. doit garantir un tiers (cofinancement par le MAE de 2/3).

Jean-Paul Hammerel

(photos: Julie Kipgen)