Aug 152009
 

PERU, nach Bolivien und Chile, seit Januar 2009 drittes Zielland von NINOS DE LA TIERRA asbl., hat zurzeit ausgezeichnete Wirtschaftsdaten aufzuweisen. Doch der Großteil der Bevölkerung kommt nicht in den Genuss der hohen Gewinne ausländischer Förderer von Gold, Silber oder Kupfer in den peruanischen Minen. Das Geld landet bei einer reichen Minderheit und im Ausland.
Fast die Hälfte der Bevölkerung des von Alan Garcia regierten Andenlandes ist bitterarm. Betroffen sind vor allem die Quechua-Indianer, Ureinwohner Perus. Viele von ihnen leben im Regenwald des Amazonas. Für sie ist der Wald heilig. Für internationale Konzerne aber ist dieses Gebiet nur eine Holzreserve oder bloß grünes Dickicht, welches die Förderung von Öl oder Gas erschwert. Jahrhundertelang setzten sich die Einheimischen kaum zur Wehr, wenn die Holzfirmen anrückten, um rücksichtslos den Regenwald auszubeuten.

Doch die Zeiten haben sich geändert. Peru ist in Aufruhr seit den blutigen Zusammenstößen zwischen Regierung und Indigenen, die mindestens 30 Tote forderten. Als die staatlichen Einsatztruppen am 5. Juni 2009 eine Straßenblockade in der Nähe der Stadt Bagua gewaltsam beenden wollten, an der sich bis zu 5000 Menschen beteiligten, wurden die Demonstranten zunächst von Hubschraubern aus beschossen, bevor die schwerbewaffneten Polizisten am Boden vorrückten und ebenfalls Schußwaffen einsetzten. Bei den sich daraus entwickelnden Auseinandersetzungen starben auch mehrere Beamten. Ungewöhnlich ist ebenfalls, dass die Indigenas bei ihrem Protest auch von der mestizischen Bevölkerung der Regenwaldregion unterstützt werden. Die Einheimischen sind selbstbewusster geworden. Es scheint so, als ob Evo Morales, Aymara-Indianer und seit Januar 2006 Präsident des Nachbarlandes Bolivien, den Indigenen Perus Mut gemacht hat, sich für ihre Rechte einzusetzen.

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Gekämpft wird vorwiegend gewaltlos, mit Gesetzbüchern, Petitionen und Klagen. Die Frauen stehen dabei oft an vorderster Front. Die Ombudsstelle für die Verteidigung des Volkes wird von Beatriz Moreno geleitet. Ihr Einsatz, eine Verfassungsbeschwerde gegen zwei Gesetzesdekrete, die zur Umsetzung des Freihandelsvertrages mit den USA verabschiedet worden waren, hatte Erfolg. Am 15. Juni 2009 kündigte Premierminister Yehude Munaro deren Aufhebung an. Alberto Pizango aber, der Anführer der Protestbewegung, wurde von der Regierung gejagt wie ein Terrorist und musste sich im Ausland in Sicherheit bringen.

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Die indigene Bewegung Lateinamerikas wird immer sichtbarer. Die Welt fängt an zu begreifen, dass es sich nicht um unzivilisierte, gewalttätige und manipulierte Gruppen handelt, sondern um organisierte Völker, die ihre Lebensweise beibehalten wollen, d.h. ihr “gutes Leben”, ihre Autoritäten, ihre Kultur, ihre Prinzipien und ihre Jahrhunderte alte Praxis der Gleichheit, Gegenseitigkeit und Komplementarität. Das bedeutet nicht, in die Vergangenheit zurückzuwollen, sondern die Harmonie zwischen den Menschen, den Völkern und der Natur zu retten, die durch den Druck der westlichen Zivilisation in Frage gestellt ist.

M.S.

Unsere Projektpartnerin Ana Maria Galeano (FCVP) aus Cusco (Peru) zu den Ereignissen vom 5. Juni 2009:
“Wir durchleben eine Zeit großen Schmerzes, des Leids und der Empörung wegen der Ereignisse in unserem Amazonien … Lunge und Quelle des Lebens auch für unsere Menschheit, die wir beschützen und bewahren müssen. Wir müssen die Kultur und die Lebensformen derer respektieren, die heute für das reichhaltige Leben, das dort existiert, kämpfen … Menschen mit den selben Bedürfnissen wie jeder von uns”.

Weitere Analysen und Berichte zum Thema (Auswahl):

http://www.regenwald.org/pressemitteilungen.php?id=92

http://www.welt.de/die-welt/article3882167/Revolte-der-Ureinwohner-in-Peru.html

http://www.glaubeaktuell.net/portal/nachrichten/nachricht.php?IDD=1244904136

http://www.taz.de/1/politik/amerika/artikel/1/perus-dschungel-bleibt-dicht/

 Posted by at 21:01
Jun 072009
 

«SONQO WASI»: Aufnahmezentrum, Ausbildungszentrum und Zentrum für integrale Entwicklung von Frauen, die Opfer häuslicher Gewalt wurden


Januar 2009 bis Dezember 2011

Budget: 253.594,07 €


Gewalt, insbesondere häusliche Gewalt, denen Frauen fast täglich ausgesetzt sind, ist in der Region Cuzco ein schwerwiegendes soziales Problem. Die Fälle von physischer, psychologischer oder sexueller Misshandlung sowie von Vernachlässigung häufen sich.

Am meisten betroffen sind indigenen Frauen, vor allem Arbeitssuchende vom Land mit niedriger Schulbildung. Sie arbeiten oft als Hausangestellte, sind schlecht bezahlt und befinden sich in totaler Abhängigkeit von ihren Arbeitgebern, ein Umstand, der leicht zu Missbrauch, Diskriminierung und Gewalt führt.

Hinzu kommt, dass die Kinder, die in der Familie Gewalt an ihrer Mutter bzw. an sich selbst erfahren haben, im Erwachsenenalter oft selbst zu Gewaltanwendung neigen und so den Teufelskreis der häuslichen Gewalt weiterführen. Aber auch bei den Kindern selbst sind die Spuren sichtbar: gestörte affektive Beziehungen, unangepasstes soziales Verhalten, schlechte Leistungen in der Schule, um nur einige zu nennen.

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 Posted by at 09:42