Zwei Schicksale unter vielen …

Tonie Schweich hat während ihres Freiwilligendienstes 2014-2015 einige der Frauen aus der „Casita“, dem Frauenhaus in Cusco, über ihr Lebensschickal befragt. Sie hat die Berichte aufgeschrieben und ins Deutsche übersetzt.

Karina, eine 26-jährige Mutter, aus dem Bezirk von Cacapacmarca, eine Provinz von Chumbivilcas, Cusco hat zwei Söhne: Tony 6 Jahre alt und Kevin, 4 Jahre.
Sie erzählt ihre Lebensgeschichte:

Als ich ein kleines Mädchen war, hat mein Vater uns verlassen, wir haben viel mit unserer Mutter gelitten, es gab Tage an denen wir nichts zu essen hatten, doch in unserer Armut brachte sie uns alle durch.

Als ich 13 Jahre alt war, auf dem Nachhauseweg der Schule, ein Fußweg von drei Stunden, folgte mir ein Mann. Obwohl er Vater zweier Töchter war, missbrauchte und schwängerte er mich.

Damit niemand den Wachstum meines Bauchs bemerken würde, hab‘ ich mir einen Hüfthalter umgestrickt und bin weiterhin zur Schule gegangen. Nach 9 Monaten war dann die Geburt, das Baby wurde tot geboren, meine Eltern wussten nichts, meine Mutter hat sich fürchterlich über mich geärgert und wollte sich das Leben nehmen. Ich ging weiter zur Schule und meine Noten wurden schlechter, fiel durch 4 Kurse, traumatisiert wiederholte ich das Schuljahr.

Als ich 16 war, haben meine Eltern sich versöhnt und zogen wieder zusammen.

Mit 19 Jahren verliebte ich mich und zog mit meinem Partner zusammen; er ist der Vater meiner beiden Söhne. Das erste Jahr lebten wir glücklich zusammen, aber danach fing er an mich zu schlagen und schmiss mich aus seinem Haus, er beschimpfte mich wegen dem, was mir mit 13 Jahren widerfahren war, nannte mich eine Prostituierte, eine x-beliebige; seine Familie misshandelte mich und so lebten wir mit Problemen weiter, er schwängerte mich und nach 9 Monaten der Schwangerschaft bekam ich schwere Prügel.

Zwei Tage später wurde mein erster Sohn geboren, er roch unangenehm und sie schmissen mich aus dem Krankenhaus, ich war dem Tode nah. Später hat mein Lebenspartner mich in ein Haus gebracht, wo es weder Licht, Wasser noch ein Bad gab, er hatte keine Arbeit und wir mussten hungern.

Als mein Sohn ein Jahr alt war, ging mein Mann zum VRAE in die Drogen- und Terrorismus Zone, um zu arbeiten. Er ließ mir 100 Soles monatlich zum Leben. Ich musste meine Mutter anrufen und um finanzielle Unterstützung bitten.

Einmal war ich in der Küche, als seine Familienmitglieder eintraten und mich zusammenschlugen. Ich floh dann mit meinen Kindern an einen anderen Ort und ich zeigte meinen Mann wegen Gewalttätigkeit an. Er aber drohte mir, mich umzubringen, wenn ich nicht zu ihm zurückkehren würde, also folgte ich dem. Aber es war noch immer alles beim Alten, er schlug mich immer öfter. Ich fing an zu arbeiten und er schlug mich noch härter und das jetzt täglich und im Beisein meiner Söhne.

Der Jüngste, Kevin, holte eines Tages einen Stock und wollte seinen Vater schlagen. Der jedoch verpasste ihm eine Ohrfeige, dass er in die Zimmerecke flog.

Bei meiner Arbeit habe ich eine Freundin kennengelernt. Ich begleitete sie, um einen kostenlosen Anwalt zu suchen und so sind wir bei der Fundación Cristo Vive gelandet. Ich habe die Situation genutzt und mich mit der Anwältin unterhalten. Ich habe ihr alles erzählt und als sie mich fragte, ob ich ins Frauenhaus möchte, bejahte ich und sie begleitete mich nach Hause, meine Sachen packen und meine zwei Söhne abholen.

In der „Casita“, dem Frauenhaus, angekommen, fühlte ich mich anfangs unwohl.

Heute will ich nicht mehr zu meinem Lebenspartner zurückkehren und hab ihm bereits mitgeteilt, dass ich nichts weiter mit ihm zu tun haben will. In Beisein eines Mitarbeiters der Fundación konnte ich ihm die Stirn bieten. Hätte ich früher gewusst, dass es dieses Frauenhaus gibt, hätte ich mir nicht soviel Schläge gefallen lassen. Ich sagte mir: „Wenn er mich rausschmeißt, wo geh‘ ich hin, mit meinen Söhnen“ und hielt weiter durch, bis er mich fast umbrachte. Er hat mir Veilchen verpasst, dass ich mich schämte, weiter durch die Straßen zu laufen. Trotzdem ging ich weiterhin meiner Arbeit nach…

Karina

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