Neues Projekt mit KAIROS :

Sozio-laborale Integration von Obdachlosen in Renca

Seit nunmehr über 20 Jahre kennen und unterstützen wir die chilenische NGO KAIROS, welche nach der Diktatur aus der Fundación MISSIO-Chile entstanden ist. Etliche Projekte konnten so zum Wohle der Minderbemittelten besonders der Randgemeinden Renca und Peñalolen (Großraum Santiago de Chile) durchgeführt werden. KAIROS war uns immer sehr ans Herz gewachsen wegen seiner Nähe zu den Bedürftigsten Chiles und wegen seiner basisdemokratischen und verantwortungsvoll-konsequenten Vorgehensweise.

Leider konnten wir in den letzten Jahren keine vom Luxemburger Staat kofinanzierten Projekte mehr mit KAIROS durchführen, da Chile als « Tigerstaat » Lateinamerikas nicht mehr alle Kriterien zu einer Kofinanzierung durchs Entwicklungshilfeministerium erfüllt.

Unsere Freunde haben sich durch diesen Umstand ebenso wenig entmutigen lassen wie durch die Tatsache, dass auch aus Deutschland wesentlich weniger Unterstützung kam. Die (früher von uns teilweise kofinanzierten) Kindergärten liefen weiter (mit chilenischer Finanzierung) und auch andere gesellschaftspolitische und ökologische Maßnahmen konnten in Renca aufrechterhalten werden. Dies bedingte aber eine stetige Bewerbung bei vom Staate ausgeschriebenen Projekten, welche in der Regel nur 1-2 Jahre dauern. So funktioniert inzwischen das neoliberale System im Tigerstaat Chile auch auf dem sozialen und entwicklungspolitischen Felde: Alles wird dem Markt unterworfen, für alles gibt es Konkurrenzdenken und nichts ist auf Dauer garantiert. Jeder ist sich mehr oder minder selbst überlassen und so gehen natürlich die Schwächsten im System (gewollt?) unter. Natürlich ist das nicht im Sinne von KAIROS (oder in unserem Sinne), aber mit den momentan regierenden (konservativ-neoliberalen) Parteien um Präsident Piñera wurde alles noch schlimmer.

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Seit 2006 gab es in Santiago ein (noch von der Regierung Bachelet eingeleitetes) Pilotprojekt des chilenischen Entwicklungsministeriums zusammen mit FOSIS ( Fondo Solidario de Inversion Social). Dieses beinhaltete ein Auffangprojekt für die « Leute der Straße » (« personas en situacion de calle »), also die Obdachlosen, welche es zu Tausenden in Santiago gibt. Private und öffentliche Organisationen waren aufgerufen mitzumachen, jeder auf seine (in einem Projekt zu präsentierende) Art. So hat auch KAIROS seitdem sich hier aktiv beteiligt und sehr gute Arbeit und Erfahrungen gemacht. 2010-2011 hat sich daraus sogar eine Initiative zur Arbeitsbeschaffung der Obdachlosen entwickelt, wo die Mitarbeiter von KAIROS mit bis zu 100 Leuten aktiv soziolaborale Integrationsarbeit leisteten. Auch wurden während der Wintermonate (Juni bis August) Übernachtungsmöglichkeiten geschaffen, wo die Obdachlosen auch Essen, Kleidung, Wärme und medizinische Hilfe bekommen konnten. So wurden den Leuten elementare Menschenrechte und Würde zuteil.

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Nun ist es aber so, dass unter der Regierung Piñera so einiges im sozialen Bereich im Argen liegt, ob gewollt oder verursacht durch ein heilloses Chaos in verschiedenen Ministerien. Dadurch sind einige soziale Programme im Moment ohne jegliche finanzielle Unterstützung. Unter diesen Umstand fällt auch das bis jetzt so verheißungsvolle Obdachlosenprogramm. Die Zahlungen an die NGOs für das Jahr 2012 lassen auf sich warten und für 2013 gibt es noch gar kein Budget, geschweige denn Antworten auf die Anfragen der NGOs, welche all die Jahre im Programm engagiert waren. Dies ist umso schlimmer, als der Winter in Chile immer die meisten Opfer unter den Obdachlosen fordert und die NGOs mit leeren Händen Anfang Juni dastanden. Indes vergibt die Regierung vor allem Großaufträge an ihr (gesellschaftspolitisch) nahestehende Firmen und Gesellschaften und setzt so sogar den sozialen Frieden im Lande kurz vor den Wahlen aufs Spiel.

Um die sehr gute Arbeit von KAIROS im Obdachlosenprogramm (und ihre guten Kontakte im Milieu) nicht gänzlich verpuffen zu lassen und überdies unsere Solidarität mit unserem Partner zu unterstreichen, hat Niños de la Tierra beschlossen, finanziell einzuspringen, um auch diesen Winter eine KAIROS-präsenz auf den Straßen Rencas zu garantieren.

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Das so ermöglichte « Miniprojekt » erstreckt sich über die 3 Wintermonate in Renca und betrifft 40 Obdachlose, welche schon KAIROS bekannt sind und gute Integrationschancen haben. Diese Leute werden sozial begleitet, psychologisch betreut, in Kursen geschult und besonders menschlich dahingehend gefestigt, dass eine Arbeitsfindung reelle Chancen hat. Durch die guten Kontakte von KAIROS mit Behörden, sozialen Netzwerken und sozial engagierten Firmen kann man hier mit 80% Erfolgsaussichten rechnen. Die Mannschaft welche das Projekt betreut, besteht aus 4 Leuten (3 Sozialarbeiter und 1 Psychologin), wovon 2 ständig auf der Straße aktiv sind (jeweils für 20 Leute zuständig), die 2 anderen eher «interne Aufgaben» erfüllen (individuelle psychologische Betreuung, konkrete individuelle Hilfe: Hygiene, Curriculum, Identitätspapiere, Adiktologie, Einschreibungen/Bewerbungen), diverse Kurse, Koordination des Programms). Auf diese Weise werden wenigsten 40 «Leute der Straße», welche sich schon 2012 durch Mitarbeit und Interesse an einer Lösung ihrer persönlichen Probleme hervortaten, nicht ihrer Chance beraubt, etwas dauerhaft-positiv in ihrem Leben zu verändern.

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Dieses « Winterprojekt » mit KAIROS finanziert Niños de la Tierra mit 11.500 Euro. Wie gesagt, kann dies nicht vom Luxemburger Staat kofinanziert werden, ist uns aber jeden Euro wert, da dieses Projekt einerseits den Finger in eine offene (gesellschaftspolitische) Wunde Chiles legt und andererseits die Arbeitsweise und entwicklungspolitische Grundeinstellung von KAIROS aufs positivste bestätigt.

Jean-Paul Hammerel

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