11 Monate in Tirani

von Julie Kipgen, unserer Kooperantin in Bolivien von Januar bis Dezember 2012

IMG_3706Wie soll ich auf zwei Seiten zusammenfassen, was ich in zwei Tagebüchern, auf 32GB Fotos, in unzähligen Telefon- oder Skypegesprächen, in vielen Emails, auf meinem Blog http://julieencochabamba.wordpress.com/ oder in meinen Erinnerungen festgehalten habe? Das waren meine Möglichkeiten, meinen Bekannten in Europa zu erzählen, was ich während 11 Monaten in Bolivien erlebt habe. Einige von ihnen besuchten mich, und ich denke, dass sie mich nachher besser verstehen konnten. Und trotzdem: Ich habe das Gefühl, es gibt Dinge, die man nur versteht, wenn man selbst ein Jahr lang in einer völlig anderen Kultur gelebt hat.

Ich habe viel erlebt in diesem Jahr. Ich brauchte erstmal einen Monat, um mich an alles Neue zu gewöhnen. Ich bekam so viele Eindrücke, dass ich zuerst alles sehen, anfassen, schmecken, riechen,… wollte. Die Leute sahen anders aus, trugen andere Kleidung, sprachen eine andere Sprache, eine Sprache, die ich noch nicht gut kannte. Die Gebäude waren anders, die Straßen schmutziger, der Verkehr lauter, überall elektrische Kabel, immer musste ich aufpassen, was ich trank oder aß, um nicht krank zu werden. Der öffentliche Transport funktionierte nicht wie in Europa. Manchmal regnete es tagelang, oder es regnete während 6 Monaten überhaupt nicht …  Am Anfang war es schwierig, mich zurechtzufinden. Doch die Leute machten es mir einfach! Sie waren so offen und großzügig, dass ich mich schnell wohl fühlte. Alle waren sehr freundlich mit mir und ich hatte schnell das Gefühl, willkommen zu sein.

Ich wohnte in Tirani, dem Dorf in dem ich auch arbeitete. Tirani liegt 20 Minuten im Taxi (45 Minuten mit dem Bus) vom Zentrum Cochabambas entfernt. In einem Dorf zu wohnen, wo es nur kleine Läden und einen kleinen Sonntagsmarkt gibt, wo es manchmal nur kaltes oder gar kein fließendes Wasser gibt, oder wo die Elektrizität manchmal ausfällt, oder von wo man nicht in die Stadt kommt, weil die Transporte wieder streiken, war eine kleine Herausforderung für mich. Aber ich habe mich schnell daran gewöhnt, und habe es dann sogar genossen: Ich habe mir mehr Zeit zum Lesen und Schreiben genommen, oder es einfach genossen, das Wochenende in Tirani zu verbringen, ohne Stress das Haus zu putzen und meine Wäsche zu waschen.

Unter der Woche arbeitete ich morgens im Kindergarten „Ch’askalla“ und nachmittags in der Hausaufgabenbetreuung im Kulturzentrum „Rijch´ariy“. Ich wohnte mit einer deutschen Freiwilligen und einer jungen bolivianischen Familie zusammen. Dass ich mich in der Wohnung wohlfühlte, hat mir sehr geholfen, mich angekommen zu fühlen. Schnell hatte ich mich eingelebt.

Bei der Arbeit habe ich mich auch schnell wohl gefühlt. Das Personal ist sehr jung und dynamisch. Sie sind alle sehr nett, lachen sehr viel und ich hatte das Gefühl, zu ihnen zu gehören. Als dann Schulbeginn war und die Kinder kamen, habe ich mich noch besser gefühlt. Ich konnte verstehen, was die Kinder sagten und sie verstanden mich! Sie haben mich sofort umarmt und mich bei der Hand genommen. Ich fand es einfach toll, in so einer Atmosphäre zu arbeiten.

Am Anfang hatte ich so meine Schwierigkeiten, die bolivianische Art und Weise zu arbeiten, zu verstehen und nicht zu sehr mit Europa zu vergleichen. Wie sollte ich denn auch damit klarkommen, dass um 14 Uhr eine Versammlung stattfinden soll und um 14:30 Uhr noch niemand da ist und schließlich alles um 16:00 Uhr beginnt, mitsamt den Kindern der Erzieherinnen, die zum Teil noch zwischendurch gestillt wurden. Oder wenn ein Fest geplant wird, und kein Geld vorhanden ist, um Kuchen oder Luftschlangen zu kaufen, und am Tag des Festes alles spontan organisiert werden muss. Dies, um nur einige Beispiele zu nennen.

Nach und nach habe ich mich auch daran gewöhnt, lockerer und spontaner zu werden, nicht alles gleich so eng und streng zu sehen. Da ich ein ehrgeiziger Mensch bin, wurde ich manchmal ungeduldig. Aber, ich musste einsehen, dass die Arbeit auch so irgendwie funktionierte. Trotzdem freute ich mich sehr, als ich den Eindruck hatte, dass meine Bemerkungen und Vorschläge gut ankamen. So habe ich ein paar Monate lang einer Erzieherin im Kindergarten geholfen und im Kulturzentrum habe ich mich um die Ludothek gekümmert. Nach und nach, als mehr Freiwillige da waren, bekam ich spezifischere Aufgaben und konnte eigenständiger arbeiten.

Ab diesem Moment wollte ich dann auch so viel wie möglich kennenlernen. Ich wollte andere Projekte der Fundación und Niños de la Tierra sehen, ich wollte verschiedene Arbeiten kennenlernen und genauer wissen, wie die Leute in Tirani leben, ich wollte mehr über die Kultur erfahren. So habe ich dann zum Beispiel drei weitere Projekte besucht, ich habe die Köchinnen begleitet, ging frühmorgens Obst und Gemüse für den Kindergarten auf den Markt kaufen,

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ich half Kartoffeln ernten und Blumen pflücken (Haupteinkommensquelle der Bewohner aus Tirani), ich war in einer „Tinku-fraternidad“ (Gruppe die einen typischen, traditionellen Tanz aufführt) …

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In diesen 11 Monaten habe ich sehr viel gesehen und gelernt. Durch den engen Kontakt mit den Arbeitskollegen und den Menschen aus dem Dorf habe ich Dinge erlebt und gelernt, die man nicht als Tourist in einer zweiwöchigen Bolivienrundreise sieht. Ich habe die Gastfreundschaft der Bolivianer kennengelernt, ich habe es bewundert, wie viel meine Kolleginnen lachten und sich gegenseitig in den Arm nahmen, wenn man es brauchte oder wie sehr sie sich über Kleinigkeiten freuten, wieviel Energie, Mut und Motivation sie hatten und wieviel Geduld sie den Kindern gegenüber aufbrachten. Ich habe meine Arbeitskolleginnen sehr bewundert!

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Ich habe aber auch gesehen, wie die Kinder leben, wo sie wohnen, was sie essen, wie die Eltern oder auch die Kinder arbeiten, was sie verdienen, wie drogenabhängige Kinder auf der Straße leben. Mir wurde berichtet, dass viele Eltern trinken (ich habe das auch gesehen), wie die Lehrer und Eltern die Kinder schlagen, wie unzureichend das Gesundheitssystem ist. Ich habe erkannt, was Armut heißt. Nicht nur materielle Armut, sondern auch fehlende Bildung und Ausbildung. Viele Erwachsene mussten die Schule sehr früh abbrechen, um die Eltern finanziell zu unterstützen. Sie lernten nie richtig schreiben oder lesen. In vielen Familien herrscht Gewalt. So wissen heute noch viele Eltern nicht, wie man ein Kind richtig erzieht, was ein Kind essen soll, dass man es nicht schlägt, wie man sich wäscht … Sie können ihren Kindern auch nicht bei den Hausaufgaben helfen, weil sie keine Zeit haben oder weil sie es selbst nicht können. Ich habe erfahren, wie sich der Mangel an Bildung auf das Leben der Menschen auswirkt.

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Doch ich habe auch Hoffnung, ich habe gesehen, dass es voran geht. In Tirani können die Eltern ihre Kinder zur Tageskrippe bringen, solange sie arbeiten. Im Kindergarten wie auch im Kulturzentrum bekommen die Kleinen eine gute Betreuung mit viel Raum zum Spielen, Essen, Schlafen und Lernen. Außerdem wird mit den Eltern gearbeitet: Auf Versammlungen lernen sie Verantwortung für ihre Familie und ihre Gemeinde zu übernehmen.

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Die Eltern sind sehr dankbar dafür, dass es diese zwei Zentren in Tirani gibt. Und die jungen Erzieherinnen freuen sich, weil sie über dieses Projekt eine Ausbildung und eine Arbeit bekommen haben. Ich selbst war froh, dass ich ein Jahr lang meinen Anteil als Freiwillige zu diesem Projekt beitragen konnte. Ein solcher Austausch bringt jedem was. Ich kann nur sagen, dass ich sehr schnell gemerkt habe, wie gut wir es in Europa haben und dass wir den Entwicklungsländern helfen können!

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Neues Projekt von Niños de la Tierra a.s.b.l. in Bolivien

Vergrößerung der schulischen Infrastruktur und integrales pädagogisches Konzept

in Villa Clotilde, Gemeinde Sacaba, Bolivien

Der Städteverbund Cochabamba-Sacaba

Seit seinem Amtsantritt in 2005 bemüht sich der bolivianische Präsident Evo Morales, die großen Ungleichheiten, die zwischen den verschiedenen Schichten der bolivianischen Gesellschaft bestehen, abzubauen. Hauptpfeiler dieser Anstrengungen sollen ein neues Grundgesetz sowie  eine grundlegende Bildungsreform sein. 2009 trat die neue Verfassung in Kraft und 2010 wurde schließlich die „Ley Siñani-Pérez „ das Gesetz, das fortan die Bildung der Kinder und Jugendlichen auf nationale Ebene regelt, im Parlament gestimmt.

Die wichtigsten Neuerungen sind:

– Obligatorische Vor-, Grund- und Sekundarschule für alle Kinder,

– Valorisierung der kulturellen Identität der einzelnen Volksgemeinschaften, welche den plurinationalen Staat Bolivien ausmachen, durch mehrsprachigen Unterricht, Einbindung der indigenen Werte und Kenntnisse sowie die aktive Mitarbeit der lokalen Gemeinschaften,

– Vermittlung von praktischen Kenntnissen, die die Jugendlichen zu aktiven Mitgliedern ihrer Gemeinschaften machen und ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhöhen,

– grundlegende Reform der Lehrerausbildung unter Verantwortung des bolivianischen Staates.

Die Umsetzung dieses ambitionierten Projektes wird allerdings durch fehlende bzw. mangelhafte schulische Infrastruktur und chronischen Personalmangel noch eine Zeit lang hinausgezögert werden.

Schüler der Schulgemeinschaft "Villa Clotilde" in Sacaba

Unser neues Projekt versucht hier Abhilfe zu schaffen:

In Villa Clotilde, einer teils ländlichen, teils städtischen Randgemeinde des Städteverbunds Sacaba-Cochabamba ist die Zuwanderung aus den entlegenen Bergregionen besonders hoch. Zusammen mit unserer Partnerorganisation ANAWIN, mit der wir schon 5 Projekte durchgeführt haben, wollen wir hier das Bildungsangebot erweitern und verbessern durch:

– den Bau einer guten Infrastruktur für den gesamten Unterrichtszyklus, Grund- und Sekundarschule bis zum „Bachelerato“, zusammen mit der Gemeinde Sacaba

– die Bildung einer professionellen Mannschaft, welche den  Prozess der pädagogischen Erneuerung vorantreibt, die lokale Gemeinschaft darin integriert sowie die Weiterbildung der Lehrer begleitet

– die Einführung einer zusätzlichen Weiterbildung für die Jugendlichen, um den Änderungen in der bolivianischen Gesellschaft und der globalisierten Welt gewachsen zu sein

– die Schaffung einer Weiterbildung für Erwachsene.

Das vorliegende Projekt möchte keinesfalls den bolivianischen Staat aus seiner Verantwortung entlassen. Die Aufarbeitung der angehäuften Versäumnisse in der bolivianischen  Schulpolitik der letzten Jahrzehnte werden jedoch noch Jahre in Anspruch nehmen. Im Schulzentrum Villa Clotilde sind zurzeit 347 Schüler in der Grundschule (1. Bis 6. Klasse) eingeschrieben. Jedes Jahr müssen viele Kinder aus Platzmangel abgewiesen werden. Gleichzeitig erhöht sich die Einwohnerzahl weiter. Eine Erweiterung der Schule ist also unbedingt erforderlich.

Der Ausbau der Schule begreift 16 Klassenräume, 2 Sanitärblöcke, 2 Küchenblöcke und ein Direktionsblock. Die Gemeinde Sacaba  übernimmt die Finanzierung von 6 Klassensälen und 2 Sanitärblöcken. Außerdem stellt sie das Mobiliar sowie das didaktische Material für sämtliche 16 neuen Klassen. Dieses lobenswerte Engagement seitens der politischen Verantwortlichen zeigt, dass auch sie die Wichtigkeit der Bildung und Ausbildung der kommenden Generationen erkannt haben und unterstreicht das Vertrauen, das unser Partner ANAWIN bei der Planung und Durchführung des Projektes genießt.

Die Ausbildung der bolivianischen Lehrer war bislang eher rudimentär. In dieser Hinsicht werden die neu erstandene pädagogischen Hochschulen sicherlich manche Fortschritte – aber erst in einigen Jahren – bringen. Unser Projekt sieht deshalb eine grundlegende Weiterbildung der aktuellen Lehrer vor, besonders in didaktischer und methodischer Hinsicht. Auch die Umsetzung der Richtlinien der neuen Schulordnung soll den Kindern aus minderbemittelten Familien mehr Chancen bieten und besonders verhindern, dass diese vorzeitig die Schule verlassen. Bisher führten nur knapp 15 % dieser Kinder ihr Studium nach der Grundschule weiter!

Das Gesamtbudget des Projektes beläuft sich auf 241.891,86 Euro wovon der Neubau und die Ausstattung (im Jahr 2012) ungefähr ein Drittel ausmachen. Die restlichen zwei Drittel dienen der Finanzierung des pädagogischen und organisatorischen Teils während den beiden letzten Jahren. Das Projekt wird zu zwei Drittel vom Luxemburger Staat kofinanziert.

Unsere Vertreter Jean-Paul Hammerel und Claude Schweich mit den Verantwortlichen von ANAWIN und der Schulgemeinschaft Sacaba

Das traditionelle Opfer an Pachamama soll den Erfolg des Unternehmens garantieren

Neues Projekt mit neuer Partnerorganisation

in El Alto und Palca (La Paz)

 

Das vorliegende Projekt ist in direkter Umgebung der bolivianischen Hauptstadt La Paz angesiedelt:

–          in Alto Chijini im 12. Distrikt der Stadt El Alto, einer Trabantenstadt um den Flughafen von La Paz mit fast einer Million Einwohnern auf 4100 m Höhe

–          in der Sektion  Pacuani der Landgemeinde Palca , 550 Einwohner, ca. 30 km vom Zentrum von La Paz entfernt auf 4000 m Höhe

Die beiden Zielgebiete unseres neuen Projektes sind  gekennzeichnet durch generelle Armut der Einwohner sowie mangelhafte Infrastruktur.

Die 21.700 Bewohner des Stadtteils Alto Chijini sind in der Regel landflüchtige indigene Aymara oder Quechua. El Alto gehört zu den am schnellsten wachsenden Städten der Welt, etwa 50% der Bevölkerung ist 19 Jahre alt und jünger, nur 18% der Bevölkerung sind älter als 39 Jahre. Gründe dafür sind sowohl die hohe Reproduktionsrate der ansässigen Bevölkerung als auch der unverminderte Zuzug von Landflüchtigen, während die Einwohnerzahl von La Paz, das sich wegen seiner beengten Lage nicht weiter ausdehnen kann, seit Jahren stagniert. In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich die Einwohnerzahl der Stadt mehr als verdoppelt.

El Alto gehört auch zu den ärmsten Städten der Welt: mehr als 70% der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze, 88% der Menschen sind Analphabeten bzw. verfügen nur über geringe Schreib- und Lesefertigkeiten. Immer noch haben die meisten Wohnviertel weder einen Wasser-, Kanal- noch einen Stromanschluss. Fast drei Viertel der Bevölkerung ist in der informellen Wirtschaft tätig. Auf improvisierten Verkaufsständen entlang der Geschäftsstraßen in La Paz bieten die Menschen tagsüber ihre teils eigengefertigten teils zugekauften Produkte an.

Auf den ersten Blick ist Alto Chijini nicht als Armenviertel auszumachen. Die breiten ungepflasterten Straßen verlaufen geradlinig  und im rechten Winkel zueinander. Auch der Ärmste umgibt als erstes sein Grundstück mit einer hohen Mauer aus roten Ziegelsteinen. Von der Straße aus nicht einzusehen, verbergen sich dahinter oft katastrophale Wohnverhältnisse. Anfangs besteht das Wohnhaus aus nur einem einzigen Raum mit rohen Backsteinwänden und Wellblechdach. Je nach Finanzlage der Familie wird dann verschönert und erweitert.

Die lokalen Behörden sind total überfordert. Einerseits können die Infrastrukturarbeiten nicht Schritt halten mit der rasanten Ausdehnung der Stadt und andererseits fehlen auch noch die dazu notwendigen finanziellen Mittel mangels zahlungskräftigen Bürgern. Immerhin gibt es in Alto Chijini 6 Schulen für 2.670 Grundschüler sowie 2 Gesundheitszentren. Hervorzuheben sind aber die 46 „juntas vecinales „ (Nachbarschaftskomitees), welche neben der offiziellen Stadtregierung das öffentliche Leben bestimmen. In einer Art basisdemokratischen Form wird versucht,  auf die Bedürfnisse und Probleme eines Viertels, eines Straßenabschnitts oder Häuserblocks einzugehen.

Die Bewohner der Landgemeinde Palca hingegen sind fast ausschließlich in der Landwirtschaft tätig. Aber die Erträge der mageren Felder auf der kargen, unwirtlichen Hochebene reichen gerade mal für den Eigenbedarf. Gelegentlich bringt ein geringer Überschuss ein winziges Einkommen. In Pacuani müssen 2 Klassenräume für sämtliche Vor- und Grundschüler reichen. Es gibt weder Trink- noch Abwassernetz und auch kein Gesundheitszentrum.

Die Folgen all dieser Missstände sind im Ballungsraum La Paz/El Alto eine überhöhte Sterberate bei werdenden Müttern und Kleinkindern sowie eine miserable Allgemein- und Ausbildung der Kinder und Jugendlichen

Traditionell wurde den Bedürfnissen der Frauen, Kinder und Jugendlichen besonders der ärmsten Schichten seitens des bolivianischen Staates wenig Beachtung geschenkt. Erst seit dem Amtsantritt von Evo Morales ist hier ein deutliches Umdenken zu verzeichnen. Auch erreichen die Ausgaben für Soziales in La Paz und El Alto knappe 20 % des Budgets.

Das vorliegende Projekt versucht hier Abhilfe zu leisten.

Partner vor Ort ist die 1990 gegründete ONG „Contexto La Paz“. Ihr Ziel ist die Förderung und Entwicklung der vernachlässigten Bevölkerungsschichten in Zusammenarbeit mit unabhängigen indigenen Frauenorganisationen  welche sich im Dachverband „Juana Azurduy de Padilla“ zusammengeschlossen haben. Ihre Ausbildungsprogramme begreifen hauptsächlich ein integrales Bildungsprogramm für Mutter und Kind, Sozialprogramme, Programme zur Förderung der Arbeitstechniken und Produktion im handwerklichen Bereich sowie Programme für Basisorganisation, Zusammenarbeit und Einbindung der Frauen und Kinder in das soziale Leben. Contexto besteht aus gut einem Dutzend fest angestellter professioneller Mitarbeiter sowie einer ganze Reihe Freiwilligen in den jeweiligen lokalen Projekten.

Das Projekt ist auf drei Jahre ausgelegt und begreift folgende Teile:

–          Bildungsprogramm für Mütter, Väter und Verantwortliche der Gemeinschaften. Es begreift Ateliers für lokale Entwicklung, für Grundkenntnisse in Gesundheit und Ernährung, für Ausbildung in leadership, für handwerklich- technische Ausbildung

–          Bildungsprogramm für Kinder und Jugendliche: Hausaufgabenhilfe, Lernhilfen, Vermittlung von Grundkenntnissen in Ernährung, Gesundheit und Ökologie

–          Ausbau der Zusammenarbeit mit den staatlichen und lokalen Autoritäten

–          Zusätzliche Ernährung und medizinische Grundversorgung der Kinder und Jugendlichen

–          Bau von 2 Aufnahmezentren: jeweils eines in El Alto und Pacuani. Sie werden mittags für die Kantine, nachmittags für die schulischen Beihilfen und abends für die Bildungsprogramme für Erwachsenen genutzt. Die Unterhalts- und Funktionskosten sind Bestandteil des vorliegenden Projektes. Die entsprechenden Grundstücke sind Eigentum der jeweiligen Gemeinschaften. Die neuen Gebäude verbleiben nach Ablauf des Projektes in ihrem Besitz.

Die Aussichten für den Fortbestand des Projektes nach Ablauf der 3 Jahre sind denkbar gut. Es entstand auf direkte Anfrage der beiden Gemeinschaften bei Contexto. Diese sind von seiner Wichtigkeit und Wirksamkeit überzeugt und werden sich voll und ganz für seine Nachhaltigkeit einsetzen. Seitens der Behörden bestehen ebenfalls gute Aussichten, dass nach drei Jahren nicht alles im Sand verläuft. Es entspricht hervorragend den Vorgaben zur Förderung der indigenen Bevölkerungsschichten der neuen bolivianischen Verfassung sowie des „Nationalen Entwicklungsplans“ von 2006. Auch verliefen erste Kontakte mit lokalen Autoritäten äußerst vielversprechend.

Laufzeit des Projekts: 2011 – 2014

Finanzierung des Projekts:

Anteil MAE  184.724,24 €

Anteil Niños de la Tierra asbl. 92.362,12 €

Gesamtkosten 277.086,36 Euro

Neues Projekt in Chapisirca/Bolivien

Bessere Versorgung mit Lebensmitteln in der Region Chapisirca (Gemeinde Tiquipaya)
2011 – 2013
Partner: ANAWIN Cochabamba
Budget: 241.628,47 € (auf drei Jahre) vom Luxemburger Staat kofinanziert
Im Laufe des Jahres 2009 führte unsere  Partnerorganisation ANAWIN in 18 Gemeinschaften des Hochlandes um Chapisirca eine Bestandsaufnahme ihrer Probleme und Möglichkeiten durch. Dies sind im Besonderen:
– die Notwendigkeit, Ackerbau und Viehzucht auf lange Sicht zu verbessern
– die nachhaltige Bewahrung und Verwaltung der natürlichen Ressourcen
– die Optimierung der Bildungsmaßnahmen insbesondere der Jugendlichen und der Frauen
Das aus diesen Überlegungen hervorgegangene vorliegende Projekt beinhaltet folgende Komponenten:
– Ausbildung der Bauern in lokalen Ackerbau- und Viehzucht-Seminaren
– Erhaltung der Ackerböden, Ausweitung der Produktpalette, genetische Verbesserung in der Kleintierzucht, Einführung der Fischzucht in den Lagunen, Hilfestellung bei der Verarbeitung und Vermarktung der lokalen Produkte
– Zusammenarbeit mit den Schulen der Region (Einführung von theoretischen und praktischen Kursen in Ökologie, Hygiene, gesunde Ernährung)
– Zusammenarbeit mit dem Gesundheitszentrum in Chapisirca (Gesundheits-, Hygiene- und Verhütungskurse in den Gemeinschaften)
– Gründung von Frauen-Treffen
– Überwachung und Instandhaltung des Trinkwassernetzes (Ausbildung von Klempnern, Bildung eines Überwachungskomitees)
– Einbindung der Studenten des letzten Bildungsjahres der Veterinär- und Agrikulturfakultät der Universität Mayor San Simon in die Maßnahmen zum Erhalt der Böden, lokale Ausbildungskurse durch die Studenten und Ihre Professoren.
Dieses Projekt  befolgt die Richtlinien der aktuellen bolivianischen Regierung und wird einen einschneidenden Einfluss auf das Leben der 3500 betroffenen Einwohner des Hochlandes haben.
Gesamtkosten: 241.628,47 Euro auf drei Jahre
Beitrag unserer ONG: 80.542,82 Euro
Beitrag der Luxemburger Regierung: 161.085,65 Euro
Beiträge der lokalen Partner: (außerhalb des oben angeführten Budgets)
– ANAWIN stellt ein 2. Fahrzeug zur Verfügung sowie das Kommunikationsmaterial
– die Gemeinde Tiquipaya beteiligt sich mit diversen Beiträgen in Höhe von 10.307,70 Euro
– die lokalen Gemeinschaften liefern die notwendigen Arbeitskräfte mit einem geschätzten Gegenwert von 49.846,16 Euro insgesamt.