Die Juli-August Ausgabe der Zeitschrift “ila” ist EL ALTO, der Trabantenstadt von La Paz, gewidmet.
Niños de la Tierra asbl. unterstützt in EL ALTO das Projekt
Lernhilfen für Kinder und Jugendliche in den Minenarbeitervierteln von Potosi und den Armenvierteln von El Alto (la Paz)
Editorial ila 327 Juli/August 2009


Die bolivianische Millionenstadt El Alto ist sicher eine der außergewöhnlichsten Städte Lateinamerikas. Gleich mehrere Merkmale machen sie einzigartig. Zum einen liegt El Alto auf 4000 Meter Höhe und ist damit die höchstgelegene Metropole der Erde. Zum anderen ist El Alto die einzige Stadt dieser Größe, die fast ausschließlich von Indígenas bewohnt wird. Sie wird deshalb auch Hauptstadt der Aymara genannt. Weiterhin hat die Stadt eine außergewöhnliche wirtschaftliche Entwicklung genommen: aus Kleinstbetrieben etwa im Textilbereich ist dort inzwischen eine in Teilen international konkurrenzfähige Industrie entstanden. Doch die bietet nur einem kleinen Teil der Bevölkerung ein Auskommen. Die meisten Alteños und Alteñas versuchen sich im informellen Straßenhandel über Wasser zu halten, die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung lebt in extremer Armut.
Spätestens seit dem so genannten „Gaskrieg“, der im Oktober 2003 zum Sturz des neoliberalen Präsidenten Sánchez de Lozada führte, ist El Alto in Bolivien und weltweit auch zum Symbol einer rebellischen Stadt geworden. In wenigen Städten Lateinamerikas dürfte die soziale Bewegung so stark und so gut organisiert sein wie hier. Schließlich ist El Alto eine junge Stadt. Und das in doppelter Hinsicht: Kinder, Jugendliche und junge Leute stellen die große Mehrheit der Bevölkerung, jung ist auch die Ansiedlung selbst, die erst seit 20 Jahren eine eigene städtische Verwaltungseinheit ist. In den dreißiger Jahren ließen sich die ersten MigrantInnen aus dem bolivianischen Andenhochland in El Alto nieder, sozusagen vor den Toren der Hauptstadt La Paz. Weil das Tal von La Paz bei wachsender Zuwanderung immer weniger Siedlungsraum bot, blieben immer mehr Landflüchtlinge auf der Hochebene von El Alto. Ab den dreißiger Jahren kann man von einer städtischen Siedlung sprechen. 1950 hatte sie gerademal 11 000 EinwohnerInnen und gehörte verwaltungstechnisch zu La Paz. mehr
