Cunco

Förderung nachhaltiger,
selbst verwalteter Entwicklungsarbeit
in 5 Mapuche Pehuenche Gemeinschaften
der Gemeinde Cunco in der IX. Region, Chile
 
2008 - 2011
Partnerorganisation: FUNDECAM, Temuco
Gesamtkosten: 124.104,00 € zu 2/3 vom Luxemburger Staat kofinanziert

Seit Jahren bemüht unsere ONG sich um die Verbesserung der Lebensbedingungen der Mapuche, eines indigenen Volkes Chiles. Die IX Region, die Araucanía, zeigt mit 26,2% die höchste Armutsrate Chiles auf. Als arm gelten in Chile jene, deren gesamte Einkünfte nur die Grundernährung sichern, als absolut arm jene deren Einkommen nicht einmal für die Ernährung ausreicht. Absolut arm sind in der Araucanía 6,1% der Einwohner.

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In dieser Region gibt es mit 26% die höchste Zahl von Mapuche Einwohnern. Die allermeisten Mapuches leben mehr schlecht als recht von der Landwirtschaft. Seit der „Conquista“ mussten sie beständig Landverluste hinnehmen. Unter der Pinochet Diktatur erreichten diese Enteignungen ihren Höhepunkt. Riesige Flächen Mapuche Land mussten an Großgrundbesitzer und Forstkonzerne abgetreten werden. Die Verarmung der Mapuches ist eng mit dem Landverlust verbunden. Auch die Umweltschäden vergrößern die Armut. Vor allem die riesigen Forstmonokulturen führen zu akutem Wassermangel durch die Absenkung des Grundwasserspiegels und der Vertrocknung von Wasserläufen.

5 Mapuche Gemeinschaften, bestehend aus ungefähr 100 Familien haben unsere Partnerorganisation Fundecam („Fundación de Desarollo Campesino“) gebeten mit ihnen zusammenzuarbeiten um ein Konzept zur nachhaltigen Bekämpfung ihrer Armut  auszuarbeiten. „Niños de la Tierra“ hat sich bereit erklärt das Projekt, das sich über 3 Jahre erstreckt, zu finanzieren.

Die betroffenen Familien sind von Anfang an in das Projekt eingebunden. Das Konzept ist gemeinschaftlich ausgearbeitet worden, es wird gemeinsam verwaltet und durchgeführt. Es ist eng verbunden mit der Mapuche Kultur und dem Respekt der natürlichen Umwelt, der in der indigenen Kosmovision eine wesentliche Rolle spielt. All diese Voraussetzungen sind für uns wichtige Grundlagen nachhaltigen Handelns.

mapuche-1Das Projekt besteht im Wesentlichen aus der Fortbildung der dirigentes (=Gemeinschaftsleiter),  sowie aus einer Analyse und Verbesserung der landwirtschaftlichen Produktion.

Eine gründliche Fortbildung der gewählten Gemeinschaftsleiter, die in der Mapuche Kultur eine wichtige Rolle spielen, ist unentbehrlich um die Interessen der Gemeinschaften in der heutigen Zeit wirksam zu vertreten und ihre Rechte zu verteidigen. Die dirigentes lernen Projekte auszuarbeiten, die sie den regionalen und nationalen Instanzen unterbreiten können. Auch  die Zusammenarbeit der comunidades (=Gemeinschaften) in der Region soll gefördert werden, damit sie größeres Gewicht bei den Verhandlungen mit den Behörden bekommen und in den zuständigen Gremien über die zukünftige  Gestaltung der Region beteiligt werden und mitbestimmen können.
Wichtig ist auch die rechtliche Ausbildung in Umweltfragen um ihr Land vor den negativen Auswirkungen Umwelt schädigender Unternehmen besser zu schützen. Dies betrifft in der Gegend von Cunco besonders die Fischzucht, die unvertretbare Ausmaße annimmt, weil sie äußerst lukrativ ist, die Wasserläufe jedoch massiv verseucht.

Um die Armut zu bekämpfen muss die landwirtschaftliche Produktion in Qualität und Quantität verbessert werden. Dies soll unter Berücksichtigung agroökologischer und traditioneller Gesichtspunkte geschehen und die Nahrungssicherheit gewährleisten. An Ort und Stelle werden den Mapuche Kleinbauern theoretische und praktische Fortbildungskurse angeboten und während der Dauer des Projektes werden sie bei ihrer Arbeit regelmäßig begleitet. Da sie Selbstversorger sind muss eine gesunde, vielseitige und ausreichende Produktion gewährleistet werden. Außerdem kann der erhoffte Überschuss verkauft werden und ein zusätzliches Einkommen schaffen.

Die technische Ausrüstung der Mapuches ist unzureichend und unangepasst. Das Geld fehlt um Geräte zu kaufen und notwendige Verbesserungen vorzunehmen. Deshalb stellt das Projekt den Familien eine gewisse Summe zur Verfügung, ein fondo rotatorio. Von diesem  Betrag werden den Mapuche Familien kleine, teilweise rückzahlbare Darlehen zur Verfügung gestellt.

Es handelt sich um eine besondere Form von Mikrokrediten, die von den Familien nach festgelegten Regeln selbst verwaltet werden. Um einen Kredit zu beantragen, müssen sie der Gemeinschaft einen mit Fundecam erarbeiteten landwirtschaftlichen Plan, sowie einen begründeten Antrag vorlegen so z.B für den Kauf von Saatgut, von landwirtschaftlichen Geräten, den Bau einer Scheune usw. Die Versammlung der Familien studiert die Anfrage und gewährt einen Kredit, der je nach Fall zu 50 bis 80% zurückgezahlt werden muss. Die gemeinschaftliche Verantwortung ist ein wichtiges Element bei der Verwaltung der Darlehen. Auf diese Weise lernen die Familien mit der Unterstützung der Fachleute Fundecams ihr Produktionssystem zu analysieren, Lösungen zu suchen um es zu verbessern, sowie Kredite zu verwalten, die ihnen zugestanden werden.

Das Projekt basiert auf der Methodologie des horizontalen Lernprozesses, der durch die Stärkung der individuellen Fähigkeiten auch die Gemeinschaften stärkt.

ysl

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