COCHABAMBA 2

B020 Recht auf menschenwürdige Arbeit und Sozialversicherung für benachteiligte Personen in Cochabamba
2019 – 2021
in Zusammenarbeit mit KALLPA-OGB-L SOLIDARITÉ SYNDICALE a.s.b.l.
Budget: 526.539,95 € (auf 3 Jahre) vom Luxemburger Staat kofinanziert
Anteil Niños de la Tierra: 12.000,00 €/Jahr

Die Arbeitslosenquote in Bolivien ist mit rund 4% seit 2014 die niedrigste in Lateinamerika. Es ist jedoch nicht zu übersehen, dass 64,5% der Erwerbstätigen im informellen Sektor arbeiten. Da die soziale Sicherheit mit formeller Arbeit verbunden ist, profitieren nur 37,06% der bolivianischen Bevölkerung davon.
Das Departement Cochabamba hat fast 2 Millionen Einwohner, von denen 70% in der Stadt Cochabamba und ihrer Umgebung leben. Es gibt keine Statistiken über die Erwerbsbevölkerung auf Departementsebene, aber es können ähnliche Prozentsätze geschätzt werden als auf nationaler Ebene.

Die politische Verfassung des Staates (2008) sieht in ihrem “Abschnitt II – Recht auf Gesundheit und soziale Sicherheit” unter anderem vor, dass der Staat:
– das Recht auf Gesundheit schützt, die Lebensqualität und das kollektive Wohlbefinden verbessert sowie der Bevölkerung den freien Zugang zu Gesundheitsdiensten garantiert (Art. 35).
– den Zugang zur universellen sozialen Sicherheit garantiert (Art. 36).
“Abschnitt III – Recht auf Arbeit und Beschäftigung” stellt sicher, dass jeder das Recht hat
– auf menschenwürdige und stabile Arbeit ohne Diskriminierung und mit gerechter und fairer Vergütung oder Löhnen, die eine würdige Existenz für sich und ihre Familienangehörigen gewährleisten (Art. 46).
– sich dem Handel, der Industrie oder einer rechtlichen wirtschaftlichen Tätigkeit zu widmen (Art. 47)
– Tarifverhandlungen und Schutz der Stabilität am Arbeitsplatz durch Verbot ungerechtfertigter Entlassung und Belästigung am Arbeitsplatz (Art. 49)

Ihre Anwendung in der bolivianischen Realität ist viel eingeschränkter: menschenwürdige Arbeit im Sinne des Internationalen Arbeitsamtes gibt es nur im formellen Sektor, also in legalen und registrierten Unternehmen. Um Zugang zu einem solchen Arbeitsplatz zu erhalten, ist in den meisten Fällen eine reguläre Schulausbildung erforderlich, die durch ein Diplom oder sogar einen Universitätsabschluss abgeschlossen wird.
Nach Angaben des Nationalen Instituts für Statistik (INE) arbeiten 64,5% der Bevölkerung im informellen Sektor, daher in kleinen oder eigenen Unternehmen, die nicht registriert sind und daher nicht kontrolliert werden können. Dies setzt diesen Arbeitsmarkt jeder Art von Betrug aus. Armut und Informationsmangel zwingen vor allem schutzbedürftige Menschen (ohne Schulbildung, ohne Diplom, Migranten usw.) in informelle Jobs. Angesichts der schlechten Arbeitsbedingungen in diesem Sektor scheint die Eröffnung eines eigenen kleinen Unternehmens oft die beste Option zu sein.
Ein weiterer wichtiger Aspekt, der den Zugang zu menschenwürdiger Arbeit in allen sozialen Gruppen beeinflusst, ist Machismus und Gewalt, sogar die Diskriminierung von Frauen in der Gesellschaft und bei der Arbeit. Die Mitgliedschaft zur Sozialversicherung ist in Bolivien zwar grundsätzlich obligatorisch, aber mit formeller Arbeit verbunden. Die Arbeitnehmer auf dem informellen Markt entkommen dem. Zwar besteht seit März 2018 eine freiwillige Mitgliedschaft, die jedoch recht kompliziert zu erreichen ist und daher wenig bekannt und verbreitet ist.
Die soziale Sicherheit für Renten-, Alters- und Invaliditätsrisiken steht seit 2010 der gesamten Bevölkerung zur Verfügung. Aufgrund fehlender Informationen greifen jedoch nur sehr wenige Menschen mittels freiwillige Mitgliedschaft darauf zurück.

Um die Merkmale von Menschen, die zu schutzbedürftigen Bevölkerungsgruppen gehören, detailliert darzustellen, können wir eine Stichprobe von 798 Personen verwenden, die in den letzten sieben Jahren direkt vom Projekt „Trabajo Digno“ profitiert haben:

Das Projekt „Trabajo Digno – würdige Arbeit “ kann seit 2011 die Bedürfnisse der Bevölkerung und die Merkmale des sozialen Kontextes von Cochabamba ermitteln. Er konnte auch wichtige Beziehungen zu staatlichen Akteuren und Nichtregierungsorganisationen im Bereich der Unterstützung menschenwürdiger Arbeit aufbauen. Es ist daher gerechtfertigt, dass dieses neue Projekt von den Erfahrungen früherer Projekte mit dem Ziel profitiert, den Zugang zu menschenwürdiger Arbeit und sozialer Sicherheit im Departement Cochabamba zu verbessern.

Das vorliegende neue Projekt wird vom Team der Fundación KALLPA in Cochabamba durchgeführt. Es ist das Ergebnis des Projekts „Unterstützung für würdige Arbeit“. Dieses Projekt unterstützt seit 2011 sozial benachteiligte Menschen in der Abteilung von Cochabamba. Das bestehende Team wird durch Spezialisten verstärkt, die für die Dauer des Projekts eingestellt werden.

Um seine Ziele zu erreichen, basiert das neue Projekt auf drei Säulen:
1. Regierungs- und Nichtregierungsinstitutionen
2. Die breite Öffentlichkeit des Departements Cochabamba
3. Gefährdete Personen

1. Förderung der öffentlichen Politik zugunsten des Zugangs schutzbedürftiger Menschen zu menschenwürdiger Arbeit und sozialer Sicherheit.
Die Beamten und Mitarbeiter öffentlicher Einrichtungen und Nichtregierungsorganisationen werden von einem Team von Spezialisten (Sozialarbeiter, Psychologe, Anwalt, Ökonom, Sozialversicherungsspezialist) sensibilisiert und begleitet bei der Ermittlung von Lücken in der Gesetzgebung und ihrer aktuellen Anwendung, der Entwicklung von Reaktionsstrategien und der Unterstützung ihrer Umsetzung.

2. Die breite Öffentlichkeit in Cochabamba erwirbt ausreichend Wissen, um menschenwürdige Arbeit zu finden und zu behalten, Zugang zu sozialer Sicherheit zu erhalten und ihre Arbeitssituation zu bewältigen und dies auf folgende Art und Weise:
Die Teammitglieder entwickeln Flugblätter und anderes gedrucktes Informationsmaterial zu menschenwürdiger Arbeit und sozialer Sicherheit. Sie nehmen an Messen und öffentlichen Aktivitäten teil und verteilen Flugblätter und Informationsmaterial. Sie entwickeln und produzieren Ton- und Videoclips, die einerseits von einem lokalen Radiosender und andererseits in den sozialen Medien ausgestrahlt werden. Darüber hinaus organisieren und schulen sie Mitarbeiter öffentlicher Einrichtungen und Nichtregierungsorganisationen, um einen Multiplikatoreffekt sicherzustellen.

3. Gefährdete Menschen in Cochabamba werden auf geeignete Weise geschult, um menschenwürdige Arbeit zu finden und zu behalten und Zugang zu Sozialversicherung zu bekommen.
Diese Personen, die keinen Zugang zu einem Multiplikator haben, greifen über persönliche Kontakte oder über soziale Netzwerke auf das Projekt zu. Sie erhalten Schulungen, die an ihre Fähigkeiten und Bedürfnisse angepasst sind (Workshops, angemessene Dokumentation usw.). Bei Bedarf wird zusätzlicher spezialisierter und persönlicher Support angeboten.

Da es auf der Ebene des Departements Cochabamba keine Institution oder Organisation gibt, die den Zugang der Bevölkerung im Allgemeinen und insbesondere der schutzbedürftigen Bevölkerung zu menschenwürdiger Arbeit und sozialer Sicherheit besonders fördern, hat die NGO “OGBL – Solidarité Syndicale” sich mit Unterstützung des Luxemburger Ministeriums für Kooperation und der NGO “Niños de la Tierra” zum Ziel gesetzt, der Fundación KALLPA die für die Durchführung dieses Projekts erforderlichen finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen.

Der finanzielle Beitrag der drei Akteure verteilt sich wie folgt:
Anteil des Kooperationsministeriums: 421.231,96 €
Anteil NGO OGBL Solidarité Syndicale: 69.307,99 €
Anteil NGO Niños de la Tierra: 36.000,00 €
Gesamt: 526.539,95 €