Rundbrief 1-2019 Förderverein CREARTE e.V

Wir fördern Kunst, Kultur und Entwicklungszusammenarbeit

 

Im Dezember 2019

Liebe Vereinsmitglieder, EPA-Freiwillige und FörderInnen,


“…sonst wird sich hier nie was ändern.“

So lautet der Titel meiner Diplomarbeit zum Thema „Zur Alltagswirklichkeit von Jugendlichen in der neuen Demokratie in Chile“ aus dem Jahr 1992. Darin komme ich zu der Schlussfolgerung, dass „nur Gesellschaften, in denen die Herrschaft der Eliten auf (…) glaubwürdigen Zukunftsversprechen gründet, darauf vertrau- en können, dass die nachwachsenden Generationen sich in die bestehenden Strukturen einfügen.“ (Liebel. In: Rebellierende Jugend, Blätter des iz3W, Freiburg, 1990:22).

Massenproteste und massive Menschenrechtsverletzungen in Chile

Nach fast 30 Jahren defizitärer Sozialpolitik, dem Ausverkauf der chilenischen Rohstoffe und der Privatisierung aller wichtigen Lebensbereiche zugunsten der Bereicherung einiger weniger Privilegierter hat eine Erhöhung der U-Bahnfahrpreise das Fass zum Überlaufen gebracht. Ausgelöst von Schülerprotestaktionen in Form von kollektivem Schwarzfahren demonstrieren seit dem 18. Oktober tagtäglich hunderttausende von Menschen im ganzen Land. Sie fordern eine Verbesserung ihrer Lebensbedingungen und die Abkehr vom neoliberalen Wirtschaftssystem sowie eine verfassungsgebende Versammlung und den Rücktritt des Präsidenten. Auf den Druck der Protestbewegung hin hat die Mehrheit der Abgeordneten einen so genannten „Friedenspakt“ beschlossen, der darauf abzielt, im April 2020 über das Prozedere zu einer neuen Verfassung abstimmen zu lassen. Dafür wird allerdings eine 2/3 Mehrheit benötigt, wodurch in der Vergangenheit schon die meisten Reformvorhaben blockiert worden sind. Dagegen haben sich über 120 Organisationen der Zivilgesellschaft, die in einer sogenannten „Mesa de Unidad Social“ (Tisch des sozialen Zusammenhaltes) organisiert sind, ausgesprochen. Sie fordern einen partizipativen Prozess und haben zum Generalstreik aufgerufen.

Der Rückhalt des Präsidenten Sebastian Piñera in der Bevölkerung beträgt laut Umfragen nur noch 4,5 Prozent. Gemäß einem aktuellen Bericht von Human Rights Watch ist die Polizei und das Militär seit Beginn der Proteste brutal vorgegangen. Durch den exzessiven Einsatz von Gewalt, giftigen Reizgasen, den Gebrauch von scharfer Munition und Schusswaffen bei den Demonstrationen sind seitdem über 11.000 Menschen mit Verletzungen behandelt worden, davon 230 mit schweren Augenverletzungen. Es gibt 442 Anzeigen wegen Folterung, sexuellem Missbrauch, Verschleppung und Mord. Man geht von bislang 23 Toten aus. Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass eine tiefgreifende Reform der Polizei überfällig ist. Gleichzeitig kündigte der Präsident eine Ausweitung der Befugnisse des Militärs an. Eine Gruppe von Abgeordneten der Opposition hat eine Verfassungsklage gegen ihn eingereicht, doch die Regierung weist jegliche Verantwortung von sich. Der Konflikt scheint sich weiter zuzuspitzen.

Die aktuelle Situation im Projekt

Die Escuela Popular de Artes setzt sich seit über zwanzig Jahren für die Verbesserung der Lebensbedingungen der benachteiligten Kinder und Jugendlichen und ihrer Familien in den Armenvierteln in Viña del Mar und ihre Teilhabe am kulturellen Leben ein. Wir zeigen, dass die jungen Menschen sich sehr wohl mit Kreativität und sozialem Engagement in die Gesellschaft integrieren wollen.

Obwohl wir in diesem Jahr ohne eine Finanzierung durch die chilenische Regierung auskommen mussten, haben wir im Januar 2019 unser Jubiläum mit zwei großartigen Veranstaltungen gefeiert, bei der alle Solisten und Gruppen – u.a. die Tanzformation Pacha Perú aus Lima sowie diverse Lehrer- und Schülerbands – ohne Gage aufgetreten sind. Viele ehemalige SchülerInnen sowie befreundete Organisationen waren anwesend. Wir hatten Besuch von einer Delegation des „Coro Can- to“ aus Köln, mit denen Eduardo und ich im Oktober 2018 den „Canto General“ von Theodorakis aufgeführt hatten. Aus dem Erlös der beiden Konzerte erhielt die EPA eine Spende von 5.000 Euros.

Erstmals hatten die Kinder aus der Landbesetzung Manuel Bustos, die aus dem von Salut Salon im Jahr 2018 finanzierten offenen Stadtteilprogramm hervorgegangen sind, als Kinderstreichorchester einen Auftritt in der Schule. In 2019 spendete Salut Salon 23.125 Euros für die laufende Arbeit der Schule. Mit vereinten Kräften haben wir es in diesem Jahr geschafft, das Musikschulprogramm allein aus Spenden, Patenschaften und – zu einem geringen Anteil – den Beiträgen der Familien zu finanzieren.
Wir freuen uns, dass zwei weitere ehemalige Schüler der EPA seit diesem Jahr als engagierte Lehrer im Projekt tätig sind. Javier Valenzuela, der mit sechs Jahren in die EPA kam und heute ausgebildeter Konzertpianist ist, ist einigen unseres Unterstützerkreises vom Hauskonzert im November 2017 in Birken-Honigsessen bekannt. Er hat die Leitung des Orquesta Latina´s übernommen und wird im neuen Jahr die musikpädagogische Arbeit in der Musikschule koordinieren.

Positiv zu erwähnen ist auch das Engagement der Eltern, die sich in diesem Jahr mehrmals getroffen haben, um den Hof und die Lagerräume der Schule aufzuräumen, Möbel instand zu setzen und kleinere Reparaturarbeiten am Gebäude vorzunehmen.

Vor zwei Wochen ist das Haus eines Schülers der EPA abgebrannt. Die Familie, die in armen Verhältnissen in den Landbesetzungen lebte, hat alles verloren. Daraufhin hat die Schule eine Benefizveranstaltung durchgeführt, bei der Schüler- und Lehrerbands auftraten, Essen verkauft und Geld- und Sachspenden gesammelt wurden. Im Publikum waren auch VertreterInnen des Rotary Clubs von Viña del Mar, die seit November 2019 erstmals fünfzehn Patenschaften übernommen haben, worüber wir sehr froh sind.
Wie geht es weiter in der Escuela Popular de Artes?

Natürlich ist auch die Schule von den politischen Unruhen betroffen. Die MitarbeiterInnen versuchen die Arbeit so normal wie möglich durchzuführen, auch wenn es öfters zu Problemen im öffentlichen Nahverkehr kommt und Stunden verlegt werden müssen. Gerade jetzt macht es aber Sinn, einen Raum für sinnvolle Freizeitbeschäftigung und gemeinsames Musizieren anzubieten, in dem die Kinder und Jugendlichen im Stadtteil aufgefangen und Perspektiven geschaffen werden können. Im Dezember haben sich sogar neue SchülerInnen eingeschrieben. Die Familien schätzen die EPA als einen Ort, an dem sich ihre Kinder wohlfühlen, gefördert werden und Freundschaften schließen. Für einige LehrerInnen ist ihre Arbeit in unserer Schule momentan die einzige Einkommensquelle, da andere selbstständige Tätigkeiten als MusikerInnen oder DozentInnen bei Universitäten oder öffentlichen Schulen seit Beginn der Proteste gar nicht oder nur unregelmäßig stattfinden.

Die Corporación Cultural CREARTE hat in diesem Jahr wieder die Finanzierung durch das chilenische Kultusministerium beantragt, die wir im letzten Jahren verloren hatten. Wegen der Proteste mussten wir lange auf eine Antwort warten, aber vor zwei Tagen bekamen wir endlich die positive Nachricht, dass das Projekt bewilligt wurde. Wir werden also im neuen Jahr ca. 100.000 Euros für das laufende Programm der EPA sicher haben. Zusammen mit den Spenden und Patenschaften aus Chile, Deutschland und Luxemburg werden wir jetzt also einen vernünftigen Haushalt für das neue Jahr aufstellen können. Eduardo und ich werden vom 10.12.19 bis 29.01.20 dafür vor Ort sein. Wir sind gespannt, wie sich die Zusammenarbeit mit der chilenischen Regierung im Kontext der politischen Unruhen gestalten wird. Auf jeden Fall ist es angesichts der Menschenrechtsverletzungen und der schwierigen, ungeklärten gesamtgesellschaftlichen Situation weiterhin wichtig, auf die Unterstützung von Privatpersonen und zivilen Organisationen im In- und Ausland bauen zu können und Netzwerke über die Landesgrenzen hinaus zu pflegen.


Besuch in Luxemburg

Vom 11. bis 13. Oktober waren Eduardo und ich zu Besuch in Luxemburg. Wir hatten Gelegenheit, uns mit dem Leitungsteam der Musikschule Echternach zu treffen und konkrete Ideen für den weiteren Austausch zu entwickeln. Wir freuen uns sehr darüber, dass die Musikschule ihr diesjähriges Weihnachtskonzert zugunsten der EPA ausrichten wird.
Wir trafen uns mit Roby Biwer von der Organisation „Beetebuerg helleft“, die seit vielen Jahren die soziale Arbeit in der Musik- schule fördert und berichteten ihm von den aktuellen Entwicklungen im Projekt und in Chile. Mit den Mitgliedern von “Niños de la Tierra“ (siehe Foto) hatten wir einen ausführlichen

Austausch. Als Duo Manzanar gaben wir ein Haus-konzert bei dem Musiker Camile Kerger, bei dem 285 Euro
Erlös für die Escuela Popular de Artes zusammen-kamen. Zunächst waren im laufenden Schuljahr 2019 keine Mittel für die Ensemblearbeit übrig. Dank einer privaten Spende aus Luxemburg kann die Arbeit des lateinamerikanischen Orchesters nun wieder aufgenommen werden.

In eigener Sache

Es war ein ereignisreiches Jahr, in dem unser Verein diverse Veranstaltungen organisiert und neue Kontakte geknüpft hat. Wir freuen uns, neue PatInnen in unserem Unterstützerkreis begrüßen zu können. Unter anderen hat der Rotary Club Westerwald in 2019 drei Patenschaften finanziert. Und über die Betterplace Spendenaktion zu meinem Geburtstag im Dezember letzten Jahres konnten weitere 4 Plätze ermöglicht werden. Für die schon seit langem bestehenden Patenschaften und alle in diesem Jahr erhaltenen Spenden möchte ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bei jedem Einzelnen bedanken. Insgesamt wurden in diesem Jahr 40 Plätze für Kinder und Jugendliche in der EPA über Patenschaften finanziert. Hinzu kamen diverse Spenden und Einnahmen aus Benefizkonzerten. So konnten wir in 2019 zusammen mit unseren befreundeten UnterstützerInnen in Luxemburg insgesamt 49.501 Euros an die EPA in Chile überweisen.

Ohne diese Unterstützung und die des Ensembles Salut Salon hätte das Projekt in diesem Jahr seine Arbeit nicht weiterführen können.

Am 5.5.2019 fand die diesjährige Mitgliederversammlung unseres Fördervereins CREARTE e.V. in Birken-Honigsessen statt. Wir begrüßen Andrea Maaß-Gerhartz als neues Vereinsmitglied und bedanken uns auch für die Mitwirkung unserer Gäste Carmen Kuzugüdenlioglu und Elke Scheiner bei dem konstruktiven Treffen.

Unsere nächste Mitgliederversammlung wird
am 10.05.2020 um 11 Uhr – wieder in 57587
Birken-Honigsessen, Hauptstr. 21 – stattfinden.

Eduardo und ich haben das ganze Jahr über wieder viele Workshops und Bildungsveranstaltungen rund um die Themen „Musik als Lebenschance“, „Wald als Ressource“ und „Kinder- / Jugendrechte und nachhaltige Entwicklung“ als ReferentInnen für Globales Lernen im Programm Bildung trifft Entwicklung durchgeführt. Das Kindermusical „Auf Abenteuerreise in Chile“ haben wir in verschiedenen Kindergärten aufgeführt und es sind tolle Wandbilder entstanden, u.a. bei der Ferienspaßaktion der Stadt Mettmann und der Gesamtschule Köln-Mülheim.

Am 9. August 2019 war die renommierte chilenische Rockformation TRYO, in der zwei Lehrer der EPA mitspielen, in Birken-Honigsessen zu Besuch und gaben zusammen mit der Wissener Band Soulmatic ein Benefizkonzert zugunsten der EPA in Alsdorf, bei dem 1808 Euros an Erlös eingespielt wurden. Das Publikum war begeistert und für unseren Verein war es eine sehr öffentlichkeitswirksame Aktion.
Zwar nicht als Benefizveranstaltung organisiert, aber auch sehr öffentlichkeitswirksam (- es waren sogar Fans aus Heidelberg angereist -) und vor allem eine Gelegenheit des Austauschs und Wiedersehens mit UnterstützerInnen und Vereinsmitgliedern war das Konzert mit der momentan sehr erfolgreichen chilenischen Liedersängerin Evelyn Cornejo und ihrem Partner Manolo Pez am 11. September im Centro Machado in Köln aus Anlass des Jahrestages des Militärputsches in Chile.

In demselben Kulturzentrum gaben Eduardo und ich am 20. November ein Konzert als Duo Manzanar und berichteten bei der Gelegenheit über die Arbeit der EPA. Dabei wurden 181 Euros für die Schule gespendet und zwei Mitglieder des „Coro Canto“ (s.o.) entschieden sich, eine laufende Patenschaft für einen Platz in der EPA zu übernehmen. Vielen Dank dafür! Bitte schon einmal vormerken: Vom 16. bis 19. Juli 2020 wird der Chor „Madrigalistas de Valparaíso” (https://www.youtube.com/channel/UCyIH_OZPHixnAQEcp9YscXw) unser Gast sein und am 18.7. ein Benefizkonzert für die EPA in der Thomaskirche in Köln geben. Vorab wird es ein Probenwochenende mit dem ehemaligen Chorprojekt „Coro Canto“ geben, um ein paar Lieder einzustudieren, die mit den chilenischen SängerInnen gemeinsam aufgeführt werden sollen. Jeder der/die mit- singen möchte, ist herzlich dazu eingeladen. Es wird beizeiten nochmal eine genauere Veranstaltungsinfo dazu geben.

Ich wünsche Ihnen / euch allen ein frohes und friedvolles Weihnachtsfest und einen guten Start im neuen Jahr.


Michaela Weyand
Vorsitzende Förderverein CREARTE e.V.

DIE MAPUCHE ORGANISATIONEN UND IHRE VERBINDUNG ZUM SOZIALEN AUFBEGEHREN IN CHILE

Im Oktober dieses Jahres wird das Szenario in Chile gewaltsam verändert, ein Prozess des weitverbreiteten Protests wird ausgelöst, der sichtbar macht, was viele Jahre lang von den verschiedenen Regierungen seit dem Ende der Diktatur unmöglich gemacht wurde.
In einer Zeitspanne von ein paar Stunden entstand eine Situation, die ein Chile zeigte das anders war als das, das kommunikativ bekannt war. Aus einem Land, das als die wohlhabendste und stabilste Nation Lateinamerikas gilt, mit „ununterbrochener Demokratie“ seit dem friedlichen Fall Pinochets. Äußerlich gilt Chile als Verkörperung einer erfolgreichen Wirtschaftspolitik, die während der Diktatur von Ökonomen installiert wurde die an der Universität von Chicago ausgebildet wurden. Diese haben unter anderem das Rentensystem in ein vom Staat überwachtes privates Pensionsregime umgewandelt, ein Aspekt, der für andere Länder in der Region zu einem Vorbild geworden ist, da er ihnen eine ständige Anhäufung von Kapital ermöglicht. Eine Situation, die heute als eine der umstrittensten auf der Liste der sozialen Forderungen des Volksaufstandes erscheint.
Das gleiche Bild eines solventen, stabilen, demokratischen Landes macht es schwer vorstellbar, dass ein jugendlicher Protest gegen die Erhöhung der Tarife im öffentlichen Transport in der Hauptstadt einen Prozess ausgelöst haben könnte, der so stark ist, dass er alles, was eingedämmt war, ins Rampenlicht stellte: Von der Regierung eines Landes, das 30 Jahre lang einen erfolgreichen Status hatte, die Gültigkeit einer großen Anzahl sozioökonomischer Forderungen anzuerkennen, z.B. Einkommen, Renten und das Gesundheitswesen zu verbessern.
Angesichts der schwierigen Situation, die im ganzen Land sichtbar geworden ist, blieben die indigenen Organisationen, die Mapuche in diesem Fall, zunächst nur Zuschauer. Nachdem sie die nationalen Umstände analysiert hatten, beschlossen sie jedoch, sich dem nationalen Protestprozess anzuschließen und ihre Position öffentlich zu machen.

Während der verschiedenen Proteste der Mapuche werden mehrere Symbole spanischer Persönlichkeiten aus der Zeit der Eroberung und Invasion des Mapuche-Territoriums zerstört

Es ist klar, dass die langjährigen aber unerfüllten Forderungen der indigenen Völker, insbesondere der Mapuche, an die Regierung nun angesichts der gegenwärtigen Umstände eine Schlüsselstellung eingenommen hat. Eine „kosmetische Lösung“ wie sie die Regierung vorschlug, kommt nicht in Frage. Nur eine grundlegende Verfassungsänderung kann definitiv zu einem anderen Verhältnis der Indigenen zum Staat führen. Verpflichtungen, die schon bei der Rückkehr zur Demokratie eingegangen wurden stecken seit Jahren fest: Nationaler Rat der indigenen Völker, Verfassungsanerkennung, Ministerium für indigene Völker unter vielen anderen.
Die Mapuche-Organisationen sandten schon vor Monaten ein starkes Warnsignal an die Regierung indem sie die Konsultationen beendeten, dies nach zwei Ereignissen, an denen die derzeitige Regierung ihre Verantwortung nicht zugeben wollte. Einerseits der Mord an dem Mapuche-Aktivisten Camilo Catrillanca durch Einsatzkräfte der Polizei und andererseits der irreguläre Kauf von Mapuche-Land, das in der Region durch den beigeordneten Staatssekretär im Innenministerium Rodrigo Ubilla getätigt wurde.
Chile versteht nun besser die Brutalität, mit der der Staat handeln kann. Die Repressionshandlungen, die Verletzung der Menschenrechte vor den Augen der ganzen Welt, massiver Polizeiaufmarsch, der Druck auf Beamte, ihre Arbeit nicht auszuführen erinnern an Zeiten der Diktatur; der Schleier ist gefallen und das wahre Gesicht der Macht hat sich gezeigt. Solche Situationen erleben die Mapuche-Organisationen seit vielen Jahren, wenn sie ihre Rechte einklagen werden sie als „Terroristen“ abgestempelt und mit der ganzen Macht des Polizeiapparats unterdrückt.
Wie wir bereits sagten, haben sich die Mapuche-Gemeinschaften diesem Prozess der Ablehnung unangebrachter politischen Entscheidungen im Land seit vielen Jahren verschrieben, indem sie dies auf organisierte Weise tun und eine interessante Reflexionsfähigkeit unter Beweis stellen. Die Situation gegen die das chilenische Volk sich zu diesem Zeitpunkt auflehnt, ist eine Realität, unter der sie schon lange leiden.

Manifestanten stürzen und zerstören die Statue von Pedro de Valdivia in Temuca

Hier offenbart sich die historische Wahrheit: Wenn Menschen ihre Angst vor der Staatsmacht verlieren, die sie selbst demütigte, wenn sie erkennen, dass die Würde der Person und des Volkes mehr ist als ein mageres Gehalt, finanzielle Unterstützung oder eine zentral erzeugte Agrarsubvention, an diesem Punkt fordern die Menschen ihre Rechte ein und verlangen einen echten Gesellschaftsvertrag, um nicht mehr Bürger zweiter Klasse zu sein, sondern als Person und als Volk anerkannt zu werden.
Heute wird Präsident Piñera nicht nur von Mapuche-Führern herausgefordert, sondern von einem Land im Allgemeinen. Und es ist nicht nur seine Regierung, es ist der Staat als Ganzes, der in Frage gestellt wird, weil er das Werkzeug par excellence war, um eine Struktur der sozialen Ungleichheit aufrechtzuerhalten, welche die Ausbeutung der Menschen durch nationale und ausländische Unternehmen ermöglichte, verbunden mit dem Raubbau an natürlichen Ressourcen wie im Falle von La Araucanía.
Die ursprünglichen Völker, insbesondere die Mapuche, sind sich bewusst, dass sie sich nicht weiter innerhalb des chilenischen Volkes assimilieren können, was Homogenität zu einer vermeintlichen Tugend macht. Aber es ist auch klar, dass neben der offensichtlichen Tatsache, soziale Räume zu teilen, zwischen dem chilenischen Volk und den ursprünglichen Völkern, die sie vereinen müssen, um die gleiche verfassungsmäßige Ordnung zu teilen. Ein interessantes Beispiel für die Erkenntnis, dass diejenigen, die die Mapuche unterdrückt und missbraucht haben, dieselben sind, welche alle Chilenen missbraucht haben, ist die Anwesenheit der Mapuche-Flagge in allen Erscheinungsformen dieses chilenischen Erwachens.
Die meisten strukturellen Veränderungen, die für das Land notwendig sind, kollidieren mit der aktuellen Verfassung z.B. die verfassungsmäßige Anerkennung der indigenen Völker mit dem Prinzip der eindeutigen Nationalität. In einer neuen Verfassung, wie sie in einem kürzlich unterzeichneten nationalen Abkommen vorgesehen ist, würde sie Fortschritte in Richtung Pluralität ermöglichen. Dies würde eine Änderung eines Großteils der bestehenden Vorschriften erfordern, was dazu führen würde, dass viele Ressourcen des Landes als Menschenrechte angesehen würden: Wasser und Umwelt unter anderen. Auch der Aufbau von Organisationsformen, die die Stimme jedes Volkes bindend berücksichtigen, würde bedeuten, dass das, was ein Volk billigt, auch erfüllt wird.
Die Mapuche haben in ihren Demonstrationen darauf hingewiesen, dass sie an eine Schicksalsgemeinschaft mit dem chilenischen Volk glauben, anerkannt, nicht als Untergebene und Ausgeschlossene, sondern als solidarische Partner in einem multikulturellen Prozess.

Mehr als 7000 Personen bei Mapuche-Marsch

Heute wird die Möglichkeit eröffnet, aus der Horizontalität der Strukturen auszubrechen, von unten den Dialog zwischen den Kulturen zu schaffen. Es werden Pakte geschlossen, die den Chilenen und indigenen Völkern bei der Entwicklung jedes Einzelnen zu Nutzen kommen. Heute gibt uns die von den indigenen Organisationen vorgeschlagene Territorialität Kriterien der Verantwortung auf der intra-, generationeninternen und interkulturellen Ebene. Im Kern geht es darum, wie wir das Zusammenleben zwischen den Gesellschaften für die Zukunft aufbauen, und sogar, wie wir mit unserer Umwelt leben, um mit der Artikulation anderer Territorien voranzukommen, bis wir dem Land eine neue Physionomie gegeben haben.

Roberto Mansilla
Direktor von FUNDECAM, Temuco

UNRUHEN IN CHILE

 

Die Berichterstattung der Medien hierzulande zu den Ereignissen der vergangenen Wochen in Chile war oft ziemlich spärlich und einseitig.

Karoline Mayer von der Stiftung „Cristo Vive“ versucht in einem Interview ein ausführlicheres Bild der Lage zu geben.

 

Unsere lieben Freunde von Cristo Vive Europa, der Schweiz und Luxemburg,

Mit bangem Herzen hoffen wir, dass uns zusammen mit unserem Volk der Aufbruch in eine gerechtere und geschwisterliche Zukunft gelingt.

Daniela Steiner (auf Besuch aus der Schweiz) und unsere Mitarbeiterin in der Öffentlichkeitsarbeit, Annekathrin Erk, hatten die Idee ein Gespräch mit mir zu führen und es aufzuzeichnen.
Es geht um die Hintergründe, die Geschehnisse und einen Ausblick zur sozialen Krise, die wir gerade erleben.

Unter folgendem Link könnt ihr euch bei Youtube das Gespräch anhören.

Aufführung des CANTO GENERAL von Pablo Neruda

An zwei aufeinanderfolgenden Tagen wird der Groβe Gesang von Chiles bedeutendem Dichter Pablo Neruda (1904-1973) Ende Juni 2019 hierzulande aufgeführt.
In den 15.000 Versen des Canto General deutet Neruda Wesen und Geschichte des südamerikanischen Kontinents von der Vorzeit bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts. Er klagt die Unterdrücker Südamerikas an. Er steht an der Seite der Armen, beschreibt aber auch die unglaublichen Reichtümer dieses Kontinents. Sein Epos ist auch eine Hymne auf die Ureinwohner Chiles. Vom griechischen Komponisten Mikis Theodorakis vertont, wird der Groβe Gesang zu einem Welterfolg.
Pablo Neruda war ein unermüdlicher Kämpfer für soziale Gerechtigkeit. Als Mitglied der kommunistischen Partei hatte er die entsetzlichen Lebensbedingungen in den Minen und Arbeitslagern in Nordchile kennengelernt. Demzufolge machte er sich zum Anwalt der Menschen “ohne Schule und ohne Schuhe“, wie er in seiner Autobiographie „Ich bekenne, ich habe gelebt“ schreibt.
Mikis Theodorakis, Jahrgang 1925, gilt als der berühmteste griechische Musiker des 20. Jahrhunderts. Er hat Kantaten und Oratorien, Symphonien, Kammer-und Filmmusik geschrieben.
Die bekannten Luxemburger Chöre Ambitus und Eurocantica haben sich vereint, um dieses monumentale Werk in wesentlichen Auszügen aufzuführen: am 29. Juni 2019 um 20 Uhr im Trifolion in Echternach und am 30. Juni 2019 um 17.00 Uhr im Artikuss von Zolwer. Weitere Details entnehmen Sie der Presse.
Michel Schaack

Niños de la Tierra a.s.b.l.
invite tous ses donateurs et sympathisants
à son


ASSEMBLÉE GÉNÉRALE ORDINAIRE

mardi le 26 mars 2019 à 20.00 heures
à la Boutique du Monde 42, route de Mondorf Bettembourg
Ordre du jour :

  • allocution du président
  • approbation du procès-verbal de l’assemblée générale 2018
  • rapport d‘activités
  • rapport financier
  • rapport des réviseurs de caisse
  • approbation des rapports
  • désignation des réviseurs de caisse
  • fixation de la cotisation
  • projets actuels et futurs
  • compte rendu du voyage de projets en Bolivie, avril 2018
  • divers
    Un pot de l‘amitié sera offert.
    Le Conseil d’Administration de Niños de la Tierra a.s.b.l.

Neues von TRABAJO DIGNO

Gestern erreichte uns eine Nachricht von Martine Greischer von TRABAJO DIGNO, einem Projekt  von OGBL Solidarité Syndicale, das Niños de la Tierra mit unterstützt:

… mir sinn amgaang, un engem Workshop-Buch zu sozialer an Aarbechtsmaart-Integratioun vun fréieren Heemkanner matzeschaffen, an un enger Studie dozou, déi parallel leeft.
Mir hunn e Gesetzesprojet ausgeschafft, zur Aarbechtserlabnis vu Mannerjähregen, dee mir dëser Deeg an der Chamber hei areechen; an elo grad huet e Kolleeg vu mir säin Documentaire zu Kanneraarbechter vu Cochabamba fäerdeg produzéiert, dee mir probéieren, hei grouss ze weisen, soubal en eraus kënnt.
Ech sëtzen iech den Trailer hei derbäi:

Take Off Documentary Trailer vimeo.com
In Bolivia there are approximately one million working children and youth who are at risk. Take Off is a film about their stories of courage, strength, resilience,…

Am Film gesäit een d’Lorena, wat ech duerch d’Fanni kenne geléiert hunn a wat ech zënter 2012 begleeden an ënnerstëtzen. Et ass him net ëmmer gudd gaang a séngem Liewen, ma hatt huet eng enorm Energie a Liewensfreed, déi hatt ëmmer weider bréngen.
Genau wéi d’Adriana, wat een och am Trailer gesäit. Hatt hunn ech duerch de Fernando – deen de Film gedréint huet – kenne geléiert, an och hatt ënnerstëtzen ech reegleméisseg. Hatt hat en Accident vrun e puer Joer, a sénger Mamm hier Pai geet net ëmmer duer, fir séng Schoul ze bezuelen. Dëst Joer mécht hatt d’Première, duerno geet et gäer op d’Uni. Hatt ass eng immens Persoun…

Martine

Papst geißelt „Plage der Gewalt an Frauen“

Papst Franziskus beklagte auf seiner Südamerikareise im Januar 2018 die vielen Femizide auf dem Kontinent. Von den 25 Ländern mit den meisten Morden an Frauen liegt laut UN-Angaben die Hälfte in Lateinamerika. In Peru forderte der Papst eine andere Gesetzgebung und eine „Kultur der Ablehnung von Gewalt“.

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Papst Franziskus kritisierte während seines Besuchs in Peru die hohe Rate der Gewalt gegen Frauen in seinem Heimatkontinent. Die zahlreichen Fälle von Frauenmorden seien eine „Plage, die unseren amerikanischen Kontinent heimsucht“, sagte Franziskus in der Küstenstadt Trujillo im Norden des Landes. Noch am Samstagabend flog der Pontifex in die Hauptstadt Lima zurück, dort schloss er am Sonntag seine einwöchige Lateinamerika-Reise mit einer Messe unter freiem Himmel ab.

„Es gibt unzählige Situationen von Gewalt, die hinter so vielen Mauern totgeschwiegen werden“, klagte Franziskus während einer Marienfeier auf dem zentralen Platz Trujillos. „Ich lade euch ein, gegen diese Quelle des Leidens zu kämpfen, indem ihr eine Gesetzgebung und eine Kultur der Ablehnung gegen jede Form von Gewalt fördert“.

Peru kämpft seit langem mit hohen Gewaltraten, Lima gilt laut einer jüngst veröffentlichten Studie als eine der gefährlichsten Städte der Welt für Frauen. In anderen lateinamerikanischen Metropolen wie Mexiko-Stadt sind Frauenwaggons in der U-Bahn üblich.

n-tv.de 21.1.2018

 

FUNDACION CRISTO VIVE PERU und NIÑOS DE LA TIERRA asbl.
gemeinsam im Kampf gegen die Gewalt an Frauen in Peru

Seit dem Beginn ihres Einsatzes für die bedürftigen und unterdrückten Mitmenschen in Cusco/Peru, hat unsere Partnerorganisation FUNDACION CRISTO VIVE PERU (FCVP) sich vornehmlich der Problematik der Gewalt gegenüber Frauen verschrieben. Aufbauend auf einer Methodologie, welche sich orientiert am « nationalen peruanischen Interventionsplan gegen die Gewalt an Frauen », hat die FCVP seit 2004 zuerst eine ambulante und rein auf Volontariat aufgebaute Anlaufstelle für die von Gewalt und Ausbeutung betroffenen Frauen eingerichtet (psychologische und juristische Hilfe, Begleitung und Teilausbildung). Ab 2008 wurde die Hilfe « professioneller » und spezialisierte Mitarbeiter in Psychologie und Jura nahmen sich der Problematik an.

Rechtsbeistand für die Frauen in Not

Gruppentherapie

Seit 2009 ist Niños de la Tierra asbl. ein verlässlicher Partner der FCVP, haben wir doch ab dieser Zeit gemeinsam das Frauenhaus „Centro Hogar de acogida Sonqo Wasi“ (CHASW) aufgebaut und mit Leben gefüllt (über 7 Jahre hinweg wurde das Haus dank zweier kofinanzierter Projekte mit unserem Ministerium finanziert). Leider war nach 2016 kein neues kofinanziertes Projekt mehr drin, so dass es schwierig wurde, das CHASW « voll betriebsfähig » zu halten. Die peruanischen Stellen bekunden immer wieder die Wichtigkeit des CHASW und die Verschlechterung der Situation der häuslichen Gewalt in Peru : Allerdings sind bislang keine öffentlichen Gelder geflossen !! Zu kompliziert ist die peruanische Bürokratie und zu risikobeladen eine eventuelle Übergabe des CHASW an die öffentliche Hand (Missmanagement, Korruption, Kontrollverlust für die FCVP…).
Das CHASW ist ein Frauenhaus mit einer integralen Hilfestellung für alle Frauen, welche Opfer häuslicher, sexueller oder anderer Gewalt wurden und vorrübergehend eine schützende Anlaufstelle brauchen (die Aufenthaltsdauer ist auf maximal 6 Monate begrenzt, mitsamt ihrer Kinder).

Alle Bewohnerinnen können von folgenden Leistungen profitieren:
Freie Kost und Logis, Hilfe durch eine Sozialarbeiterin, psychotherapeutische und juristische Unterstützung, Schutz und tagtägliche Begleitung der Frauen (Risiko vom Aggressor verfolgt zu werden), schulische und berufliche Aus- bzw. Weiterbildung, Orientierung für die Zeit nach dem CHASW-Aufenthalt, einkommensbeschaffende Maßnahmen, schulische und psychologische Begleitung der Kinder.

Erlernen neuer Fähigkeiten

All dies kostet Geld und viel Einsatz, Liebe und Führsorge durch unsere Freunde der FCVP.

Bei mehreren Besuchen über die Jahre konnten wir immer wieder begutachten, welch gute Arbeit geleistet wurde und zu welchen erstaunlichen Lebensläufen die betreuten Frauen später befähigt wurden.

Jean-Paul Hammerel

Helfen Sie uns, dieses für Cusco einmalige Frauenhaus am Leben zu erhalten. Durch eine Spende mit dem Vermerk « Sonqo Wasi » erlauben Sie Niños de la Tierra asbl. ihr Versprechen halten zu können, weiter an der Seite der FCVP zu kämpfen, für eine gerechtere Welt.

 

Ateliers für die Kleinen