Potosi

Von der Philosophie und Arbeitsmethodologie hin zur Befähigung der Frauen

Unsere Partnerorganisation

Die Institution CONTEXTO, gegründet von Teresa Subieta, Samuel Vásquez und Cristian Fresard, ist eine sich an christlichen Prinzipien orientierende NRO in Bolivien, welche versucht, den Prozess der integralen Befreiung der Bevölkerung durch kritische Bewusstseinsbildung zu dynamisieren und zu festigen. Ziel ist es, am Prozess des Wechsels teilzuhaben, hin zu einer gerechten, partizipativen und brüderlichen Gesellschaft.

Um dies zu erreichen, fördert Contexto besonders die soziopolitische Bildung, die Entwicklung der Basisgemeinschaften, die soziale Partizipation und eine technischproduktive Ausbildung, vornehmlich der Frauen. Das Ganze beruht auf einer « befreienden und populären » Bildung (educación liberadora y popular) in den am meisten ausgegrenzten Sektoren, um die strukturellen Gründe der Armut zu ändern.
Da Contexto seit jeher genau die problematische Situation der Frauen in den verschiedenen Interventionszonen kannte, zögerte die NRO nicht im Geringsten, um besonders mit dieser Zielgruppe zu arbeiten, indem man durch schulische, humane und artisanale Bildung das gesamte Umfeld mit einbezog. So wurden die Frauen zu den Hauptzielpersonen dieses « empowerment ». Nach partizipativen Richtlinien wurden so Projekte in den Basisgemeinden gestartet, nach durchdachten und ausgereiften Methoden und Techniken. Jedes mal geht Contexto nach dem selben Schema vor: Situationsstudie, Diagnóstico, Ausarbeiten eines Planes, Ausführung und Evaluation. Das Ganze hat eine aktive, partizipative Grundausrichtung vom Beginn der Intervention an.

Frauen als Zielgruppe des empowerments

Contexto entschloss sich von Anfang an, mit und für die Frauen zu arbeiten, da sie am meisten an den Rand der bolivianischen Gesellschaft gedrängt sind: Sie haben die wenigsten Chancen und besonders im schulischen Bereich sind sie sehr benachteiligt. Dieses mangelnde Wissen wirkt sich dann später negativ aus auf dem Arbeitsmarkt und bei der Erziehung der eigenen Kinder. Analphabetismus, Müttersterblichkeit und Armut betreffen noch sehr viele Frauen in Bolivien, auch wenn in letzter Zeit grosse Fortschritte gemacht wurden. Der bolivianische Staat hat genau in dieser Richtung strategische Ziele angegeben und Contexto liegt somit voll im Soll mit seiner « Empowermentstrategie der Frauen ». Diese beinhaltet vier « Axen » (Fähigkeit zu « haben/besitzen », Fähigkeit zu « wissen/können », Fähigkeit zu « wollen und zu tun » sowie « innere/spirituelle » Fähigkeiten), welche alle durch die strategische Ausrichtung der Contexto-Projekte erarbeitet werden (Weiterbildung in Gesundheit/Hygiene und Ausbildung in technischproduktiven Berufen ; Stärkung der Basisgemeinschaften und der Frauengruppen; soziopolitische und pastorale Fortbildung).

Unser neues Contexto-Projekt in Potosi

Potosi ist sowohl ein Departement (fast 800.000 Einwohner) als auch eine Stadt im Südwesten Boliviens. Diese Stadt ist weltbekannt für ihre Silbervorkommen, welche besonders den Spaniern zugutekamen: Man sagt, dass man mit all dem gewonnenen Silber aus dem «Teufelsberg» Cerro Rico eine Brücke bauen könnte, von Potosi bis Madrid !!

Leider stehen auf der anderen Seite der Medaille hunderttausende tote indigene Einwohner sowie tausende afrikanische Sklaven, welche in den Minen auf 5000 Meter ü/M ihr Leben ließen. In genau dieser Stadt hat Contexto mit Niños de la Tierra Ende 2015 ein neues Projekt begonnen, nach der oben beschriebenen Methodologie und Strategie.

Das Departement Potosi hat in Bolivien die höchste Armutsrate (66,7 %) und hier besteht auch die grösste Diskrepanz des IDH (Index der humanen Entwicklung), welcher sich auf den Zugang zur Gesundheitsversorgung, Erziehung und zu oekonomischen Möglichkeiten bezieht. Das Projekt befindet sich in Alto Potosi (auf fast 4800 Meter ü/M), wo etwa 450 Familien wohnen, mit durchschnittlich 3 bis 5 Kindern. Die meisten Leute sind zugewandert, aus den sehr armen Gegenden nördlich von Potosi. Nachdem Contexto ein Diagnóstico in dieser Zone gemacht hat, um das Projekt zu planen und die Situation zu analysieren, kam heraus, dass 87 % der Leute aus wirtschaftlichen Gründen zugewandert sind. Auf Arbeitssuche haben sie ihre ländlichen Basisgemeinden verlassen, wo sie hauptsächlich ärmliche Bauern waren, mit nicht genug Ertrag zum Eigenbedarf. In diesen ländlichen Gegenden sind die klimatischen Verhältnisse extrem, die Basisgesundheitsversorgung nicht vorhanden, die Schulen total vernachlässigt und die oekonomische Situation katastrophal. In der Vorstadt Alto Potosi sind diese Zuwanderer meist auf Gelegenheitsjobs angewiesen, sind Maurer, Kleinbauern oder im informellen Sektor tätig, wie auch die Frauen, welche oft die Hauptlast am Einkommen tragen. Auch arbeiten diese in anderen Haushalten, zu absoluten Hungerlöhnen. Die schlechte Ernährung der Kinder ist hier an der Tagesordnung. Im Departement Potosi sollen über 40.000 Kinder unter 5 Jahren unterernährt sein.

Aus diesen Gesichtspunkten heraus arbeitet Contexto jetzt in Alto Potosi, wo die integral-humanen Entwicklungsmöglichkeiten sehr gering sind, sowohl für die Frauen, Kinder und Jugendlichen. All diesen Menschen wird das Projekt eine grosse Hilfe sein durch eine integrale Entwicklung im edukativen, schulischen, gesundheitlichen und technischproduktiven Bereich. Nach der bei Contexto bewährten Methodologie werden die Kinder besser ernährt und besser schulisch begleitet, ihre Gesundheit überwacht. Die Frauen erlernen ihre Rechte, werden zu selbständigen Menschen erzogen, können ihre handwerklichen Fähigkeiten erlernen und ausbauen, Frauenorganisationen und Werkstätten gründen, die ganze Basisgemeinde mitreißen beim Einfordern (bei öffentlichen Stellen) verschiedener Grundrechte, gesellschaftspolitisch mitmischen im plurinationalen Staate Bolivien. Außerdem beinhaltet das Projekt eine kleine ökologische Komponente mit dem Anlegen von Gemüsebeeten und Treibhäusern im Stadtgebiet und dem Erlernen biologischdynamischer Techniken.

Contexto sieht also seine Arbeit, in einem globalen Kontext, auf vier Pfeilern ruhend : Gesundheit, Bildung, politischpastorale Ausbildung und Stärkung der Basisgemeinden. Für unsere Partner-NRO ist «die soziale Problematik immer eine multikausale Einheit».

Uebersetzung und Zusammenfassung durch Jean-Paul Hammerel (nach einem Originaltext von Teresa Subieta Serrano, Contexto)
Fotos: CONTEXTO

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