zum Jahresende/Jahresanfang …

“Ändere die Welt, sie braucht es!”

(Bertolt Brecht)

1.Advent2

Schon monatelang begleiten uns tagtäglich Bilder und Berichte über die Tragödien von Menschen, die unter unmöglichsten Bedingungen nach Europa flüchten und dabei oft ihr Leben verlieren. Die “Festung” Europa wird gestürmt und dies von Menschen, die vor Krieg, Verfolgung und Armut Schutz suchen.

Die Europäer stellt dieser Exodus vor erhebliche Probleme. Die mangelnde Solidarität vieler Staaten in dieser Frage strapaziert die ohnehin gestörte Eintracht in der EU.

Mit den Problemen der Flüchtlinge und deren vielschichtigen Ursachen hätte die Weltgemeinschaft sich schon viel früher befassen müssen. So wurden jahrzehntelang Diktaturen unterstützt und gefördert, dies alles aus geopolitischen, militärischen und wirtschaftlichen Gründen. Nicht zuletzt wurden riesige Profite mit dem Waffenhandel erzeugt. Dies alles ganz legal.

Die Armutsbekämpfung wurde nie zur obersten Priorität der Weltpolitik gemacht, obwohl Millionen Menschen in elenden Verhältnissen leben oder eher überleben. Der Nährboden des Elends fördert auch die Entwicklung extremistischer Tendenzen, deren Auswüchse unlängst in der französischen Hauptstadt zu den unvorstellbaren Anschlägen geführt haben.

Auf der COP21 in Paris suchen zurzeit Spezialisten vieler Länder nach konkreten Möglichkeiten, um den Klimaveränderungen entgegen zu wirken. Auch diese sind von Menschen verursacht und fordern ihre Opfer. So flüchten viele aus ihren Herkunftsländern, weil die Lebensbedingungen dort immer extremer werden. Denken wir nur an die Sahelzone.

Die Lösung kann langfristig nicht darin bestehen, dass alle Menschen in Not ihre Heimat verlassen und nach Europa oder sonstwohin flüchten.

Die Lösung besteht vielmehr in der Schaffung einer gerechteren Weltordnung, einer Welt in der Menschenrechte respektiert werden, Völker über sich selbst bestimmen und Solidarität praktiziert wird. Ohne das weltweite Engagement der Zivilgesellschaft wird dies nicht zu erreichen sein.

In der Hoffnung auf konkrete Schritte zur Erreichung dieser Ziele, wünsche ich Ihnen, im Namen aller Mitglieder des Verwaltungsrates von “Niños de la Tierra”, erholsame Feiertage und ein glückliches und zufriedenes Jahr 2016.

Claude Schweich
Präsident von Niños de la Tierra

«SONQO WASI II»

Psychologische, juristische, medizinische und soziale Hilfe für Frauen und Kinder, die Opfer häuslicher Gewalt wurden

2013 – 2016

Partnerorganisation: FUNDACIÓN CRISTO VIVE Perú, Cusco
Budget: 319.484,05 € co-finanziert durch die Luxemburger Regierung

Das Projekt «SONQO WASI (1)» 2009–2012 der Fundación Cristo Vive Perú diente dem Bau und der Einrichtung des Zentrums für integrale Entwicklung von Frauen, die Opfer häuslicher Gewalt wurden in Cusco, Peru.

Das «Sonqo Wasi» möchte den misshandelten Frauen nicht nur eine kompetente und professionelle Hilfestellung anbieten sondern darüber hinaus ein Ort voller menschlicher Wärme, Zuwendung und Verständnis sein, in dem die Frauen zusammen mit ihren Kindern ihre traumatischen Erlebnisse aufarbeiten können. Die Frauen und auch die Kinder erhalten während dieser Zeit psychologische Betreuung, damit sie ihre verlorene Selbstachtung wiedergewinnen und so ihr Leben wieder selbst in die Hand nehmen können. Um den Frauen den Start in einen neuen Lebensabschnitt zu erleichtern, können sie während ihres Aufenthaltes im Frauenhaus an verschiedenen Ausbildungskursen teilnehmen, um somit ihre Chancen auf eine Arbeit und auf finanzielle Unabhängigkeit zu erhöhen.

Frauenhaus
Das vorliegende Folgeprojekt «SONQO WASI (2)» 2013 – 2016 ist als Konsolidierungs- und Ausbauprojekt konzipiert.
Familiäre und sexuelle Gewalt sind in der peruanischen Kultur (leider) noch immer stark verwurzelt. Den Männern wird stillschweigend ein quasi natürliches Recht auf Dominanz zugesprochen und Gewaltanwendung gegen Frauen und Kinder gehören sozusagen zur Privatsphäre. Diese Meinung ist sowohl im städtischen wie im ländlichen Raum weit verbreitet. Kein Wunder also, dass viele Frauen ihre Aggressoren aus Angst vor sozialer Ausgrenzung nicht anzeigen.
Glücklicherweise ist die Problematik auf Grund der Arbeit sozialer Vereinigungen, insbesondere der Frauenorganisationen, in der öffentlichen Meinung angekommen und wird auch von den Behörden ernst genommen. So stieg die Zahl der staatlichen „Centres de Emergenzia de la Mujer“ zwischen 2004 und 20011 von 38 auf 128. Auch sieht der „Plan zur Bekämpfung der Gewalt gegen Frauen 2009 – 2015“ die Schaffung vieler zusätzlicher Anlaufstellen für Gewaltopfer vor, nur hinkt seine Verwirklichung den Vorgaben stark hinterher. So gibt es im ganzen Departement Cusco neben dem „Sonqo Wasi“ nur ein einziges funktionsfähiges Frauenzentrum. Negativ ist des Weiteren der erhöhte staatliche Bürokratismus. Besonders viele wenig gebildete Frauen vom Land lassen sich davon abschrecken.

Mütter
Die Fundación Cristo Vive Perú möchte vor allem den misshandelten Frauen und ihren Kindern eine menschliche, unbürokratische Anlaufstelle sein sowie eine möglichst integrale Betreuung anbieten. Dabei sollen psychologische, juristische, soziale, medizinische, kulturelle und erzieherische Aspekte berücksichtigt werden. Dazu kommt noch die Arbeit mit den Tätern: Zweimal pro Monat treffen sie sich zur Gruppentherapie. Daneben wird noch auf Wunsch Einzel- oder Paartherapie angeboten.
Eine ambulante Betreuung bietet sich an in den Fällen, wo die Misshandelten eine Möglichkeit sehen, ihre Situation und ihre Problematik selbst in die Hand zu nehmen und im Kreis der Familie zu lösen. Ihnen stehen eine Sozialarbeiterin, eine Psychologin und eine Anwältin zur Verfügung.
Sind die Frauen und ihre Kinder aber einer akuten ernsten Gefahr für ihre Gesundheit oder sogar für ihr Leben ausgesetzt und genießen sie außerdem keine Unterstützung durch ihre Familie, so ist eine Aufnahme im „Sonqo Wasi“ unumgänglich. Hier ist ihnen bis zu 4 Monaten – in Ausnahmefällen bis zu 6 Monaten – Zeit zur Aufarbeitung Ihrer traumatischen Erfahrungen und Gelegenheit für einen Neuanfang gegeben.
Während ihres Aufenthalts sind die Frauen für das gute Funktionieren des Zentrums verantwortlich. Unterstützt werden sie dabei vom Personal des «Sonqo Wasi» sowie von freiwilligen Helfern, vor allem aus Deutschland aber zurzeit auch aus Luxemburg. In der Tat: Tonie Schweich hat sich im Rahmen des Freiwilligenprogramms von Niños de la Tierra und dem Service National de la Jeunesse zu einem Jahr Freiwilligendienst in Cusco verpflichtet. Ihr Blog www.tonieenperu.weebly.com vermittelt mit vielen Fotos und kommentierendem Text in Luxemburger Sprache einen guten Einblick in das tägliche Leben im Zentrum.
Nach erledigter Hausarbeit erhalten die Frauen aber auch Gelegenheit, ihre sprachlichen, schriftlichen und rechnerischen Fähigkeiten zu verbessern. Auch Alphabetisierungskurse werden angeboten. Für die Kinder gibt es Nachhilfe- und Aufgabenunterricht sowie Frühförderung für die ganz Kleinen. Daneben gibt es Therapie- und Freizeitateliers wie Tanz, Theater, Malerei usw.

Kinder Frauenhaus
Ganz wichtig für die Zukunft der Frauen ist die Aussicht auf ein Leben in finanzieller Unabhängigkeit von ihren früheren Partnern. Während 6 Tagen pro Woche werden ihnen eine Reihe handwerklicher Ateliers angeboten wie Kochen, Backen, Kunsthandwerk, Kleider nähen usw. Ein hauseigner Garten gibt Gelegenheit zum biologischen Anbau von Gemüse, Gewürz- und Heilkräutern. Eine professionelle Backstube sorgt für den Eigenbedarf an Brot und Gebäck; daneben werden noch zwei Drittel der Produktion verkauft und helfen so dem Zentrum, sich teilweise selbst zu finanzieren und den Frauen ein kleines Einkommen zu garantieren.
Eine große Hilfe bei der sozialen Reintegration ist die Selbsthilfegruppe «Sonqo Wasi-Warmikuna» in welcher frühere Bewohnerinnen des «Sonqo Wasi» auf freiwilliger Basis ihren Schicksalsgenossinnen beim Beginn eines neuen Lebensabschnitts helfend und beratend zur Seite stehen. Im Laufe der Jahre ist auf diese Weise ein Netzwerk entstanden, das den Frauen beim Eintritt in die Selbständigkeit die Gewissheit vermittelt, nicht auf sich allein gestellt zu sein.
Schlussendlich möchte die Fundación Cristo Vive Perú einen nachhaltigen Beitrag in Sachen Prävention und Mentalitätswechsel leisten. In Zusammenarbeit mit staatlichen oder gemeinnützigen Institutionen wie z.B. der Polizei oder Frauenorganisationen aus den Stadtvierteln in der Umgebung des Frauenzentrums werden Vorträge und Ateliers über familiäre Gewalt angeboten ebenso Kurse über Verhütung von Sexualmissbrauch und AIDS für Schüler, Lehrer und Eltern in verschiedenen Schulen.

Prävention
Das Gesamtbudget dieses Projektes liegt bei 319.484 Euro wobei die Personal- sowie die Unterhaltskosten den größten Teil bilden. Das Projekt wird zu zwei Drittel vom Luxemburger Staat cofinanziert.

marcel kohn

Unser Folgeprogramm Tirani (2)

„BUEN VIVIR en la COMUNIDAD DE TIRANI“

Gut leben in der Gemeinde Tirani

Schon im Titel ist die Zielsetzung dieses neuen Projektes formuliert: Gut leben, ein Recht das eigentlich jedem zustehen sollte. Das Konzept des «Buen Vivir» wurde 2009 in die bolivianische Verfassung aufgenommen und Niños de la Tierra wollte sich dieser nationalen Zielsetzung in Tirani, einer kleinen Randgemeinde von Cochabamba, anschließen. «Buen vivir en la comunidad de Tirani» ist das 5-jährige Folgeprojekt (2014-2018) von Ch’askalla (Sternchen, 2010 – 2013), der Errichtung eines Kindergartens mit Ausbildung von Erzieherinnen und einer intensiven Elternarbeit. Mit diesem Kindergarten hat Niños de la Tierra sozusagen die Ausgangsbasis der Entwicklungsarbeit in Tirani gelegt. Vor Ort ist die Fundación Cristo Vive Bolivia, unter der Präsidentschaft von Schwester Karoline, ein tatkräftiger und verlässlicher Partner.

Bild1Die diagnostische Forschung und die praktische Arbeit mit der Gemeinde ab 2007 haben es erlaubt, die schwerwiegenden Probleme der Gemeinde genauer zu verstehen. Diese sind bei den Menschen über 25 Jahren (Elterngeneration) bereits tief verwurzelt und beeinflussen sehr stark die Möglichkeiten der Kinder und Jugendlichen, ihre Potenziale zu entwickeln und Chancen für ihr Leben wahrnehmen zu können.

Im Rahmen des Kindergarten Ch´askalla konnte erreicht werden, dass insgesamt 100 Mädchen und Jungen zwischen 7 Monaten und 5 Jahren nun mehr Aufmerksamkeit, Frühförderung, Erziehung und Schulvorbereitung, angemessene Ernährung und die Beobachtung ihres körperlichen und psychologischen Wohlergehens genießen. Die erhobenen Daten zeigen relevante Auswirkungen in der Nivellierung von Unterernährung und Entwicklungsverzögerungen, die anfangs diagnostiziert wurden.

Die Rückmeldungen der Lehrer der örtlichen Grundschule über die Kinder, die aus dem Kindergarten Ch´askalla in die Vorschule wechseln, sind inzwischen durchweg positiv. Sie bestätigen, dass diese Kinder sehr viel selbständiger sind als ihre Altersgenossen.
Mit Unterstützung staatlicher Gesundheitszentren konnte der Ernährungs- und Gesundheitsstatus vieler Kinder verbessert werden: Kontrollen des Ernährungsstatus, Ernährungszusätze, Parasitenbehandlungen und Impfungen. In Hinblick auf die Hygiene wird von den Erzieherinnen und Freiwilligen darauf hingearbeitet, dass die Kinder die Gewohnheit entwickeln, sich die Zähne zu putzen, die Hände vor dem Essen zu waschen, sich die Nase zu putzen, Müll im Abfalleimer zu entsorgen und bei Sauberkeit und Ordnung aktiv mitzuwirken. Häufig fehlt in den Familien jedoch die notwendige Unterstützung, um diese Gewohnheiten zuhause weiterzuführen.
Insbesondere durch die soziale Kontrolle der am Kindergarten teilnehmenden Eltern untereinander konnte ein positiver Effekt in rund 40% der Familien im Hinblick auf elterliches Verantwortungsbewusstsein und die Problematik des Alkoholismus erreicht werden. Es konnte auch das Bewusstsein für ein Familienleben geweckt werden, in dem die Verantwortung für die Kindererziehung von beiden Partnern gemeinsam übernommen wird. So überwanden z.B. einige Väter ihren machistischen Stolz und begannen, die Kinder selber zum Kindergarten zu bringen oder sie abzuholen. Es lässt sich auch eine aktivere Teilnahme einiger Väter an Elternabenden und Workshops beobachten. Dennoch ist der Weg noch weit.

10 BDie Familienplanung, die sexuelle und reproduktive Gesundheit, die als Paar wahrgenommen werden sollte, wird noch nicht als eine Form des sich gegenseitig Behütens verstanden, sondern als ein Recht der Männer, über die Zahl der Kinder und den Moment und die Umstände der Zeugung zu entscheiden. Viele Frauen akzeptieren den Wunsch ihrer Partner, acht oder mehr Kinder zu haben, weil sie Angst haben, verlassen zu werden. Dabei sind sie sich wohl bewusst, dass sie ihren Kindern keine angemessenen Lebensbedingungen werden bieten können und nehmen die Risiken in Kauf, denen sie durch die häufigen Geburten und die fehlende gynäkologische Betreuung ausgesetzt sind.

Wegen ihres niedrigen Bildungsniveaus haben viele Erwachsene wenig Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Gleichzeitig haben sie kaum Möglichkeiten, Strategien zu entwickeln, die es ihnen erlauben, die ihnen zur Verfügung stehenden natürlichen Ressourcen optimal zu nutzen: Ackerland und Bewässerung sowie das Netzwerk der Gemeinde.

Auf der Grundlage der Erfahrungen aller Beteiligten in der ersten Projektphase sind wir zu der Schlussfolgerung gekommen, dass eine noch stärkere Einbindung der Eltern und der Gemeinde notwendig sind, um die erwünschten Veränderungen in Tirani erreichen zu können.

Die Vorschläge für das neue Projekt sind in einem partizipativen Prozess entstanden. Besonders die Weiterentwicklung des Kindergartens wurde mit dem Team der Erzieher und den Eltern geplant. Viele Familien bekunden ihr Interesse an der Gründung einer Elternschule. Auch sind sie an Aktivitäten interessiert, welche ihnen ein regelmäßiges Einkommen auf der Basis von typischen Produkten der Zone ermöglichen z.B. Optimierung des Blumenanbaus.

Bild2Ziel des Projektes ist es, die Lebensqualität der Gemeinde Tirani zu verbessern, indem Chancen durch Gesundheitsförderung und Weiterbildung der Familien geschaffen werden.

Schwerpunkte der Arbeit sind:

1. Frühförderung der Kinder:
Vorrangig gilt es, die Qualität und menschliche Wärme der Arbeit im Kindergarten Ch´askalla beizubehalten und weiter zu verstärken, das Team zu festigen und zu erweitern, eine finanzielle Nachhaltigkeit der Arbeit auf lange Sicht zu erreichen und die Wirkungen des Vorhabens auf die Qualität der Erziehung in der örtlichen Vorschule auszudehnen.

2. Lebenslanges Lernen:
Dieser Arbeitsbereich will Mütter und Väter intensiver einbeziehen, um Veränderungen in der ganzen Gemeinde zu erzielen. Es soll Orientierung und Weiterbildung angeboten werden, die auf spezifische Interessen und Problematiken der Familien in Tirani eingehen z.B. Alphabetisierung, Suchtüberwindung, Rechte auf dem Arbeitsmarkt, Orientierung und Fortbildung sowie Initiativen, um das Einkommen der Familien zu verbessern.

3. Familien- und Gemeindegesundheit:
Die dritte Säule des Projekts sieht vor, das Potenzial der „Posta medica“, des Gesundheitszentrums von Tirani zu verbessern. Dies liegt seit ihrem Bau durch die Gemeindeverwaltung ziemlich brach. Hier soll eine nahe gelegene und den Bedürfnissen angepasste Gesundheitsversorgung erzielt werden, insbesondere Gesundheitsförderung, Prävention und Familienplanung.

Unser vorheriges Projekt war hauptsächlich auf das Wohlergehen der Kinder ausgerichtet. Die Familien, die Mütter und Väter waren nur indirekte Zielgruppen. Durch die Kinderbetreuung wurde den Frauen eine Erwerbsarbeit ermöglicht, wodurch die ganze Familie ihren Lebensstandard verbessern konnte. In Zukunft werden die Familien direkte Zielgruppe sein, insbesondere durch die Aktivierung der Gesundheitsstation, der Bildungsprozesse in der „Elternschule“ und durch die Förderung Einkommen schaffender Initiativen.

Bild3Das Projekt wird überwiegend von Menschen vorangebracht, die aus der Gemeinde Tirani stammen und dort verwurzelt sind, was die soziale Stabilität des Projektes sehr positiv beeinflusst. Die ausdauernde, zuverlässige Arbeit mit den Kindern und ihren Familien hat zu einem großen Vertrauensgewinn geführt, der sich unter anderem in der hohen Nachfrage nach Kindergartenplätzen widerspiegelt sowie in der zunehmenden Beteiligung von Müttern und Vätern an gemeinsamen Aktivitäten. Auch dies ist eine gute Voraus-setzung dafür, dass das Projekt langfristig tragfähig ist.

Das Projekt „BUEN VIVIR en la COMUNIDAD TIRANI“ zielt darauf ab, für eine neue Generation von heranwachsenden Kindern den Kreislauf der Vererbung von Armut zu unterbrechen. Dadurch werden auch für die nächsten Generationen veränderte Ausgangsbedingungen geschaffen.

Marco Hoffmann

RECHT auf NAHRUNG

Die Hoffnung hat zwei schöne Töchter:
Die Wut darüber, wie die Dinge sind
und den Mut, sie zu verändern.

Augustinus

 

Der World Food Report der UNO zeigt auf, dass die Weltlandwirtschaft heute die Möglichkeit hat, 12 Milliarden Menschen zu ernähren, das heißt quasi das Doppelte der aktuellen Weltbevölkerung. Dennoch sterben jährlich 10 Millionen Menschen an Hunger und eine Milliarde Menschen sind lebenslang chronisch unterernährt.

In der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ist das Recht auf Nahrung verankert. Müsste also das Recht auf Nahrung für jeden nicht zur obersten Priorität der Weltpolitik erklärt werden?

Hunger und Armut, die zusammengehören, haben viele Ursachen: eine ungerechte Weltordnung, Kriege, extreme klimatische und geographische Bedingungen, mangelndes Know-how, Wassermangel, schlechte Verwaltung, die komplette Liste ist lang. An oberster Stelle aller Ursachen steht jedoch die Profitgier und die Unfähigkeit oder Weigerung der Staaten, Spekulation und Profite einzuschränken sowie Korruption zu bekämpfen. Global steht genug Nahrung zur Verfügung, ihre Verteilung ist jedoch das Problem.

Experten zufolge, wie dem Schweizer Soziologen Jean Ziegler, werden 85% aller gehandelten Nahrungsmittel von 10 multinationalen Konzernen kontrolliert. Es handelt sich vor allem um die Grundnahrungsmittel Reis, Mais und Weizen. Diese Konzerne verfolgen keine noblen Gemeinwohlziele, deren Ziel ist allein die Profitmaximierung. Ihre Macht und ihr Einfluss sind enorm und ihre Interessen stehen, so Jean Ziegler, “über dem Recht auf Nahrung”.

In den letzten Jahren haben sich die Aktivitäten der Großbanken auf die Rohstoffbörsen konzentriert, vor allem auf die Agrarprodukte. Dabei wurden in voller “Legalität” riesige Profite gemacht. Die Spekulation auf Grundnahrungsmitteln ist ein Skandal, da für die Ärmsten der Welt die Verteuerung dieser Nahrungsmittel eine Katastrophe ist. Laut Weltbank leben global 1,2 Milliarden Menschen am Existenzminimum, mit weniger als einem Dollar pro Tag! Wie können diese Menschen überleben, wenn die Lebensmittelpreise unbezahlbar werden?

Seit ein paar Jahren werden für die Herstellung von Agrar-Treibstoff gewaltige Flächen mit Mais und Getreide angebaut um Biomethanol und Biodiesel herzustellen. 2011 wurden laut Jean Ziegler in den USA 138 Millionen Tonnen Nahrungsmittel zu diesem Zweck verbrannt. Tendenz steigend. Dies ist unerträglich, angesichts der hungernden Menschheit. Auch wenn die Absicht, das Klima zu schützen und sich unabhängiger von fossilen Brennstoffen zu machen, an sich verständlich ist. Der Kampf gegen Hunger und Armut müsste parallel und mit oberster Priorität geführt werden.

Ein weiterer “moderner” Mechanismus, der die Hungerproblematik verstärkt, anstatt sie zu bekämpfen ist das “landgrabbing” von dem vor allem überschuldete afrikanische Länder betroffen sind. Diese Staaten verfügen als reine Agrarstaaten mit wenig Infrastruktur und Know-how in der Landwirtschaft über sehr niedrige Einkünfte. Geld fehlt für wichtige Investitionen, für Bewässerung, Ausbildung und neue Agrartechnik, die notwendig wären, um die Produktivität der kleinbäuerlichen Betriebe zu verbessern. Diese Staaten geraten immer mehr in die Schuldenfalle. Die hohe Verschuldung bewirkt, dass ihnen neue Subventionen anderer Staaten verwehrt bleiben. Öffentliche Finanzinstitute, unter anderem die Weltbank, lassen ihnen fast keine andere Möglichkeit als ausländischen Investoren Land zu überschreiben, um ihre Schulden abzubauen. Diese verfügen über das notwendige Kapital, um Nahrungsmittel für den Export zu produzieren und zu vermarkten. Das trägt jedoch nicht zur Verbesserung der Versorgung der einheimischen Bevölkerung bei.

Welthungerindex 2012

Lässt diese verhängnisvolle Entwicklung sich noch bremsen? Angesichts der relativen Untätigkeit der politisch Verantwortlichen, sowie des Desinteresses vieler Menschen in den “entwickelten” Ländern, könnte man daran zweifeln.

Was sind unsere individuellen Handlungsmöglichkeiten, wie können wir hier und jetzt verantwortlich handeln, um Hunger und Armut zu bekämpfen?
Je mehr Leute gemeinsam ein Ziel verfolgen, desto wirksamer können sie handeln. Es gilt Druck auf politische Parteien auszuüben und Bewegungen zu unterstützen, die durch eine Mobilisierung der Zivilgesellschaft entstanden sind.

Viele Menschen fangen an, ihre Kaufgewohnheiten zu verändern, ein wichtiges Druckmittel auf die Produzenten und Händler. Sie legen Wert auf fair gehandelte Produkte, die durch faire Preise die Existenz vieler Kleinbauern sichern. Sie kaufen regional erzeugtes und saisonales Obst und Gemüse und achten auf den Schutz der natürlichen Ressourcen. Viele reduzieren ihren Fleischkonsum, nicht nur um gegen Massentierhaltung zu protestieren, sondern wegen der negativen Auswirkungen der Fleischproduktion. Ein Viertel der Weltgetreideernte wird in die Massentierhaltung investiert. Dieses Getreide könnte viel mehr Menschen ernähren, als das Fleisch, das damit erzeugt wird.

Es wäre im Sinne der Kleinbauern in Entwicklungsländern, wenn die Verbraucher den Kauf gentechnisch manipulierter Nahrungsmittel verweigern würden. Der Anbau dieser Nahrungsmittel führt in jenen Ländern zu einer finanziellen Abhängigkeit der Bauern von den Saatgutproduzenten, vor allem von einem weltweit agierenden Großkonzern. Die betroffenen Saaten führen zwar zu höheren Ernten, bringen jedoch keine eigenen Saaten hervor. Diese müssen mehrmals im Jahr gekauft werden, gleichzeitig mit teuren Düngemitteln. Dieser Teufelskreis hat schon viele Bauern in den Ruin getrieben.

Viele Organisationen leisten wichtige Arbeit im Kampf gegen Armut. Sie brauchen finanzielle Unterstützung zur Verwirklichung ihrer Projekte im Bereich Entwicklungszusammenarbeit.

Je mehr Menschen sich für einen nachhaltigen Lebensstil entscheiden und sich der sozialen und ökologischen Nebeneffekte ihrer Kaufgewohnheiten bewusst werden und auf diese Weise Verantwortung übernehmen, desto größer wird der Impakt auf den Handel mit Konsumgütern, insbesondere mit Nahrungsmitteln sein.

Die Entscheidungsträger von heute sind gefordert, die post-2015 Entwicklungsagenda ernst zu nehmen, um die Ziele der nachhaltigen Bekämpfung der Armut und des Schutzes der natürlichen Umwelt zu erreichen.
Yvette Schweich-Lux

Journée Mondiale du Refus de la Misère 2010 à Luxembourg

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«Là où des hommes sont condamnés à vivre dans la misère, les droits de l’homme sont violés. S’unir pour les faire respecter est un devoir sacré.» Joseph Wresinski, fondateur du Mouvement Quart-Monde.

La Journée mondiale du refus de la misère aura lieu le samedi, 16 octobre 2010 sur la Place d’Armes et au CarréRotondes à Luxembourg-Ville. 17 associations dont Niños de la Tierra s’unissent pour réclamer plus de justice sociale et la reconnaissance de la dignité humaine. Vous êtes cordialement invité(e) à vous joindre à ce mouvement contre la pauvreté.
Horaire des manifestations:
11.00-16.00 heures à la Place d’Armes: stands d’informations, animations;
15.00 heures: témoignages de personnes, surtout de jeunes gens, vivant en situation de pauvreté.
16.00 heures: Marche de la Solidarité de la Place d’Armes au Carré Rotondes (1, rue de l’Aciérie à Luxembourg-Hollerich). De nombreuses personnes, venant d’horizons et de milieux différents, marcheront ensemble côte à côte à travers la ville. Soyez des nôtres et manifestons ensemble notre volonté commune de faire progresser la solidarité, les droits des exclus et des plus pauvres, au sein de notre société et du monde!
17.00 Concert contre la Pauvreté au CarréRotondes. Camille Kerger dirigera une chorale composée de chanteuses et chanteurs volontaires et de personnes en détresse. Seront interprétés des extraits des concerts des années précédentes et de nouveaux textes mis en musique par différents compositeurs du pays et de la Grande Région. Certains de ces textes ont été élaborés lors d’ateliers d’écriture avec l’écrivain luxembourgeois Nico Helminger.
La manifestation du 16 octobre, coordinée par Norry Schneider* (Caritas ) , se terminera vers 18.00 heures par un Pot de l’Amitié.
A consulter : www.bandeaublanc.lu
*norry.schneider@caritas.lu

JOURNEE MONDIALE DU REFUS DE LA MISÈRE 2010 À LUXEMBOURG
Unissons nos Voix contre la Pauvreté en chantant!
Joignez la chorale de volontaires pour le Concert contre la Pauvreté du 16 octobre 2010 au CarréRotondes.
Le Weekend de Répétitions aura lieu cette année samedi, 2 octobre (14.00-19.00 heures) et dimanche, 3 octobre (10.00-18.00 heures) au Centre Sociétaire à Luxembourg-Gare, rue de Strasbourg.
Aucune connaissance n’est nécessaire pour participer au projet.