Neues Mapuche-Projekt

Begleitung von sechs Mapuche Gemeinschaften und Stärkung ihrer Nahrungssicherheit in der Gemeinde Vilcún, Araucanía, Chile

Die Situation der Ureinwohner Chiles, der Mapuche, hat sich unter der jetzigen Regierung nicht verbessert. Armut und Diskriminierung prägen weiterhin ihren Alltag.

Als Kleinbauern bewirtschaften sie ihr Land, meist nicht mehr als ein Hektar pro Familie, gerade genug zum Überleben. Viele müssen sich ein Zubrot als Saisonarbeiter verdienen, damit die Familie über die Runden kommt. 500.000 Hektar Land sind den Mapuche geblieben, etwa 5% ihres einstigen Landbesitzes. Die letzten Enteignungen wurden unter der Diktatur Pinochets vorgenommen, meist zugunsten von internationalen Großkonzernen. Diese sind verantwortlich für die massiven Umweltschäden in der IX Region Chiles. Vor allem die riesigen Eukalyptus-und Kiefernplantagen für die Holzindustrie und die Zelluloseherstellung, sowie die Fischzucht zerstören die natürlichen Ressourcen in der Umgebung der Mapuche Gemeinschaften.

Zusammenkunft der Gemeinschaft José Miguel Borne

Die Vernachlässigung durch den chilenischen Staat, die große Armut, die vielfältige Diskriminierung, all diese Missstände haben in den letzten Jahren immer wieder zu Konflikten mit der chilenischen Gesellschaft geführt. Der Staat setzt mit Hilfe der Antiterrorgesetze Pinochets auf polizeiliche Repression anstatt auf Dialog und Wiedergutmachung. Kein Wunder, dass der Konflikt immer wieder eskaliert.

Seit ihrer Gründung steht unsere Partnerorganisation, die Stiftung Fundecam, den Mapuche Gemeinschaften zur Seite und versucht ihnen konkrete Möglichkeiten aufzuzeigen, wie sie ihre Lebensumstände verbessern und ihre Rechte wirksamer wahrnehmen können. Auf diesem Weg unterstützen wir sie seit langen Jahren, weil wir von der Wichtigkeit dieser Arbeit überzeugt sind.

Arbeitssitzung der Gemeinschaft Juan Pichunleo

In dem aktuellen Projekt bezieht unsere Zusammenarbeit mit Fundecam sich auf sechs Mapuche Gemeinschaften der Gemeinde Vilcún in der IX. Region. In den betroffenen Gemeinschaften werden ungefähr 120 Familien während drei Jahren auf ihrem Weg zu besseren Lebensumständen begleitet und dies auf der Basis einer Stärkung ihrer kulturellen Identität, des Respekts der natürlichen Umwelt und der ländlichen Biodiversität.

Ein wichtiger Teil des Projekts besteht in der Ausbildung der “dirigentes”. Es handelt sich um die gewählten Vorstandsmitglieder der Gemeinschaften. In regelmäßigen Kursen lernen sie, wie sie die Interessen ihrer Mitglieder wirksam vertreten können. Die Inhalte der Kurse betreffen sowohl die indigene Gesetzgebung, als auch die Rechte der Mapuche. Sie lernen nicht nur, wie sie diese Rechte am besten einfordern und verteidigen können, sondern auch, wie sie sich mit anderen Gemeinschaften vernetzen können, um wirksamer zu handeln. Wichtig ist, die Gemeinschaften aus ihrer Isolierung herauszuholen und Kontakte nach außen zu knüpfen, vor allem mit den Gemeindeverwaltungen, mit regionalen und staatlichen Verwaltungen, sowie mit Organisationen, die sich um die Unterstützung der indigenen Bevölkerung bemühen.

Versammlung der „Dirigentes“ mehrerer Gemeinschaften mit Bürgermeisterin Susana Aguilera

Nach Ablauf der Projektdauer sollen die Vorstandsmitglieder “fit” sein, um sich bei den verschiedensten Bedrohungen ihrer Rechte gewaltlos aber wirksam zur Wehr zu setzen. Während der Kurse lernen sie auch, Anträge an die verschiedenen Ämter zu stellen, um Unterstützungsgelder zu beantragen. Meist wussten sie in der Vergangenheit nicht, wann ihnen eine Unterstützung zustand, weil keiner sie darüber informierte. Positiv ist in diesem Zusammenhang der gute Kontakt zur Gemeinde Vilcún, die sich schon bei der Ausarbeitung des Projekts behilflich zeigte.

Um die Armut zu bekämpfen und die Nahrungssicherheit zu verbessern, setzt Fundecam auf die Ausbildung der beteiligten Mapuche Kleinbauern. Ziel ist es, die Produktivität auf nachhaltige Weise zu erhöhen. Dies geschieht einerseits durch ein verbessertes Knowhow, andererseits durch die Finanzierung notwendiger Investitionen mittels sozialer Kredite, die im Projekt vorgesehen sind. Diese kleinen Darlehen werden von den Gemeinschaften selbst verwaltet und werden zur Hälfte zurückerstattet, um den geschaffenen Fonds solange wie möglich am Leben zu erhalten. Die Verwaltung des “Fondo Rotatorio” verstärkt den Zusammenhalt innerhalb der Gemeinschaften und ermöglicht den Betroffenen den Zugang zu Krediten, der ihnen bislang verwehrt blieb.

Versammlung der Gemeinschaft Juan Ancamil

Den Beteiligten wird sowohl theoretische als auch praktische Weiterbildung vor Ort angeboten. Jede Familie lernt einen Bewirtschaftungsplan aufzustellen. Dieser ist Bedingung für die Zuteilung der Kleinkredite. Auf diese Weise lernen die Familien ihre Arbeitsweise sowie ihre Infrastruktur zu hinterfragen, um anschließend schrittweise und nach festgelegten Prioritäten ihre Produktivität zu verbessern. Wichtige Aspekte sind erfahrungsgemäß: die Pflege der ausgelaugten Böden, die Herstellung von Kompost, das Sammeln und der Tausch von Saatgut, das Einzäunen der Weiden, um das Weglaufen der Tiere zu verhindern, eine wassersparende Bewässerung, die Instandsetzung, respektive das Errichten kleiner Ställe für das Vieh, sowie von Scheunen, um die Futtermittel sicher zu verwahren. Auch das nötige Werkzeug, das die Bodenbearbeitung vereinfacht, wird mit Kleinkrediten gekauft. Für motorbetriebene Maschinen ist kein Geld da, die vorhandenen Mittel würden nicht mal für den Kauf von Sprit reichen. Vieles was uns selbstverständlich erscheint, ist für diese Kleinbauern unerschwinglich. Ihr Leben ist hart. Der Ertrag deckt meist nur das Allernotwendigste.

Alle Aktivitäten werden gemeinsam mit den Beteiligten abgesprochen, dies ist ein wichtiger Aspekt der Nachhaltigkeit der Vorgehensweise. Die kulturelle Identität der Mapuche wird respektiert und gefördert. Alte Traditionen werden wiederbelebt. Dies geschieht u.a. im Bereich der Nahrungsmittel. Traditionelle Nahrungsmittel werden wieder angebaut und die alten Samensorten ausgetauscht. In Zeiten der Klimaveränderung und des großen Wassermangels, der viele Gemeinschaften betrifft, haben sich diese Pflanzenarten als widerstandsfähiger erwiesen. Die Förderung traditioneller Anbaumethoden ist vorteilhaft für die Biodiversität und erspart den Mapuche Kleinbauern den Kauf von teuren Düngemitteln und Samen.

Kulturelle Feier in der Gemeinschaft Juan Acuite

Durch den Kontakt mit Nachbargemeinschaften innerhalb ihres “Lof”, ihres traditionellem Territoriums, wird das Erlernte weitergegeben. Auf diese Weise werden die Beteiligten zu Multiplikatoren ihrer neuen Kompetenzen.

Dies sind kleine Schritte zur Armutsbekämpfung, zur Konfliktbewältigung und zur Einforderung legitimer Rechte, die wir als ONG Niños de la Tierra gerne unterstützen.

Yvette Schweich-Lux

Patenschaftsbericht für Niños de la Tierra a.s.b.l. Luxemburg

Viña del Mar, Chile, im Oktober 2016

 (Übersetzung aus dem Spanischen: Michaela Weyand)

Dieser Bericht umfasst die Aktivitäten und die Entwicklung der von Ihnen unterstützten Paten- kinder bzw. Jugendlichen im Zeitraum November 2015 bis Oktober 2016. In diesem Zeitraum erhielten 14 Kinder und Jugendliche durch Ihre Patenschaftsbeiträge die Möglichkeit, am Ausbildungsprogramm der EPA teilzunehmen, wobei es zwei Direktpatenschaften und 12

Projektpatenschaften gab.

I.- INFORMATIONEN ZUR PROJEKTENTWICKLUNG UND DEN GEFÖRDERTEN PATENSCHAFTEN

In diesem Jahr haben wir die Zusammenarbeit mit PraktikantInnen des Fachbereichs für soziale Arbeit   weitergeführt,   wodurch   die   fortlaufende   Betreuung   der   Kinder   und   Jugendlichen gewährleistet werden konnte. Die Unterstützung erfolgte insbesondere in den Bereichen der persönlichen Entwicklung, der Ausbildung und der Beziehungen innerhalb der Familie. Weiterlesen

TEATROBUS – der Durchbruch

Projekt « Teatro-Bus » wird von der Stadt Luxemburg subventionniert

Niños de la Tierra hat die große Freude Ihnen mitteilen zu können, dass das Projekt «Teatro-Bus» unserer Freundin Diane Catani (Santiago de Chile) in diesem Jahr (2016) durch die Stadt Luxemburg subventioniert wird. Auf Anfrage von Niños de la Tierra (im Kontext der jährlichen Subventionspolitik der Stadt für Projekte in Entwicklungsländern) hat die Stadtverwaltung das eingereichte Projekt zurückbehalten: Mit den zugesagten 19.997.- Euro ist somit ein großer Teil der Kosten des Projekts «Goûter l’art, pas la drogue au Chili» (sinngemäß «an der Kunst, nicht an den Drogen schnuppern») für 2016 abgedeckt.

karneval-2015

Die Gruppe der Stelzengänger beim Karnevalsumzug 2016 in Santiago de Chile

Das seit einiger Zeit auch von unserer ONG unterstützte Projekt hat zum Ziel, den Kindern der Vorstadtgemeinde Recoleta (bekannt für eine sehr aktive Drogenszene und hohe Kriminalität) durch Kunst, Theater, Tanz und Straßenzirkus eine Alternative zu bieten, ihre Freizeit kreativ zu gestalten und sich von den Drogen fern zu halten. Seit über 6 Jahren hat Diane eine kräftezehrende aber erfolgreiche Arbeit in Recoleta aufgebaut, welche bereits lokal und regional bekannt ist und immer mehr junge Leute (und deren Eltern) anzieht. Ihre Gruppe ist gewachsen und wird demnächst mit einem «richtigen» Bus in den nördlichen Gemeinden Santiagos präsent und aktiv sein.

Wir freuen uns, dass die Stadt Luxem­burg durch ihre Subventionierung, dieses Projekt unserer Partner NGO valorisiert hat und damit beweist, dass sie die präventive Arbeit in der Drogenbekämpfung zu schätzen weiß.

Niños de la Tierra asbl. sowie auch die Luxemburger Vereinigung Andamos, bleiben weiterhin verlässliche Partner für Dianes Arbeit.

Jean-Paul Hammerel

25 Jahre CRISTO VIVE CHILE

Einer Person und ihrem Sozialwerk hat unsere ONG Niños de la Tierra, gegründet 1987 unter der Bezeichnung „Chiles Kinder“, von Anfang an die Treue gehalten: Karoline Mayer.

Mit einer Gruppe von Gleichgesinnten rief unsere unermüdliche Freundin 1990 die FUNDACION CRISTO VIVE CHILE (FCVC) ins Leben, eine enorm wichtige Institution zur Bekämpfung der Armut in den Elendsvierteln im Norden von Santiago de Chile. Von ihren Diensten seien erwähnt: Krippen und Tagesstätten für insgesamt 1000 Kinder, zwei Berufsbildungsschulen bzw. Drogen-Rehabilitationszentren, Gesundheitsversorgung für 20.000 Bedürftige, sowie Unterstützung für Arbeitslose und Obdachlose. 450 Festangestellte sowie 70 Freiwillige sorgen sich um tausende von Frauen, Männern und Kindern, die in der Kalkulation des neoliberalen chilenischen Staates wenig zählen und die ohne die Hilfe der FCVC dahinvegetieren müssten.

Wir bewundern Karoline und ihre Mitstreiter, beglückwünschen sie zu ihrem Engagement und hoffen mit ihnen, dass in den kommenden Jahren der Staat mehr Verantwortung für die kleinen Leute übernehmen wird.

Michel Schaack

Regionaler Kulturpreis für die EPA


Im Dezember 2014 wurde die NRO Corporación Cultural CREARTE – Escuela Popular de Artes vom Regionalen Kunst- und Kulturrat Valparaíso ausgezeichnet. Bei der Prämierung „Kunst und Kultur 2014“ erhielt die Schule in der Sparte „Erziehung, Kunst und Kultur“ den ersten Preis als ein herausragendes inklusives und sozial engagiertes Projekt, welches sich zur Aufgabe gemacht hat, mittels innovativer Methoden der Kunst- und Musikpädagogik Entwicklungschancen für Kinder und Jugendliche zu schaffen. Die Auszeichnung nahmen Bernardo Zamora, Direktor der EPA, zusammen mit den beiden ProjektgründerInnen, Michaela Weyand und Eduardo Cisternas, im Veranstaltungssaal des Pablo Neruda Museums in Valparaíso entgegen.

Eine zweite wichtige Nachricht in diesem Zusammenhang ist, dass die EPA am 7. Januar 2015 das Projekt „Verbesserung der offenen Kulturbühne EPA“ gewonnen hat, das vom Nationalen Kulturrat vergeben wurde. Es handelt sich um eine Zuwendung in Höhe von 14.990.611 $ (chilenischen pesos), umgerechnet ca. 20.820 Euros, die dafür verwendet werden sollen, den Innenhof der EPA  zu überdachen und mit einem Zeltdach sowie einem für Veranstaltungen geeigneten Boden auszustatten. Dieses Projekt wird es ermöglichen, nicht nur wie bisher bei gutem Wetter, sondern das ganze Jahr über kulturelle Veranstaltungen und Präsentationen in den Sparten Theater, Musik und Tanz durchzuführen. Somit wird für die BewohnerInnen der Hügel von Vina del Mar eine wichtige Instanz zur Teilhabe am kulturellen Leben auf kommunaler Ebene geschaffen.

Auszeichnung für „unsere“ Kultur- und Musikschule EPA

 

Der regionale Kulturrat vergibt den ersten Preis in der Sparte „Kunst, Kultur und Erziehung“ an die EPA.

Die NRO Corporación Cultural CREARTE – Escuela Popular de Artes erhält die Anerkennung des Regionalen Kunst- und Kulturrates Valparaíso und erzielt den ersten Preis im Bereich „Kunst und Kultur 2014“.

In der Sparte „Erziehung, Kunst und Kultur“ wird unsere Schule als inklusives und sozial engagiertes Projekt prämiert, welches sich zur Aufgabe gemacht hat, mittels innovativer Methoden der Kunst- und Musikpädagogik Entwicklungschancen für Kinder und Jugendliche zu schaffen.

Die Preisverleihung fand am 12.12.2014 im Museum Pablo Neruda in Valparaíso statt.

2014, ein gutes Jahr für die Mapuche-Schule „Trañi-Trañi“

Eben erreicht uns eine Nachricht von Roberto Mansilla, Geschäftsführer von FUNDECAM, der sich für unsere finanzielle Unterstützung im Jahr 2014 für die multilinguale Mapuche Schule Trañi-Trañi bedankt.

Er berichtet weiterhin, dass der chilenische Unterrichtsminister Nicolás Eyzaguirre im Juni die Schule besucht hat.  Sehen Sie dazu folgenden Filmbeitrag: https://www.youtube.com/watch?v=W5xOs4Y-DiM

Der Besuch an sich sowie die dabei geführten Gespräche stimmen Roberto hoffnungsvoll in Hinsicht einer besseren Unterstützung durch die chilenischen Behörden.

Auch während einer Interpellation der äußersten Rechten im Parlament Ende November erwähnte der Unterrichtsminister diese Visite. Ein gutes Zeichen, dass die Ansprüche der Mapuche auf Anerkennung ihrer sprachlichen und kulturellen Eigenständigkeit in der anstehenden Reform des chilenischen Unterrichtswesens Gehör finden?